Peru V – Cusco und Machu Picchu

13.12. – 31.12.2015

Unser nächstes Ziel führt uns circa 150 Kilometer nach Südosten in die Stadt Nazca in deren Nähe die sagenumwobenen Nazca-Linien liegen. Die riesigen Scharrbilder (Geoglyphen) in der Wüste wurden vermutlich zwischen 800 und 600 v. Chr. erstellt. Bis zu 20 Kilometer lange Linien, Dreiecke sowie Figuren mit einer Größe von bis zu mehreren hundert Metern, z. B. Abbilder von Menschen, Affen, Vögeln und Walen kann man hier bewundern, bevorzugt aus der Vogelperspektive. Einen der teuren Rundflüge gönnen wir uns nicht und versuchen mit einer Drohne ein paar Bilder aus der Luft zu machen, denn vom Boden aus kann man die Figuren kaum erkennen. Es gibt zwar einen Aussichtsturm, von diesem kann man aber nur ein bis zwei der Figuren sehen. In der Navigations-App von Maps.Me finden wir einige der Figuren und versuchen eine der nahe an der Straße liegenden von einem angrenzenden Hügel aus zu besichtigen. Aber das wird hier gar nicht gern gesehen. Schon nach kurzer Zeit stoppt eine Person, die sich zuständig fühlt und macht uns klar, dass wir wieder zurückkommen sollen. Wir packen ein und räumen das Feld. Wenig später treffen wir wieder auf Daniel und Joey, die am Straßenrand parken. Wir gesellen uns dazu und unterhalten uns ein wenig. Einige Minuten später kommt wieder jemand daher, der sich zuständig fühlt und uns darauf hinweist, dass wir nicht 2,5 Meter entfernt von der Straße stehen dürfen. Als wir uns nicht in dem von ihm erhofften Tempo sofort auf den Weg machen, macht er fleißig Fotos von unseren Kennzeichen und wird extrem schlecht gelaunt.

Scheinbar ist man hier etwas paranoid wenn es um die Annäherung an die Linien geht. Vielleicht aus gutem Grund, da 2012 und 2013 Teile der Linien bei der Rallye Dakar in den Jahren 2012 und 2013 beschädigt wurden. Gelegentlich stürzen auch Drohnen auf die Felder oder Personen fahren unwissend mit ihren Fahrzeugen über die stummen Zeitzeugen.

In der Nähe von Nazca gibt es auch noch eine etwas weniger bekannte Attraktion: Die Mumien vom Friedhof in Chauchilla. Hier kann man gut konservierte Mumien in ihren Grabstätten sehen. Diese sind vermutlich im Jahre 200 nach Christus hier beerdigt wurden. Ein weiteres Highlight hier in der Nähe der Stadt Nazca sind die Cantalloc Aquädukte. Es handelt sich dabei um ein Bewässerungssystem, welches bereits vor 500 bis 600 n. Chr. von den Bewohnern von Nazca errichtet wurde. Obwohl sich die Wüste immer weiter ausbreitete, konnte mit dem System der Anbau von Baumwolle, Getreide, Mais, Bohnen und Kartoffeln sowie verschiedenen Früchten sichergestellt werden. Auch heute noch wird das Bewässerungssystem genutzt.

Die Nazca-Linien sind schon beeindruckend, aber für mich weit aus beeindruckender, da vielleicht besser vom Boden wahrzunehmen, sind die Terrassen bei Andamarca.

Eigentlich wollten wir auf dem Weg nach Cusco nur einen kleinen Umweg fahren, um ein paar Kondore zu beobachten, aber am Ende haben wir keine Kondore gesehen. Dies ist nicht sonderlich schlimm, da das besonders imposante Panorama der Terrassen mehr als entschädigt. Diesen über 2 Meter hohen Terrassen-Stufen komme ich bei dem Versuch die beeindruckende Szenerie von der Luft aus einzufangen, leider näher als gewollt. Unsere Drohne stürzt im kontrollierten Sinkflug gen Boden in ein Maisfeld. Ulli bleibt vor Ort und behält die Absturzstelle im Auge, sodass sie mich an die Stelle lotsen kann. Ich mache mich währenddessen auf den Weg und bekomme nun erst die Größe der Terrassenstufen zu spüren. Diese sehen von weiten nicht ganz so riesig aus. Leider sind sie so hoch, dass ich nicht von Stufe zu Stufe springen kann und muss mir immer einen Weg zum Absteigen suchen. Zum Glück sind auch noch zwei Feldarbeiter vor Ort, die sich für das Fluggerät interessieren und mir einen Weg zum Absteigen zeigen. Abgesehen von ein paar gehäckselten Maispflanzen gibt es keine weiteren Schäden. Die Drohne ist etwas verdreckt und zerkratzt, aber ok. Leider haben wir nicht berücksichtigt, dass wir hier noch deutlich über 2.000 Meter hoch sind, was die Leistung der Drohne stark einschränkt. Da haben wir wohl noch mal Glück gehabt – Lektion gelernt!
Wir entscheiden uns hier in der Nähe unser Nachtlager aufzubauen, suchen nach einem geeigneten Plätzchen und werden auch fündig. Die Landschaft erinnert durch die vielen Findlinge ein wenig an Schottland. Wir denken, dass wir hier fernab der Zivilisation sind, werden aber am Morgen eines besseren belehrt. „Mitten in der Nacht“: würde Ulli wohl sagen, ich sage es war kurz vor 6 Uhr, als wir Geräusche von draußen hören. Ich schaue nach und sehe ein paar Jugendliche, die Kühe zusammentreiben. Beruhigt legen wir uns noch mal aufs Ohr, bis wir nach kurzer Zeit wieder Geräusche aus der unmittelbaren Umgebung vernehmen. Abermals schaue ich nach und sehe, dass die Kühe nicht weit von unserem Zelt auf einem freien Platz zusammengetrieben werden. Nun stehen wir aber auf. Und nur kurze Zeit später muss ich Ulli sagen, dass sie nun eine Kuh schlachten. Keine 50 Meter hinter unserem Zelt, steht eine Familie und zerlegt die Kuh. Wie sich im Gespräch herausstellt, wird dies der Weihnachtsschmaus. Bei der Schlachtung sind selbst die Kleinsten mit dabei und werden an das „Ritual“ herangeführt. Hier weiß man noch, dass die Kühe nicht lila sind und das Fleisch nicht aus dem Tiefkühlregal kommt.

70 Kilometer geht es entlang einer idyllischen Landstraße durch eine wunderschöne Hochlandschaft. Leider liegen an diesem Tag auch 180 regnerische und kalte Kilometer vor uns, bis wir Chalhuanca erreichen. Wie es der Zufall so will sehen Joey und Daniel unsere Bikes im Innenhof des Hostels stehen und kommen unverhofft bei uns vorbei.
Am Freitag den 18.12.2015 erreichen wir Cusco. Die ersten Meter durch die Stadt sind allerdings nicht sehr ansehnlich. Unendlich viele Rohbauten aus roten Ziegeln, Müll und Schmutz wohin das Auge sieht. Je weiter wir in die Stadt kommen, umso besser wird der Zustand jedoch. Etwas später treffen wir uns wie besprochen mit Joey und Daniel vor unserem Hostal. Dieses ist allerdings nicht so toll, sodass wir in den kommenden Tagen ein neues suchen, um die Weihnachtstage in einer schönen Atmosphäre verbringen zu können. In den kommenden Tagen haben wir zahlreiche Möglichkeiten den schönen Stadtkern zu besichtigen und uns um organisatorische Dinge zu kümmern.
In den Tagen kommen wir auch in den Genuss einiger kulinarischer Köstlichkeiten aus Peru wie z. B. Alpaka, Meerschweinchen und Pisco Sour. Das Meerschweinchen war nicht so toll, aber das Alpaka und der Pisco Sour waren klasse.

Da man hier allerhand Equipment zum Camping erwerben kann, mache ich mich auch auf die Suche nach neuen Zeltstangen und neuen Klamotten.
An einem Abend, bei einem leckeren Crêpe sehen wir in dem Restaurant ein Schild auf dem steht, dass man bei einem bestimmten Angebot Straßenkinder unterstützt. Wir erkundigen uns, was es damit auf sich hat und stoßen auf die Organisation Asociación Qosqo Maki (https://www.stiftung-fuer-helfer.de/projekt/asociacion-qosqo-maki), die den Straßenkindern hier die Möglichkeit auf eine bessere Zukunft geben will. Auch wir wollen die Möglichkeit nutzen und diese Organisation bei ihrer Arbeit helfen. Wir machen einen Termin mit Indah aus und treffen die Gründerin dieser Gemeinschaft am nächsten Tag. Mit ihr besprechen wir, wie wir gemeinsam mit der Stiftung für Helfer die Organisation unterstützen können. Wir werden ein paar Bücher kaufen und die Bibliothek der Organisation aufstocken. Es ist gar nicht so leicht die richtige Wahl zu treffen. Auf der einen Seite sind die Kids schon etwas älter und auf der anderen Seite, sind sie von ihrem Wissensstand noch lange nicht so weit wie wir es von Gleichaltrigen aus Industrieländern kennen. Darum müssen wir nicht nur darauf achten, dass die Kids Wissen vermittelt bekommen sondern auch motiviert werden zu lesen. Das ist gar nicht so einfach. Am nächsten Tag bringen wir die Bücher zu den Räumlichkeiten der Asociación Qosqo Maki, spielen dort ein wenig mit den Kindern und unterhalten uns mit den Verantwortlichen vor Ort.

http://www.krad-wanderer.de/2017/08/projekt-fuer-s…der-qosqo-maki/

Am 29.12. stehen wir zeitig auf und kaufen Tickets für die wohl bekannteste Touristenattraktion in Peru: Machu Picchu. Wir haben lange überlegt, ob wir das wirklich machen wollen, da es zum einen sehr touristisch und überlaufen und zum anderen auch ganz schön teuer ist. An manchen Tagen muss man schon Glück haben, eine der täglich zu vergebenden 2500 Karten abzubekommen, da der Ansturm so groß ist und Touristen aus der ganzen Welt herbeikommen, um diese Tempelanlage zu sehen. Bevor es losgeht, schauen wir noch mit unseren gepackten Motorrädern in der zur Organisation gehörenden Bäckerei vorbei und unterhalten uns kurz mit den Kids, die sich hier in Ausbildung befinden und dem Besitzer der Bäckerei. Dann geht es weiter nach Santa Maria.

Wir checken mit Joey und Daniel in ein Hostel ein. Von hier aus starten wir am nächsten Tag mit Daniel in einem Taxi zum Hydroelektrikum. Joey bleibt im Hostel da sie bereits vor einigen Jahren Machu Picchu besucht hat. Vom Hydroelektrikum aus laufen wir weiter. Gute 3 Stunden wandern wir entlang der Bahnschienen. Theoretisch hätten wir auch mit der Bahn fahren können, aber die Kosten für die Zugtickets sind übertrieben teuer. Etwas Bewegung hat bisher noch nie geschadet. In Aguas Calientes angekommen suchen wir uns Hostel für die Übernachtung und suchen noch nach etwas Proviant für den morgigen Tag.

Es ist Silvester und wir stehen bereits 3.30 Uhr auf. Zu Fuß geht’s los. Ein streunender Hund begleitete uns. Wir wollen vor den Touristenmassen am Eingang sein, damit wir noch ein paar Fotos machen können ohne all die Leute. Unser Plan war nicht schlecht, aber ein Wächter an der Brücke über den Fluss wollte uns einen Strich durch die Rechnung machen und ließ uns nicht rüber. Nach einer gefühlt endloslangen Diskussion konnten wir ihn dann „überreden“ und unsere Wanderung fortsetzten.

Wir hatten Glück, denn es war fast Vollmond und die Wege deshalb ein wenig ausgeleuchtet. Aber auch unser streunender Freund half uns dabei auf dem richtigen Weg zu bleiben. Oben an den Eintrittshäuschen angekommen (es ist nun schon 5.45 Uhr), hat er sich wie auch wir, einen Imbiss verdient. Wir sind die Ersten! Aber es dauert nicht lange, die ersten Busladungen erreichen den Eingang und die Schlange hinter uns wird im Minutentakt länger und länger.

Nach einigen Minuten ist es dann so weit, die Tore öffnen sich und wir machen uns in schnellen Schritten auf den Weg, schauen auf die Karte und hoffen gleich den Punkt zu finden, von wo aus man den besten Blick auf die Tempel hat. Denn bei den Massen an Menschen wird sich das Areal sehr schnell füllen und die magische Stimmung dieses Ortes ist sehr schnell weg. Wir hatten lange überlegt, ob wir überhaupt hier herkommen. Jetzt sind wir sehr froh hier zu sein und genießen jeden Augenblick dieser einzigartigen Atmosphäre. Das Wetter spielt mit, die Sonne scheint und ein paar wenige Wolken sorgen für eine schöne Aussicht. Nachdem wir die Szenerie ausgiebig genossen haben, stürzen wir uns auch in Getümmel und schauen uns die Tempelanlagen aus der Nähe an. Das Genießen der Tempelanlagen fällt allerdings sehr schwer. Dafür sorgen zum einen die große Menschenmasse und zum anderen die daraus resultierende Anzahl an Wächtern, die mit ihren Trillerpfeifen auf jeden noch so kleinen Verstoß lautstark pfeifend aufmerksam machen. Das nervt!
Leider lässt sich die Anlage nur auf einem Einbahnstraßensystem begehen, sodass man schlechte Karten hat, wenn man wieder an eine Stelle zurückgehen möchte. Genug gemeckert. Leider wollen viel zu viele Menschen diesen geheimnisvollen Ort sehen, was wir verstehen können.

Nachdem wir alles unter die Lupe genommen haben, machen wir uns auf den Rückweg. Wieder geht es entlang der Gleise zum Hydroelektrikum und von dort aus mit dem Taxi weiter nach Santa Maria, wo wir noch einmal für den Silvesterabend einkaufen. Gemütlich lassen wir diesen besonderen Tag ausklingen. Die Mädels wagen noch einen Abstecher auf den benachbarten Sportplatz, wo der Jahreswechsel ebenfalls gefeiert wird.

Das letzte Jahr feierten wir Silvester noch mit Jorge und Roxana in Mexiko.

Auf geht’s ins neue Jahr.

 


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