San Francisco

Kalifornien
Großstadtrevier
(22. – 30. Oktober)

Zeitig am Vormittag fahren wir weiter. Unser heutiges Ziel liegt in Glen Ellen in der Nähe vieler Weingüter. Es ist das Haus von Eileen und Dave. Selbst hier, weit entfernt von Alaska, hilft uns Gail mit ihren Kontakten. Seit langen haben wir mal wieder ein festes Dach über unseren Köpfen. Eileen und Dave sind begeisterte San Francisco Giants Fans. Die Baseball-Mannschaft spielt derzeit in der World Series gegen die Kansas City Royals und so kommen wir in den Genuss unseres ersten Baseballspiels. Mit den Beiden und deren Freundin Stefanie schauen wir das Spiel im TV an und genießen leckere selbst-gemachte Hamburger und Maiskolben. Die Zeit in Glen Ellen nutzen wir auch ausgiebig, um unseren Blog zu aktualisieren. Tage und Wochen sind an uns vorbeigezogen, sodass wir mit dem Schreiben nicht hinterhergekommen sind. Jetzt ist es aber schön all die Erlebnisse Revue passieren zu lassen.
Da die beiden auch Deutsch lernen, können wir sie dabei etwas unterstützen und versuchen unter anderem bei den Hausaufgaben zu helfen. Am Samstag starten wir gemeinsam zu einer von Chris Michael (den wir in Death Valley kennengelernt hatten) empfohlenen Wanderung im Norden von San Francisco. Wir starten in der Nähe einer alten Hippie-Kommune (Bolinas), die auch heute noch von einigen Leuten bewohnt wird. Der Weg führt uns entlang der Küste (daher auch der Name Costal Trail) vorbei an wohlriechenden Eukalyptusbäumen, zu einem Punkt an dem ein kleiner Wasserfall direkt in den Ozean fließt. Nachdem wir die Wanderung erfolgreich gemeistert haben, lassen wir es uns in einem kleinen Restaurant in Bolinas schmecken. Danach geht es schnurstracks nach Hause. Dort angekommen wartet bereits Stefanie mit einigen leckeren Pumpkin-Kuchen auf uns, um gemeinsam das Baseballspiel zu sehen. Nachdem das Spiel vorüber ist, kann ich meiner Kreativität beim Kürbisschnitzen freien Lauf lassen, denn in einigen Tagen ist Halloween und dann stehen die Kids vor der Tür, verlangen nach Süßem und wollen ein klein wenig erschreckt werden. Dank einer guten Vorlage kommt beim Schnitzen sogar ein brauchbares Exemplar heraus. Am Sonntag machen wir eine “kleine” Sightseeing-Tour durch Sonoma und Napa Valley. Ein Einkaufsbummel in Costco sorgt wieder für einen guten Vorrat an Reiseproviant und bei BestBuy erhalten wir einen neuen Spannungswandler, den wir dringend benötigen, um den Energiehunger aller Verbraucher zu stillen. Ebenso erhalten wir dort ein Kabel, welches unseren Eurostecker ersetzt (diesen konnten wir sonst nur mit einem Reiseadapter nutzen). Kurios ist jedoch, wie wir diesen Stecker erhalten haben. Nachdem ich einem Verkäufer anhand eines Druckerkabels versuche zu erläutern, welchen Artikel wir suchen, sieht dies eine in der Nähe stehende Frau und lässt mich verstehen, dass sie das gesuchte Kabel in ihrem Auto hat. Gemeinsam begeben wir uns zu ihrem Auto und siehe da es ist genau das gewünschte Kabel. Sie schenkt es mir. Sachen gibt’s. Danach geht es wieder nach Hause um das nächste Baseball-Spiel zu schauen.

Am Dienstag (28. Oktober) fahren wir mit den Bikes nach Larkspur von wo aus wir mit der Fähre (ohne Bikes) nach San Francisco übersetzen. Hier versuchen wir einige Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Die bekannten und bei Touristen beliebten Kabelstraßenbahnen nutzen wir jedoch nicht, da uns das Preis-Leistungs-Verhältnis absolut nicht angemessen erscheint. In Chinatown wundern wir uns über die sonderbaren aber dennoch vielfältigen Angebote an getrockneten Seegurken. Diese werden hier teilweise zu horrenden Preisen verkauft (mehrere Hundert Dollar pro Kilo) und wir können uns beim besten Willen nicht vorstellen, was man damit macht und wie es schmecken soll. Wir begutachten natürlich auch die kurvenreichste Straße der Welt, die Lombard Street. Auf einer Länge von 145m bei einem Gefälle von 27% baute man acht Kurven um die problematische Straße zu entschärfen. In der Dunkelheit geht es dann zurück zum Haus von Eileen und Dave. Hier wartet auch noch eine Überraschung auf uns. Mark, der Sohn von Gail ist die nächsten Tage zu Besuch in San Francisco. Er ist quasi eines der letzten fehlenden Familienmitglieder von Tim und Gail, welches wir noch nicht kennen. Aber dies soll sich jetzt ändern, denn so wie es aussieht, treffen wir ihn morgen in der Stadt. Dave bietet uns an mit ihm gemeinsam am Mittwoch nach San Francisco zu fahren, sodass wir noch mehr von der Stadt sehen und uns mit Mark treffen können.

Erneut starten wir also am Mittwoch nach San Francisco, dieses Mal vorbei an Larkspur, sodass wir in den Genuss kommen über die weltbekannte Golden Gate Bridge zu fahren. Diese imposante Hängebrücke hat eine Länge von 2737m. Zuvor machen wir noch Halt an einem höher gelegenen Aussichtspunkt, von dem aus man die Brücke und die Stadt im Hintergrund sehen kann. Kein Nebel behindert die Sicht und wir können uns dieses Bauwerk komplett anschauen. Da diese Aussicht so schön ist, entscheiden wir uns auf dem Weg zurück hier noch einmal zu stoppen, um das Ganze in der Sonnenuntergangsstimmung zu sehen. Danach zeigt uns Dave viele schöne Plätze wie den Golden Gate Park, einen kleinen versteckten Strand mit Blick auf die Golden Gate Bridge, einen seiner Lieblingsgolfplätze, „The Painted Ladies“ und vieles mehr. Wir müssen uns aber etwas beeilen, da Mark überraschend mit Karten für Alcatraz auf uns wartet. Schnell noch was futtern und dann geht es los. Mit der Fähre setzen wir die 2,2 km zur Gefängnisinsel über. Gesehen und gehört haben wir bereits einiges über diese Anlage, aber nun hier zu sein ist schon etwas anderes. Als Hochsicherheitsgefängnis wurde die Anlage weltberühmt. 14 Fluchtversuche mit insgesamt 34 Gefangenen gab es in den 29 Jahren als Hochsicherheitsgefängnis. Keinem gelang bis heute offiziell die Flucht. 25 Ausbrecher wurden wieder gefangen, 6 wurden auf der Flucht erschossen und 5 sollen ertrunken sein, zumindest fehlt von diesen jede Spur. Mit einem Audioguide ausgerüstet erfahren wir einige interessante Dinge über die damalige Zeit und die Geschehnisse hier vor Ort.

Es ist spät geworden und wir haben noch ein wichtiges Treffen mit dem TV, denn heute geht es für die Giants um Alles. Das letzte und alles entscheidende Spiel in der World Series wird heute ausgetragen. Also nichts wie zurück, aber vorher noch ein kurzer Stopp beim Aussichtspunkt. Zu Hause warten bereits Eileen und Stefanie auf uns und wir schauen gemeinsam das Finale an. Die Giants gewinnen verdient und die Stimmung im Haus ist ausgelassen.

Am nächsten Tag packen wir unsere Sachen und brechen auf nach San Jose zu Carmen und Saša. Zuvor versuchen wir uns aber auch noch mit etwas Baseball in Garten von Dave und Eileen. Wie so oft sieht es einfacher aus, als es am Ende ist. Wir müssen los, um nicht in die Rush Hour zu kommen.

Dieses Mal fahren wir mit den Teneres über die Golden Gate Bridge, was uns natürlich noch besser gefällt als im Auto. In San Francisco machen wir noch einen Zwischenstopp bei den Twin Peaks und schauen uns die Stadt von oben an. Die Zeit hier war leider viel zu kurz, gern hätten wir uns mehr mit dieser schönen und abwechslungsreichen Stadt beschäftigt.

Nun stürzen wir uns aber erst mal in den Verkehr. Aus zweispurigen Straßen werden drei-, vier-, fünfspurige oder noch mehr. Der Verkehr nimmt deutlich zu und wir kommen nur langsam voran. Zum Glück gibt es hier in Kalifornien für Motorradfahrer die Möglichkeit die Spuren zu teilen (lane splitting), so können wir (wenn genug Platz ist) zwischen den langsamen oder stehenden Autos hindurchfahren. Für uns ist das Neuland und mit den dicken Boxen an den Teneres oft nur eine Millimetersache. Die hiesigen Biker hingegen fahren oft im rasanten Tempo zwischen den Autos durch. Kurz mal am Gas gedreht und die meisten Autofahrer machen noch etwas mehr Platz. In Deutschland wäre dies undenkbar. Jeder kämpft dort hartnäckig, um seinen Platz in der Schlange – nur keinen vorlassen und schon gar nicht die verrückten Motorradfahrer. Hier läuft das anders und wir fragen uns, was in Deutschland passieren müsste um dies adäquat umzusetzen. Undenkbar! Schließlich schafft man es in Deutschland nicht mal das Reißverschlussverfahren flüssig zu gestalten. Ein weiterer großer Vorteil der hiesigen Verkehrsführung sind die “High-occupancy vehicle lanes” (kurz HOV). Diese sollen die Bildung von Fahrgemeinschaften fördern, da diese Spuren ausschließlich für Fahrzeuge mit zwei oder mehr Personen an Bord gedacht sind. Wie auch in Deutschland sitzt hier normalerweise meist nur eine Person, der Fahrer, im Fahrzeug. Auf den speziellen HOV-Spuren kommen all die schneller voran, die nicht nur alleine unterwegs sind. Zum Glück dürfen meistens auch Motorräder diese Spuren nutzen, sodass wir trotz des erhöhten Verkehrsaufkommens relativ zügig vorankommen.

Links und rechts sehen wir nun auch schon ab und zu Gebäudekomplexe von uns bekannten Firmen wie Intel, Microsoft, Ebay, usw., nun sind wir wohl im Silicon Valley angekommen. Das heißt es ist auch nicht mehr weit nach San Jose. Hier besuchen wir Carmen und ihren Freund Saša, die von Deutschland in die USA gezogen sind, um hier Software für Übersetzungen und Sprachanalysen zu programmieren. Saša kommt an diesem Tag von einer Konferenz aus Vancouver zurück. Gemeinsam gehen wir am Abend zur “Einstimmung auf Mexiko” bei einem Mexikaner essen. Hier, nicht allzu weit von Mexiko entfernt, wollen wir uns auch noch mal mit den nötigsten Ersatzteilen ausrüsten. Beim hiesigen Yamaha Händler bestellen wir neue Bremsbeläge. Da die Tenere in den USA nicht verkauft wird, stellt es sich wieder als schwierig heraus, die richtigen Teile zu finden, aber dank eines speziellen Ersatzteilkataloges und unserem Muster gelingt es dem hilfsbereiten Verkäufer die richtigen Teile zu identifizieren. Leider müssen wir bis Dienstag warten, da diese dann erst geliefert werden können. Einen neuen Kupplungszug (der eine ist im Sequoia Nationalpark gerissen) bekommen wir hier leider nicht, aber die Information, wo wir einen bekommen. So fahren wir zu Motion Pro in San Carlos, die uns vor Ort einen neuen Kupplungszug für rund 27$ anfertigen.
Heute ist der 31. Oktober, es ist Halloween und die Häuser sind dementsprechend präpariert. Aus Deutschland kennen wir nur die Light-Version, hier in den USA nimmt das schon ganz andere Ausmaße an. Wir spielen passend dazu das verrückte Spiel Munchkin und geben den hin und wieder erscheinenden Kindern Süßigkeiten. Wir finden kein Ende und spielen 4,5 Stunden lang. Am Samstag besuchen wir das NASA Visitor Center und den Google Campus. Es ist schon interessant wie man hier die Mitarbeiter motiviert. Gepflegte Grünanlagen, ein Fitnessstudio, ein kleiner Pool, viele gemütliche Sitzplätze, Fahrräder für jedermann und eine Kantine sind nur einige Beispiele. Sonntag ist es dann mal wieder Zeit etwas für unseren Körper zu tun. Wir gehen mit Carmen und Saša wandern. Um das Wochenende entspannt ausklingen zu lassen schauen wir gemütlich auf der Couch ein paar Serien. Die folgenden Tage nutzen wir, um unser Equipment etwas auf Vordermann zu bringen. Ulli repariert den Reißverschluss am Zelt und wir pflegen die Verschlüsse unserer Schuhe und des Tankrucksacks mit etwas Allzwecköl. Am Abend zeigt uns Carmen noch ihre Lichtfeldkamera und deren Funktionsweise. Wir sind begeistert von der Technik und gespannt auf die nachfolgenden Modelle. Kolibris, die immer wieder an den Blüten der Hecke auftauchen und deren Nektar naschen, sind immer wieder ein gern gesehenes Motiv. Leider sind die kleinen Vögel so scheu und so schnell, dass es schwer fällt ein gescheites Foto zu machen. An unserem letzten Abend gehen wir noch einmal gemeinsam essen, aber das Highlight des Abends ist unser gemeinsamer Umtrunk. Saša lädt uns auf ein frisch gezapftes Reissdorf Kölsch ein. Wer hätte das gedacht. Schnell werden Erinnerungen an die Zeit in Köln wach.
Heute heißt es wieder “Auf wiedersehen” sagen. Wir hoffen sehr die beiden irgendwann mal wieder zu sehen.

 


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