Peru V – Cusco und Machu Picchu

13.12. – 31.12.2015

Unser nächstes Ziel führt uns circa 150 Kilometer nach Südosten in die Stadt Nazca in deren Nähe die sagenumwobenen Nazca-Linien liegen. Die riesigen Scharrbilder (Geoglyphen) in der Wüste wurden vermutlich zwischen 800 und 600 v. Chr. erstellt. Bis zu 20 Kilometer lange Linien, Dreiecke sowie Figuren mit einer Größe von bis zu mehreren hundert Metern, z. B. Abbilder von Menschen, Affen, Vögeln und Walen kann man hier bewundern, bevorzugt aus der Vogelperspektive. Einen der teuren Rundflüge gönnen wir uns nicht und versuchen mit einer Drohne ein paar Bilder aus der Luft zu machen, denn vom Boden aus kann man die Figuren kaum erkennen. Es gibt zwar einen Aussichtsturm, von diesem kann man aber nur ein bis zwei der Figuren sehen. In der Navigations-App von Maps.Me finden wir einige der Figuren und versuchen eine der nahe an der Straße liegenden von einem angrenzenden Hügel aus zu besichtigen. Aber das wird hier gar nicht gern gesehen. Schon nach kurzer Zeit stoppt eine Person, die sich zuständig fühlt und macht uns klar, dass wir wieder zurückkommen sollen. Wir packen ein und räumen das Feld. Wenig später treffen wir wieder auf Daniel und Joey, die am Straßenrand parken. Wir gesellen uns dazu und unterhalten uns ein wenig. Einige Minuten später kommt wieder jemand daher, der sich zuständig fühlt und uns darauf hinweist, dass wir nicht 2,5 Meter entfernt von der Straße stehen dürfen. Als wir uns nicht in dem von ihm erhofften Tempo sofort auf den Weg machen, macht er fleißig Fotos von unseren Kennzeichen und wird extrem schlecht gelaunt.

Scheinbar ist man hier etwas paranoid wenn es um die Annäherung an die Linien geht. Vielleicht aus gutem Grund, da 2012 und 2013 Teile der Linien bei der Rallye Dakar in den Jahren 2012 und 2013 beschädigt wurden. Gelegentlich stürzen auch Drohnen auf die Felder oder Personen fahren unwissend mit ihren Fahrzeugen über die stummen Zeitzeugen.

In der Nähe von Nazca gibt es auch noch eine etwas weniger bekannte Attraktion: Die Mumien vom Friedhof in Chauchilla. Hier kann man gut konservierte Mumien in ihren Grabstätten sehen. Diese sind vermutlich im Jahre 200 nach Christus hier beerdigt wurden. Ein weiteres Highlight hier in der Nähe der Stadt Nazca sind die Cantalloc Aquädukte. Es handelt sich dabei um ein Bewässerungssystem, welches bereits vor 500 bis 600 n. Chr. von den Bewohnern von Nazca errichtet wurde. Obwohl sich die Wüste immer weiter ausbreitete, konnte mit dem System der Anbau von Baumwolle, Getreide, Mais, Bohnen und Kartoffeln sowie verschiedenen Früchten sichergestellt werden. Auch heute noch wird das Bewässerungssystem genutzt.

Die Nazca-Linien sind schon beeindruckend, aber für mich weit aus beeindruckender, da vielleicht besser vom Boden wahrzunehmen, sind die Terrassen bei Andamarca.

Eigentlich wollten wir auf dem Weg nach Cusco nur einen kleinen Umweg fahren, um ein paar Kondore zu beobachten, aber am Ende haben wir keine Kondore gesehen. Dies ist nicht sonderlich schlimm, da das besonders imposante Panorama der Terrassen mehr als entschädigt. Diesen über 2 Meter hohen Terrassen-Stufen komme ich bei dem Versuch die beeindruckende Szenerie von der Luft aus einzufangen, leider näher als gewollt. Unsere Drohne stürzt im kontrollierten Sinkflug gen Boden in ein Maisfeld. Ulli bleibt vor Ort und behält die Absturzstelle im Auge, sodass sie mich an die Stelle lotsen kann. Ich mache mich währenddessen auf den Weg und bekomme nun erst die Größe der Terrassenstufen zu spüren. Diese sehen von weiten nicht ganz so riesig aus. Leider sind sie so hoch, dass ich nicht von Stufe zu Stufe springen kann und muss mir immer einen Weg zum Absteigen suchen. Zum Glück sind auch noch zwei Feldarbeiter vor Ort, die sich für das Fluggerät interessieren und mir einen Weg zum Absteigen zeigen. Abgesehen von ein paar gehäckselten Maispflanzen gibt es keine weiteren Schäden. Die Drohne ist etwas verdreckt und zerkratzt, aber ok. Leider haben wir nicht berücksichtigt, dass wir hier noch deutlich über 2.000 Meter hoch sind, was die Leistung der Drohne stark einschränkt. Da haben wir wohl noch mal Glück gehabt – Lektion gelernt!
Wir entscheiden uns hier in der Nähe unser Nachtlager aufzubauen, suchen nach einem geeigneten Plätzchen und werden auch fündig. Die Landschaft erinnert durch die vielen Findlinge ein wenig an Schottland. Wir denken, dass wir hier fernab der Zivilisation sind, werden aber am Morgen eines besseren belehrt. „Mitten in der Nacht“: würde Ulli wohl sagen, ich sage es war kurz vor 6 Uhr, als wir Geräusche von draußen hören. Ich schaue nach und sehe ein paar Jugendliche, die Kühe zusammentreiben. Beruhigt legen wir uns noch mal aufs Ohr, bis wir nach kurzer Zeit wieder Geräusche aus der unmittelbaren Umgebung vernehmen. Abermals schaue ich nach und sehe, dass die Kühe nicht weit von unserem Zelt auf einem freien Platz zusammengetrieben werden. Nun stehen wir aber auf. Und nur kurze Zeit später muss ich Ulli sagen, dass sie nun eine Kuh schlachten. Keine 50 Meter hinter unserem Zelt, steht eine Familie und zerlegt die Kuh. Wie sich im Gespräch herausstellt, wird dies der Weihnachtsschmaus. Bei der Schlachtung sind selbst die Kleinsten mit dabei und werden an das „Ritual“ herangeführt. Hier weiß man noch, dass die Kühe nicht lila sind und das Fleisch nicht aus dem Tiefkühlregal kommt.

70 Kilometer geht es entlang einer idyllischen Landstraße durch eine wunderschöne Hochlandschaft. Leider liegen an diesem Tag auch 180 regnerische und kalte Kilometer vor uns, bis wir Chalhuanca erreichen. Wie es der Zufall so will sehen Joey und Daniel unsere Bikes im Innenhof des Hostels stehen und kommen unverhofft bei uns vorbei.
Am Freitag den 18.12.2015 erreichen wir Cusco. Die ersten Meter durch die Stadt sind allerdings nicht sehr ansehnlich. Unendlich viele Rohbauten aus roten Ziegeln, Müll und Schmutz wohin das Auge sieht. Je weiter wir in die Stadt kommen, umso besser wird der Zustand jedoch. Etwas später treffen wir uns wie besprochen mit Joey und Daniel vor unserem Hostal. Dieses ist allerdings nicht so toll, sodass wir in den kommenden Tagen ein neues suchen, um die Weihnachtstage in einer schönen Atmosphäre verbringen zu können. In den kommenden Tagen haben wir zahlreiche Möglichkeiten den schönen Stadtkern zu besichtigen und uns um organisatorische Dinge zu kümmern.
In den Tagen kommen wir auch in den Genuss einiger kulinarischer Köstlichkeiten aus Peru wie z. B. Alpaka, Meerschweinchen und Pisco Sour. Das Meerschweinchen war nicht so toll, aber das Alpaka und der Pisco Sour waren klasse.

Da man hier allerhand Equipment zum Camping erwerben kann, mache ich mich auch auf die Suche nach neuen Zeltstangen und neuen Klamotten.
An einem Abend, bei einem leckeren Crêpe sehen wir in dem Restaurant ein Schild auf dem steht, dass man bei einem bestimmten Angebot Straßenkinder unterstützt. Wir erkundigen uns, was es damit auf sich hat und stoßen auf die Organisation Asociación Qosqo Maki (https://www.stiftung-fuer-helfer.de/projekt/asociacion-qosqo-maki), die den Straßenkindern hier die Möglichkeit auf eine bessere Zukunft geben will. Auch wir wollen die Möglichkeit nutzen und diese Organisation bei ihrer Arbeit helfen. Wir machen einen Termin mit Indah aus und treffen die Gründerin dieser Gemeinschaft am nächsten Tag. Mit ihr besprechen wir, wie wir gemeinsam mit der Stiftung für Helfer die Organisation unterstützen können. Wir werden ein paar Bücher kaufen und die Bibliothek der Organisation aufstocken. Es ist gar nicht so leicht die richtige Wahl zu treffen. Auf der einen Seite sind die Kids schon etwas älter und auf der anderen Seite, sind sie von ihrem Wissensstand noch lange nicht so weit wie wir es von Gleichaltrigen aus Industrieländern kennen. Darum müssen wir nicht nur darauf achten, dass die Kids Wissen vermittelt bekommen sondern auch motiviert werden zu lesen. Das ist gar nicht so einfach. Am nächsten Tag bringen wir die Bücher zu den Räumlichkeiten der Asociación Qosqo Maki, spielen dort ein wenig mit den Kindern und unterhalten uns mit den Verantwortlichen vor Ort.

http://www.krad-wanderer.de/2017/08/projekt-fuer-s…der-qosqo-maki/

Am 29.12. stehen wir zeitig auf und kaufen Tickets für die wohl bekannteste Touristenattraktion in Peru: Machu Picchu. Wir haben lange überlegt, ob wir das wirklich machen wollen, da es zum einen sehr touristisch und überlaufen und zum anderen auch ganz schön teuer ist. An manchen Tagen muss man schon Glück haben, eine der täglich zu vergebenden 2500 Karten abzubekommen, da der Ansturm so groß ist und Touristen aus der ganzen Welt herbeikommen, um diese Tempelanlage zu sehen. Bevor es losgeht, schauen wir noch mit unseren gepackten Motorrädern in der zur Organisation gehörenden Bäckerei vorbei und unterhalten uns kurz mit den Kids, die sich hier in Ausbildung befinden und dem Besitzer der Bäckerei. Dann geht es weiter nach Santa Maria.

Wir checken mit Joey und Daniel in ein Hostel ein. Von hier aus starten wir am nächsten Tag mit Daniel in einem Taxi zum Hydroelektrikum. Joey bleibt im Hostel da sie bereits vor einigen Jahren Machu Picchu besucht hat. Vom Hydroelektrikum aus laufen wir weiter. Gute 3 Stunden wandern wir entlang der Bahnschienen. Theoretisch hätten wir auch mit der Bahn fahren können, aber die Kosten für die Zugtickets sind übertrieben teuer. Etwas Bewegung hat bisher noch nie geschadet. In Aguas Calientes angekommen suchen wir uns Hostel für die Übernachtung und suchen noch nach etwas Proviant für den morgigen Tag.

Es ist Silvester und wir stehen bereits 3.30 Uhr auf. Zu Fuß geht’s los. Ein streunender Hund begleitete uns. Wir wollen vor den Touristenmassen am Eingang sein, damit wir noch ein paar Fotos machen können ohne all die Leute. Unser Plan war nicht schlecht, aber ein Wächter an der Brücke über den Fluss wollte uns einen Strich durch die Rechnung machen und ließ uns nicht rüber. Nach einer gefühlt endloslangen Diskussion konnten wir ihn dann „überreden“ und unsere Wanderung fortsetzten.

Wir hatten Glück, denn es war fast Vollmond und die Wege deshalb ein wenig ausgeleuchtet. Aber auch unser streunender Freund half uns dabei auf dem richtigen Weg zu bleiben. Oben an den Eintrittshäuschen angekommen (es ist nun schon 5.45 Uhr), hat er sich wie auch wir, einen Imbiss verdient. Wir sind die Ersten! Aber es dauert nicht lange, die ersten Busladungen erreichen den Eingang und die Schlange hinter uns wird im Minutentakt länger und länger.

Nach einigen Minuten ist es dann so weit, die Tore öffnen sich und wir machen uns in schnellen Schritten auf den Weg, schauen auf die Karte und hoffen gleich den Punkt zu finden, von wo aus man den besten Blick auf die Tempel hat. Denn bei den Massen an Menschen wird sich das Areal sehr schnell füllen und die magische Stimmung dieses Ortes ist sehr schnell weg. Wir hatten lange überlegt, ob wir überhaupt hier herkommen. Jetzt sind wir sehr froh hier zu sein und genießen jeden Augenblick dieser einzigartigen Atmosphäre. Das Wetter spielt mit, die Sonne scheint und ein paar wenige Wolken sorgen für eine schöne Aussicht. Nachdem wir die Szenerie ausgiebig genossen haben, stürzen wir uns auch in Getümmel und schauen uns die Tempelanlagen aus der Nähe an. Das Genießen der Tempelanlagen fällt allerdings sehr schwer. Dafür sorgen zum einen die große Menschenmasse und zum anderen die daraus resultierende Anzahl an Wächtern, die mit ihren Trillerpfeifen auf jeden noch so kleinen Verstoß lautstark pfeifend aufmerksam machen. Das nervt!
Leider lässt sich die Anlage nur auf einem Einbahnstraßensystem begehen, sodass man schlechte Karten hat, wenn man wieder an eine Stelle zurückgehen möchte. Genug gemeckert. Leider wollen viel zu viele Menschen diesen geheimnisvollen Ort sehen, was wir verstehen können.

Nachdem wir alles unter die Lupe genommen haben, machen wir uns auf den Rückweg. Wieder geht es entlang der Gleise zum Hydroelektrikum und von dort aus mit dem Taxi weiter nach Santa Maria, wo wir noch einmal für den Silvesterabend einkaufen. Gemütlich lassen wir diesen besonderen Tag ausklingen. Die Mädels wagen noch einen Abstecher auf den benachbarten Sportplatz, wo der Jahreswechsel ebenfalls gefeiert wird.

Das letzte Jahr feierten wir Silvester noch mit Jorge und Roxana in Mexiko.

Auf geht’s ins neue Jahr.

 


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Peru IV – Lima und Ica

2.12.- 12.12.

Heut ist der 2. Dezember 2015 und wir sind kurz vor Lima. Fast 9 Millionen Menschen leben in dieser Stadt. Über den Verkehr hier haben wir schon die tollsten Sachen gehört, darum haben wir uns entschieden ihn so gut wie möglich zu vermeiden. Aus diesem Grund stehen wir schon 4.00 Uhr auf. Auf der Fahrt sehen wir nur sehr wenige Fahrzeuge und können somit entspannt unser Ziel, ein größeres Einkaufscenter anfahren. 5.20 Uhr erreichen wir unser Ziel und müssen nun noch eine ganze Weile warten bis sich hier die Tore zum Parkplatz öffnen. Aber lieber warten wir hier entspannt, als in dem stressigen und lauten Verkehr festzustecken. Mit jeder Minute, steigt das Verkehrsaufkommen und wir freuen uns, dass sich das zeitige Aufstehen gelohnt hat. Später treffen wir uns hier mit Joey und Daniel und gehen dann zu deren Apartment, die hier bei Freunden untergekommen sind. Später am Abend holt uns dann Marco, ein Freund von Ullis ehemaligen Kollegen, bei den beiden ab.
Wir fahren mit Ihm zu Helmut. Er ist quasi der Chef der Steel Riders MC – PERÚ (www.facebook.com/SteelRidersMCPeru), einer der hiesigen Bikerclubs und lässt uns, obwohl er uns nicht kennt, für ein paar Tage bei sich wohnen.

Hier in Lima wollen und müssen wir wieder einmal die Reifen wechseln. Auf den kommenden Abschnitten wird es nur noch wenige Gelegenheiten dazu geben, aber gerade dort werden wir uns über jeden Millimeter mehr an Profil freuen. Bereits vor Wochen hatten wir bei Harald, einem Deutschen Unternehmer, der hier in Lima lebt, angefragt und die Reifen bestellt. Er ist gerade dabei mit seinem Geschäft Motorrad Style & Tours (www.facebook.com/motorradtoursperu) umzuziehen und entschließt sich spontan uns die guten Heidenau K60 Scouts zu spendieren. Als uns Daniel von den Open-Explorers die Nachricht überbringt, das heißt aus den 11. Stock herunterruft, können wir das erst gar nicht richtig glauben und denken, er meint vielleicht die Schläuche oder, dass das Aufziehen der Reifen kostenlos ist. Als wir es dann endlich realisiert haben, ist die Freude noch viel größer. Bei der Einweihungsfeier des neuen Geschäftes sind wir natürlich auch dabei. Sogar die Vizepräsidentin von Peru, Marisol Espinoza Cruz, ist dabei.

An einem anderen Abend in Lima treffen wir uns gemeinsam mit Daniel und Joey mit Carlos, dem Peruaner von der Stahlratte, der bei der Überfahrt seine beiden Windhunde dabei hatte. Er zeigt uns ein wenig die Stadt und zusammen mit seiner schwangeren Frau essen wir zu Abend. Die Beiden sind von Kanada wieder zurück nach Peru gezogen.
Zum Nikolaustag gibt es eine kleine Motorradausfahrt mit Helmuts Motorradclub. Wir treffen weitere Biker am Strand und ich unterhalte mich so gut es geht mit meinem Spanisch, ab und zu geht es auch in Englisch. Ulli ist in der Wohnung geblieben, erholt sich ein wenig. Einer der Biker ist zwar in „Deutscher Uniform“ unterwegs, aber spricht leider kein Deutsch. Gern hätte ich mehr über die Hintergründe und sein Bewusstsein für diese Zeit erfahren. Weiter geht es dann zum Clubhaus des Motorradclubs. Ein noch im Bau befindliches, aber dennoch schönes Anwesen. Hier kann man gut feiern :-) Abends treffen wir uns mit Joey und Daniel und schauen uns „James Bond – Spectre“ im Kino an.

Die meiste Zeit in Lima nutzen wir zur Organisation und zum Einkaufen. Leider streikt die Post gerade und wir wollen eigentlich ein Paket in die Heimat schicken. Eine sehr freundliche Angestellte hilft uns aber so gut sie kann und das ist deutlich mehr als wir es von Postbeamten auf unserer Reise gewohnt sind. Sie hilft uns bei der Verpackung und bei der Deklarierung des Inhaltes. Sie warnt uns schon vor, dass es länger dauern kann, da die Post streikt. (Nachtrag: Zu unserer Überraschung war das Paket dann aber schneller als gedacht in der Heimat angekommen).
An einem Abend schaffen wir es dann auch noch die Eltern und die Schwester eines ehemaligen Arbeitskollegen von Ulli zu besuchen.
Die neuen Reifen können wir fast direkt vorm Haus wechseln, denn keine 100m von uns ist ein Reifenmonteur, der die Arbeit übernimmt. Leider muss man ganz genau schauen, was er da macht – Motorradreifen hat er wohl nicht so oft zum Aufziehen da. Abends schaffen wir es noch einmal mit Carlos, Joey und Daniel um die Häuser zu ziehen.
Nach 10 Tagen verlassen wir Lima. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Helmut, seine Familie und Harald. Eigentlich wollten wir nach Lima wieder mit den beiden Kolumbianern weiterreisen, aber wir waren ein paar Tage zu lange in Lima und die Beiden sind schon weitergefahren. Wir stehen aber weiterhin in Kontakt und hoffen uns später wiederzusehen.

An Ullis Geburtstag fahren wir rund 300 Kilometer nach Süden, in eine kleine Oase namens Huacachina (-14.087455, -75.763691) (https://goo.gl/maps/QT8mQA2mfBB2), ganz in der Nähe von Ica. Bei einem Tankstop schafft es die Angestellte irgendwie mein Motorrad umzuwerfen. Vielleicht lag es an der Gewichtsverlagerung bei einem vollen Tank. Zum Glück ist bis auf ein paar Liter verschüttetes Benzin nichts passiert.

Umgeben von nichts als Sand, hat sich rund um die kleine Oase eine Vielzahl von Hotels, Hostels und Tourismusbüros angesiedelt. Die meisten Touristen werden vermutlich von der Möglichkeit mit Sandboard die hohen Dünen herunterzurutschen, angezogen. Da man für diese Tour weit in die Dünen gefahren wird, entscheiden wir uns diesen Spaß auch mal auszuprobieren. Nach den ersten Metern im Sand fühlen wir uns gleich wieder in die Zeit mit Dave in den Coral Pink Sand Dunes (Utah) zurückversetzt. Nur hier scheinen die Dünen endlos zu sein. Nach den schnellen Touren durch den Sand geht es dann hin und wieder mit dem Board die Sanddünen hinunter. Da merkt man erst wie steil diese Dünen sein können. Spaß garantiert! Joey und Daniel, die etwas später in Lima gestartet sind, stoßen am Abend wieder zu uns. In der Nacht haben leider ein paar andere Leute Spaß und die laute Musik sorgt für eine fast schlaflose Zeit.

Dies ist besonders bescheiden, da wir alle zusammen am nächsten Morgen (6:40 Uhr) zu den Islas Ballestas fahren. Diese befinden sich westlich von der Stadt Pisco. Auf diesen Inseln selbst befinden sich die Zeichnungen „El Candelabro“ sowie viele verschiedene Tiere wie zum Beispiel: Blaufußtölpel, Pinguine, Seelöwen, Krebse, Seesterne und Pelikane. Auf den Inseln gibt es große Vogelkolonien. Mit einem Schlauchboot werden wir um die Inseln herumgefahren und können einige Pinguine beobachten.
Als wir wieder zurück sind, geht es noch mal mit einem Buggy zurück auf die Dünen. Dieses Mal sind wir nur zu viert mit dem Fahrer unterwegs und können somit individuell die Route bestimmen. So bekommen wir neben schönen Seiten der Dünen auch eine sehr arme Siedlung zu sehen, die sich direkt hinter einer der Dünen befindet. Ich glaube nicht, dass viele Touristen diese zu Gesicht bekommen.


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Peru III – Wenn der Berg ruft

Da uns die morgendliche Wanderung und die Höhe im Allgemeinen zugesetzt haben, entscheiden wir uns hier ein Hostel zu suchen. Mateo und Juan fahren noch ein Stück weiter. Wir nutzten die Gelegenheit und suchen nach ein paar dünnen Rohren, die wir zum Reparieren der Zeltstangen nutzen können.

Am nächsten Morgen treffen wir Mateo und Juan im nahegelegenen Städtchen Yungay wieder. Gemeinsam wollen wir weiterfahren, aber die beiden brauchen noch etwas Zeit, sodass wir schon mal voraus fahren. Sie hatten es mal wieder geschafft und sich eine kostenlose Unterkunft organisiert. Aber da sie es den Einheimischen gleich tun wollten und ohne Helm zum Einkaufen gefahren sind, durften die beiden eine nicht unbeträchtliche Summe an die hiesige Polizei bezahlen. Selbst in dem Moment als wir auf die Beiden gewartet haben fahren viele Einheimische an der Polizeistation ohne Helm vorbei und werden von keinem Polizisten behelligt. Da sieht man mal wieder wie das hier läuft. Mateo konnte die Strafe zumindest mit seiner frechen Art ein wenig herunterhandeln. Na ja, Strafe muss sein :-)

Ulli und ich machen uns auf den Weg zur Lagune Llanganuco, die Teil des Huascaran Nationalparks ist, für den man Eintritt zahlen muss. Hier in den Büchern sehen wir auch, dass Joey und Daniel einen Tag vor uns hier durchgekommen sind und somit sind wir uns ziemlich sicher, dass sie die Kekse für uns hinterlassen haben.
Die wunderbar blau leuchtenden Lagunen im Nationalpark sind zwar ebenfalls wunderschön, aber wenn man gerade von der Lagune Paron kommt, nimmt man diese eher als nette Randerscheinung wahr. Leider haben sich auf dem Weg hier einige Eier von ihrer Schale befreit und schwimmen nun zum Glück in der dafür vorgesehenen Box herum. Da wir eh noch auf die beiden Kolumbianer warten müssen, beschließen wir die Eier hier an Ort und Stelle zu essen und machen es uns am Wegesrand gemütlich. Fast Food mal anders.

Die Sonne geht langsam unter und kurz bevor es dunkel wird, stoßen dann auch unsere Weggefährten zu uns. Nun müssen wir überlegen wir es weiter gehen soll. Eigentlich wollen wir nicht die hohe Gebühr zahlen müssen, die anfällt, wenn man im Nationalpark übernachten will, das wären nämlich gleich mal 30$ pro Person, wohingegen der Tageseintritt nur ca. 5$ gekostet hatte. Leider wissen wir aber nicht genau wo der Park endet. Um nicht die hohe Übernachtungsgebühr zahlen zu müssen, was auch nicht im Sinn unserer kolumbianischen Mitreisenden ist, brechen wir also auf. Vor uns liegt eine anspruchsvolle Auffahrt. Der grobe Schotter und die unendlichen Haarnadelkurven haben es in sich. Wir können hier von unserer geänderten Übersetzung stark profitieren. Manuel und Juan haben da deutlich mehr zu tun, ihre Bikes bei Drehzahl zu halten und den teilweise recht großen Steinen auszuweichen. Die absolut geniale Aussicht auf die Lagunen und die schneebedeckten Berge sind aber mehr als eine gute Entschädigung für diese Anstrengung. Besonders in den Kurven, wenn man quasi einen kleinen Rundumblick erhält und die gesamte Szenerie auf uns wirkt, würden wir am liebsten unsere Bikes parken und den Ausblick genießen. Zum Anhalten und Fotos machen kommen wir jedoch nur selten. Zum einen ist es die Erschöpfung, die uns in den Knochen steckt und zum anderen ist es die untergehende Sonne, die uns vorantreibt und uns einen passenden Schlafplatz suchen lässt. Wir nähern uns dem höchsten Punkt dieses Passes. Hier auf 4713m ist auch etwas Platz mit einer atemberaubenden Aussicht. Die untergehende Sonne macht das Ganze noch schöner. Obwohl es hier sicher in der Nacht sehr kalt werden wird, entschließen wir uns genau hier unser Lager aufzuschlagen.
Wir geben Juan, alles was wir nicht benötigen, um seine Hängematte etwas besser zu isolieren, denn er muss die Konstruktion zwischen den Bikes aufstellen und auf dem Boden schlafen, da es hier weit und breit keine Bäume gibt.
Ich bin wie immer zeitig wach und wage trotz der Kälte einen Blick nach außen. Es ist wollkenfrei und gerade beginnt die Sonne sich ihren Weg über die Gipfel der uns umgebenden Berge in Tal zu bergen. Das Tal ist noch im langsam flüchtenden Nebel versteckt. Ich wecke Ulli und dann auch die beiden anderen Langschläfer. Wie ein riesiger Vorhang, der nach unten weggezogen wird, gibt die schwindende Dunkelheit die Sicht auf dieses imposante Panorama frei. Bei diesem Anblick sind auch die Langschläfer unter uns froh so zeitig aufgestanden zu sein.

Nach dem Frühstück und einer ausgiebigen Fotosession fahren wir weiter nach Yanama. Die rund 30km geht es nahezu nur bergab. Wir erreichen das kleine Dörfchen also recht zeitig und finden auch schnell eine Unterkunft. Wir nutzen die Zeit hier und machen in diesem urigen Dorf einen Spaziergang. Die Menschen hier sind sehr freundlich, lächeln und sprechen mit uns. Das sind wir so auch nicht gewöhnt. So entstehen auch zahlreiche Fotos mit den Bewohnern von hier.

Bevor wir am nächsten Tag hier starten tauschen wir für eine Probefahrt die Bikes. Juan nimmt meine Ténéré und ich seine Tigerente. Schon das Platznehmen ist interessant und fast schon amüsant. Ich kann mir kaum vorstellen wie er die gesamte Strecke mit dem Bike fahren konnte. Das Fahrwerk ist direkt und hart. Es macht Spaß, aber ich hätte mit ihm nicht tauschen wollen, besonders nicht auf den Schotterstraßen. Ihm scheint die deutlich größer Ténéré auch Spaß zu machen. Schnell noch ein Snack am Straßenrand. Der gebratene Fleischspieß entpuppt sich als Niere, was mir nicht so sehr zusagt.

Bei unserem nächsten Stopp muss sich Juan einen Schweißer suchen, da sein selbstgebauter Kofferträger gebrochen ist. Die Übernachtung erfolgt bei der hiesigen Polizeistation. Wie so oft stellen wir uns eine ähnliche Situation in Deutschland vor und sind uns sicher, dass es das so wohl nicht geben würde. Aber wissen tun wir es schließlich nicht, denn nachgefragt haben wir ja noch nicht.
Der Weg zu unserem nächsten Ziel führt uns über den Pass Punto Olympica (4890m). Um über den Berg zu kommen, kann man entweder drüber fahren oder einen Tunnel benutzen. Wir schauen uns kurz den Weg über den Berg an, wissen aber auch dass dieser sehr anspruchsvoll sein wird. Da wir die letzten Tage viel auf Schotterpisten und unwegigem Gelände unterwegs waren, entscheiden wir uns für die einfachere Lösung und fahren durch den Tunnel (welcher zu den höchsten Tunneln in der Welt gehört) auf die andere Seite des Berges. Nicht ohne Grund zählt die Fahrt durch diesen Teil der Anden zu den besonderen Highlights dieser Reise. Auch die Abfahrt ist wieder einmal besonders fesselnd und zwingt uns zu ausgiebigen Fotostopps.

An diesem Abend übernachten wir nach ein wenig Suche in der Polizeistation von Carhuaz. Während wir es uns auf dem Boden eines Büros gemütlich machen, kann Ulli im Mannschaftsraum der Frauen übernachten.
Bereits am nächsten Tag befinden wir uns schon wieder auf Meeresniveau an der Küste Perus. Wir übernachten bei Cesar Espiritus dem Besitzer einer Motorradwerkstaat in Barranca. Nachdem wir vergeblich versucht hatten in einem Fastfoodladen WiFi zu bekommen, brachte uns einer der Angestellten auf direktem Wege zu dieser Adresse. Hier kommt wohl kaum ein Reisender nicht vorbei, was uns der mit Aufklebern übersäte Kühlschrank eindrucksvoll beweist. Wir finden auch schnell einig Bekannte wieder. Verrückt wer hier alles ein- uns ausgeht.

Keine 200 km mehr bis Lima. Bevor wir uns aber in den Sattel schwingen, schlagen wir uns bei TATU den Bauch mit Fisch Tacos voll. Das Restaurant direkt an der Küste wurde uns von Joey sowie dem Freund eines ehemaligen Arbeitskollegen von Ulli empfohlen und enttäuscht uns nicht. Nach dieser Stärkung geht es dann los.

Kurz vor Lima suchen wir uns ein Hostel, da wir keine besonders große Lust auf den abenteuerlichen Verkehr dieser riesigen Stadt haben und zeitig morgens hinein fahren wollen. Hier trennen sich unsere Wege von der kolumbianischen Reisebegleitung. Mateo und Juan fahren noch weiter, da sie einen Kontakt im Norden von Lima haben. Bei einem Abendessen lassen wir unsere gemeinsamen Abenteuer ausklingen. Alle zusammen merken wir wie schwer es uns fällt „tschüss“ bzw. „adios“ zu sagen. Der Plan ist zwar, dass wir uns nach Lima wieder treffen, aber wir alle wissen wie schnell sich Pläne ändern können. Die Zeit vergeht und die Beiden müssen los. Wir hoffen sehr, dass wir uns irgendwo wiedersehen.


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Peru II – Duch den Cañón del Pato in die Anden Perus

Ausgeschlafen sollten wir auch sein, denn vor uns liegt ein anspruchsvoller und sehenswerter Weg. Auf dem Markt versorgen wir uns mit den nötigsten Sachen, die wir in den kommenden Tagen brauchen werden. Denn nun geht es von Küstenniveau wieder einmal hoch in die Anden. Dort wird es deutlich seltener Märkte als in den Küstenstädten geben.

Erst gegen Mittag kommen wir los. Wir wollen durch den Cañón del Pato fahren. Nach einigen Kilometern gibt es kaum noch Vegetation und der Asphalt weicht dem Schotter. Tief in das Gestein hat sich der Fluss Rio Santa geschnitten. Die verschiedenfarbigen Felswände gehen steil nach oben, sodass an den Anbau von Pflanzen hier kaum zu denken ist. Eine weitere Besonderheit dieses Canyons sind die in den Fels gearbeiteten Tunnel. Diese sind eng, staubig und dunkel. Man muss sich schon konzentrieren, um nicht unverhofft aus der, durch die LKWs eingedrückten Spurrinne, zu fahren. Der lose Schotter ist tückisch, vor allem dann, wenn man ihn nicht richtig sehen kann. Mit regelmäßigen Hupzeichen versuchen wir uns für eventuell entgegenkommenden Verkehr bemerkbar zu machen. Zum Glück kommt uns aber kaum ein Fahrzeug entgegen. Einige Engstellen wären schon eine interessante Herausforderung geworden.

Da wir nicht genau wissen wie weit es noch bis zum Ende des Canyons ist, entscheiden wir uns als sich die Möglichkeit anbietet, unser Nachtlager eher als üblich aufzubauen. In der Dunkelheit wollen wir diese Strecke mit Sicherheit nicht fahren und das Campen an einem Steilhang bzw. an auf einer befahrenen Straße wollen wir auch nicht ausprobieren.

Wenige Kilometer später haben wir Glück, der enge Canyon wird breiter und biete an einer Stelle genügend Platz für einen Bauern, der hier Mangos anpflanzt. Wir fragen nach, ob wir hier unser Nachtlager aufschlagen können, denn eine bessere Möglichkeit wird sich uns so schnell nicht mehr bieten. Die Zufahrt auf das Gelände ist beschwerlich, aber es lohnt sich. Leider bricht ausgerechnet bei mir eines der Plastikrohre für die Bewässerung als ich mit dem Motorrad drüber fahre. Bei den Anderen ist alles gut gegangen. Entweder bin ich noch schwerer oder es war die Materialermüdung. Zum Glück ist kein Wasser drin, so können wir später das Problem mit Hilfe des Bauern schnell wieder richten.

Umgeben von Mangobäumen bauen wir unsere Zelte auf. Juan sucht nach einem etwas besseren Platz für seine überdachte Hängemattenkonstruktion, da die Mangobäume dafür noch zu klein und niedrig sind. Nachdem alles aufgebaut ist, machen wir uns an die Zubereitung des Abendessens. Juan bereitet einen Mango-Thunfisch-Salat vor, den ich wohl mein Leben lang nicht mehr vergessen werde. Ohne zu probieren hätte ich wohl nie geglaubt, dass diese Kreation so gut schmeckt und habe seit dem immer eine Konserve mit Tunfisch am Motorrad.
Es ist Montag, der 23.11.2015 und ein weiteres Highlight der Reise wartet auf uns. Nach einer kalten Dusche und dem obligatorischen Frühstück geht es bei gutem Wetter weiter. Doch schneller als gedacht ersetzt Asphalt den groben Schotter. Und man will es kaum glauben, aber dies nimmt der gesamten Szenerie etwas an Natürlichkeit. Obwohl es ein wenig anstrengender ist, würde ich mir hier lieber wünschen auf Schotter weiterzufahren. Das Ganze hat natürlich auch etwas Gutes: Wir kommen unserem heutigen Ziel schneller näher.

Mittagessen gibt es in einem urigen Markt in Caraz. Ein altes Mütterchen bereitet uns die Speisen zu. Im Markt selbst besorgen wir uns neuen Proviant. Nach dieser Verschnaufpause schrauben wir uns auf einer kleinen Bergstraße Meter für Meter höher. Zu unserer Linken schiebt sich der Nevado Caraz mit 6.025m und zu unserer Rechten der Nevado Pisco mit 5.752m in den Himmel. Welch atemberaubende Kulisse. Man weiß gar nicht wohin man schauen soll. Zum Glück bietet sich durch die zahlreichen Serpentinen ein sehr guter Rundumblick. Dann ist es endlich so weit, wir haben die Laguna Paron (auf ca. 4.200m Höhe) erreicht und genau in diesem Augenblick gibt es auch noch einen Regenbogen über der Lagune. Hektisch packen wir die Kameras aus, anstatt diesen einzigartigen Moment in vollen Zügen zu genießen. Bis wir eine gute Stelle für ein Foto gefunden haben, ist der Regenbogen fast schon verschwunden.

Wir schauen uns an diesem einzigartigen Ort ein wenig um und suchen uns einen schönen Platz zum Zelten. Direkt am Ufer der blau leuchtenden Lagune werden wir fündig. Obwohl es hier kaum Bäume gibt, findet auch Juan für seine Hängematte einen Platz zwischen den Felsen. Langsam geht die Sonne unter. Die warmen Farben des Sonnenuntergangs und das Blau der Lagune lassen diesen Sonnenuntergang zu einem besonderen Naturschauspiel werden. Am Lagerfeuer lassen wir mit Reis-Gemüse und Tacos diesen schönen Tag ausklingen.

Trotz der Höhe und der kühlen Temperaturen haben wir gut geschlafen. Nach einem leckeren Frühstück lassen wir die Bikes für heute stehen und machen uns zu Fuß auf dem Weg die Lagune zu erkunden. Wir wollen zum Ende der Lagune, denn dort kann man den Berg Artesonraju sehen. Dieser ist rund 6.000m hoch und soll angeblich als Vorlage für den Berg im Logo der Paramount Pictures gedient haben. Als wir ihn sehen wissen wir warum: Er kommt einem majestätischen Zuckerhut gleich. Auf dem Rückweg müssen wir uns sputen, da wir noch einige Fotos mit den Motorrädern im Abendlicht machen wollen. Die Zeit wird knapp, aber wir schaffen es noch. Als wir dann wieder zurück am Zeltplatz sind, finden wir eine interessante Überraschung, die uns zum Nachdenken anregt. In den zum Trocknen aufgehängten Tassen befinden sich ein paar Kekse, die wir da nicht hingetan haben. Waren es die Wanderer die wir unterwegs gesehen haben? Am Ufer der Lagune entdecken wir Reifenspuren, die nicht von uns stammen können. Das Profil ist eindeutig von einem Heidenau K60 Scout. Das grenzt die Möglichkeiten schon stark ein: Wir tippen auf Joey und Daniel, die unserer Meinung nach noch einen Tag hinter uns sein sollten, aber meist schneller als wir unterwegs sind.

Die Sonne ist gerade aufgegangen, da treibt es Ulli und mich schon aus dem Zelt. Bevor es heute wieder bergab geht, wollen wir noch einmal hochhinaus und einen Teil des Berges bis zu einem Aussichtspunkt besteigen. Die Höhenluft erschwert den Aufstieg und wir müssen über grobes Geröll klettern, was zusätzlich an den Kräften zehrt. Es hat sich jedoch gelohnt. Dank gutem Wetter können wir beinahe alle Gipfel sehen, die sich um die Lagune reihen. Wieder zurück bei den Zelten, traut sich Ulli noch in das „saukalte“ Wasser. Mit Juan und Mateo machen wir noch eine gemeinsame Fotosession am felsigen Rand der Lagune und dann geht es wieder zurück nach Caraz. (Eines der Fotos hat es auch in den 2016er Horizons Unlimited Kalender geschafft – www.horizonsunlimited.com/store/calendars/2017-calendar


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Peru I – Von Platten und Tiegerente verfolgt

19.11.2015

Es ist der 533. Tag unserer Reise. Seit zwei Tagen sind wir mit den beiden Kolumbianern Mateo und Juan Manuel unterwegs. Die beiden haben wir bei einer Tankstelle in Ecuador kennen gelernt. Mateo fährt die kleine 250ccm Tenere und Juan eine 200ccm indische „Tigerente“. So nennen wir sein Bike weil es gelb und schwarz gestreift ist und er zu allem Überfluss auch noch einen knallgrünen Helm hat, der uns an Kastenfrosch erinnert.
Gemeinsam überqueren wir die Grenze von Ecuador nach Peru. Die hier vorgeschriebene Versicherung ist relativ teuer, aber wir kommen nicht drum herum. Nur wenige Kilometer hinter der Grenze ändert sich schlagartig die Umgebung. Zuerst fahren wir noch durch saftig grüne Reisfelder, die einen leichten asiatischen Hauch in diese Gegend bringen. Aber gefühlt nur wenige Meter weiter beginnt eine Sandwüste.

Hin und wieder kommt eine Art Endzeitstimmung auf, wenn man die Gettos in dieser oftmals zugemüllten Gegend sieht. Die kargen Büsche und heruntergekommen Hütten bzw. Verschläge in der trostlosen Sandwüste, sind wahrlich keine Augenweide. Zu allem Übel hat Ulli wieder einen Platten. Der Flicken hat sich gelöst. Zu unserem Glück bemerkt Ulli dies, kurz nachdem wir an einer Tankstelle vorbei gefahren sind, die auch eine kleine Werkstatt für Reifen beherbergt, einen „Vulkanizador“. Leider verlieren wir bei dem Stopp die beiden Kolumbianer. Nachdem der Flicken nun bombensicher angebracht ist, hat Ulli zwar eine leichte Vibration, bei einer bestimmten Geschwindigkeit, aber die Luft kommt da so schnell nicht mehr raus. Der Mechaniker brachte zusätzlich zum Flicken noch eine Schicht alten Schlauch an dieser Stelle auf. Mit eine heißen Presse verschmolz er den Gummi auf dem Schlauch. Das haben wir so auch noch nicht gesehen.

Am folgenden Tag geht es weiter durch diese trostlose Gegend. Aber was ist das? Auf dem sandigen Boden sehen wir direkt neben der Straße ein rotes Meer aus Paprikas. Auf der Flächen von geschätzt einem halben Fußballfeld liegen die Paprikas zum Trocknen aus. Eine ältere Frau verteilt die Früchte der Nachtschattengewächse und prüft dabei den Trocknungsgrad. Während ich ein paar Fotos mache, haben sich zwei Mädchen (Jaceline und Nancy) zu Ulli in den Schatten der Motorräder gesetzt. Sie fragen was wir hier machen und erzählen etwas über die Gegend.

Wir fahren weiter und trauen unseren Augen kaum, als uns nach einigen Kilometern etwas Großes auf der Straße entgegenkommt. Durch das Hitzeflimmern, dauert es eine ganze Weile bis wir erkennen was es ist. Es ist ein großes hölzernes Boot, welches von einem Traktor gezogen wird. Wir staunen nicht schlecht, hier so ein Wüstenschiff zu sehen. Während wir von dieser skurrilen Szene Fotos machen, gesellen sich auch wieder zwei Bekannte zu uns. Juan und Mateo sind wieder da, was uns sehr freut, da wir die beiden sehr mögen.

Das Reisen mit ihnen ist besonders. Wir glauben schon sehr sparsam unterwegs zu sein, aber die Beiden reisen mit deutlich weniger Budget. Die Südamerikaner haben da sowieso ein ganz anderes Denken. Bei uns denkt man eher: „Ohhh je wie viel Geld das wohl kosten mag?“ Hier in Südamerika, fährt man einfach los und schaut wie weit man kommt. Und da die Südamerikaner sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit sind, kommt man dem Anschein nach sehr weit mit wenig Geld. Ihre erste Anlaufstation an einem neuen Ort ist der Marktplatz. Hier fragen sie sich dann zur örtlichen Feuerwehr, der Polizei oder Ähnlichem durch und bekommen dort oftmals kostenfrei eine Unterkunft gestellt. Mit Spanisch als Muttersprache sind sie da klar im Vorteil und gestalten die Gespräche immer mit etwas Humor. Heute haben wir aber ein nettes Hostel gefunden und verbringen den Abend bei einem gemütlichen Geburtstagsbierchen.

Am nächsten Morgen besuchen wir die Ruinen von Chan Chan an der peruanischen Pazifikküste westlich der Stadt Trujillo. Chan Chan war vermutlich die größte Stadt zu der damaligen Zeit auf dem südamerikanischen Kontinent und eine der größten der Welt, die aus Lehm errichtet wurde.

Dann fahren wir weiter auf der Panamericana wo es mit den wahnsinnigen Truckfahrern weitergeht. Auf einer zweispurigen Straße (eine Spur in jede Richtung) kommen uns gleich drei Trucks gleichzeitig entgegen. Da ist dann auch kein Platz mehr auf dem Seitenstreifen.

Bei der Suche nach einer Unterkunft warten wir auf dem Marktplatz nahe einer Schule und eh wir uns versehen, sind wir von vielen neugierigen Kindern umzingelt, die uns mit ihren Fragen löchern. Etwas später kommen wir dann in den Genuss der kolumbianischen Reise- und Improvisationsfähigkeiten. Die Beiden organisieren eine Übernachtungsmöglichkeit in dem örtlichen Krankenhaus. Wir bekommen zwei Krankenzimmer mit jeweils zwei leerstehenden Betten. Das ist schon ein komisches Gefühl, aber geschlafen haben wir hier trotzdem gut.


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