Peru III – Wenn der Berg ruft

Da uns die morgendliche Wanderung und die Höhe im Allgemeinen zugesetzt haben, entscheiden wir uns hier ein Hostel zu suchen. Mateo und Juan fahren noch ein Stück weiter. Wir nutzten die Gelegenheit und suchen nach ein paar dünnen Rohren, die wir zum Reparieren der Zeltstangen nutzen können.

Am nächsten Morgen treffen wir Mateo und Juan im nahegelegenen Städtchen Yungay wieder. Gemeinsam wollen wir weiterfahren, aber die beiden brauchen noch etwas Zeit, sodass wir schon mal voraus fahren. Sie hatten es mal wieder geschafft und sich eine kostenlose Unterkunft organisiert. Aber da sie es den Einheimischen gleich tun wollten und ohne Helm zum Einkaufen gefahren sind, durften die beiden eine nicht unbeträchtliche Summe an die hiesige Polizei bezahlen. Selbst in dem Moment als wir auf die Beiden gewartet haben fahren viele Einheimische an der Polizeistation ohne Helm vorbei und werden von keinem Polizisten behelligt. Da sieht man mal wieder wie das hier läuft. Mateo konnte die Strafe zumindest mit seiner frechen Art ein wenig herunterhandeln. Na ja, Strafe muss sein :-)

Ulli und ich machen uns auf den Weg zur Lagune Llanganuco, die Teil des Huascaran Nationalparks ist, für den man Eintritt zahlen muss. Hier in den Büchern sehen wir auch, dass Joey und Daniel einen Tag vor uns hier durchgekommen sind und somit sind wir uns ziemlich sicher, dass sie die Kekse für uns hinterlassen haben.
Die wunderbar blau leuchtenden Lagunen im Nationalpark sind zwar ebenfalls wunderschön, aber wenn man gerade von der Lagune Paron kommt, nimmt man diese eher als nette Randerscheinung wahr. Leider haben sich auf dem Weg hier einige Eier von ihrer Schale befreit und schwimmen nun zum Glück in der dafür vorgesehenen Box herum. Da wir eh noch auf die beiden Kolumbianer warten müssen, beschließen wir die Eier hier an Ort und Stelle zu essen und machen es uns am Wegesrand gemütlich. Fast Food mal anders.

Die Sonne geht langsam unter und kurz bevor es dunkel wird, stoßen dann auch unsere Weggefährten zu uns. Nun müssen wir überlegen wir es weiter gehen soll. Eigentlich wollen wir nicht die hohe Gebühr zahlen müssen, die anfällt, wenn man im Nationalpark übernachten will, das wären nämlich gleich mal 30$ pro Person, wohingegen der Tageseintritt nur ca. 5$ gekostet hatte. Leider wissen wir aber nicht genau wo der Park endet. Um nicht die hohe Übernachtungsgebühr zahlen zu müssen, was auch nicht im Sinn unserer kolumbianischen Mitreisenden ist, brechen wir also auf. Vor uns liegt eine anspruchsvolle Auffahrt. Der grobe Schotter und die unendlichen Haarnadelkurven haben es in sich. Wir können hier von unserer geänderten Übersetzung stark profitieren. Manuel und Juan haben da deutlich mehr zu tun, ihre Bikes bei Drehzahl zu halten und den teilweise recht großen Steinen auszuweichen. Die absolut geniale Aussicht auf die Lagunen und die schneebedeckten Berge sind aber mehr als eine gute Entschädigung für diese Anstrengung. Besonders in den Kurven, wenn man quasi einen kleinen Rundumblick erhält und die gesamte Szenerie auf uns wirkt, würden wir am liebsten unsere Bikes parken und den Ausblick genießen. Zum Anhalten und Fotos machen kommen wir jedoch nur selten. Zum einen ist es die Erschöpfung, die uns in den Knochen steckt und zum anderen ist es die untergehende Sonne, die uns vorantreibt und uns einen passenden Schlafplatz suchen lässt. Wir nähern uns dem höchsten Punkt dieses Passes. Hier auf 4713m ist auch etwas Platz mit einer atemberaubenden Aussicht. Die untergehende Sonne macht das Ganze noch schöner. Obwohl es hier sicher in der Nacht sehr kalt werden wird, entschließen wir uns genau hier unser Lager aufzuschlagen.
Wir geben Juan, alles was wir nicht benötigen, um seine Hängematte etwas besser zu isolieren, denn er muss die Konstruktion zwischen den Bikes aufstellen und auf dem Boden schlafen, da es hier weit und breit keine Bäume gibt.
Ich bin wie immer zeitig wach und wage trotz der Kälte einen Blick nach außen. Es ist wollkenfrei und gerade beginnt die Sonne sich ihren Weg über die Gipfel der uns umgebenden Berge in Tal zu bergen. Das Tal ist noch im langsam flüchtenden Nebel versteckt. Ich wecke Ulli und dann auch die beiden anderen Langschläfer. Wie ein riesiger Vorhang, der nach unten weggezogen wird, gibt die schwindende Dunkelheit die Sicht auf dieses imposante Panorama frei. Bei diesem Anblick sind auch die Langschläfer unter uns froh so zeitig aufgestanden zu sein.

Nach dem Frühstück und einer ausgiebigen Fotosession fahren wir weiter nach Yanama. Die rund 30km geht es nahezu nur bergab. Wir erreichen das kleine Dörfchen also recht zeitig und finden auch schnell eine Unterkunft. Wir nutzen die Zeit hier und machen in diesem urigen Dorf einen Spaziergang. Die Menschen hier sind sehr freundlich, lächeln und sprechen mit uns. Das sind wir so auch nicht gewöhnt. So entstehen auch zahlreiche Fotos mit den Bewohnern von hier.

Bevor wir am nächsten Tag hier starten tauschen wir für eine Probefahrt die Bikes. Juan nimmt meine Ténéré und ich seine Tigerente. Schon das Platznehmen ist interessant und fast schon amüsant. Ich kann mir kaum vorstellen wie er die gesamte Strecke mit dem Bike fahren konnte. Das Fahrwerk ist direkt und hart. Es macht Spaß, aber ich hätte mit ihm nicht tauschen wollen, besonders nicht auf den Schotterstraßen. Ihm scheint die deutlich größer Ténéré auch Spaß zu machen. Schnell noch ein Snack am Straßenrand. Der gebratene Fleischspieß entpuppt sich als Niere, was mir nicht so sehr zusagt.

Bei unserem nächsten Stopp muss sich Juan einen Schweißer suchen, da sein selbstgebauter Kofferträger gebrochen ist. Die Übernachtung erfolgt bei der hiesigen Polizeistation. Wie so oft stellen wir uns eine ähnliche Situation in Deutschland vor und sind uns sicher, dass es das so wohl nicht geben würde. Aber wissen tun wir es schließlich nicht, denn nachgefragt haben wir ja noch nicht.
Der Weg zu unserem nächsten Ziel führt uns über den Pass Punto Olympica (4890m). Um über den Berg zu kommen, kann man entweder drüber fahren oder einen Tunnel benutzen. Wir schauen uns kurz den Weg über den Berg an, wissen aber auch dass dieser sehr anspruchsvoll sein wird. Da wir die letzten Tage viel auf Schotterpisten und unwegigem Gelände unterwegs waren, entscheiden wir uns für die einfachere Lösung und fahren durch den Tunnel (welcher zu den höchsten Tunneln in der Welt gehört) auf die andere Seite des Berges. Nicht ohne Grund zählt die Fahrt durch diesen Teil der Anden zu den besonderen Highlights dieser Reise. Auch die Abfahrt ist wieder einmal besonders fesselnd und zwingt uns zu ausgiebigen Fotostopps.

An diesem Abend übernachten wir nach ein wenig Suche in der Polizeistation von Carhuaz. Während wir es uns auf dem Boden eines Büros gemütlich machen, kann Ulli im Mannschaftsraum der Frauen übernachten.
Bereits am nächsten Tag befinden wir uns schon wieder auf Meeresniveau an der Küste Perus. Wir übernachten bei Cesar Espiritus dem Besitzer einer Motorradwerkstaat in Barranca. Nachdem wir vergeblich versucht hatten in einem Fastfoodladen WiFi zu bekommen, brachte uns einer der Angestellten auf direktem Wege zu dieser Adresse. Hier kommt wohl kaum ein Reisender nicht vorbei, was uns der mit Aufklebern übersäte Kühlschrank eindrucksvoll beweist. Wir finden auch schnell einig Bekannte wieder. Verrückt wer hier alles ein- uns ausgeht.

Keine 200 km mehr bis Lima. Bevor wir uns aber in den Sattel schwingen, schlagen wir uns bei TATU den Bauch mit Fisch Tacos voll. Das Restaurant direkt an der Küste wurde uns von Joey sowie dem Freund eines ehemaligen Arbeitskollegen von Ulli empfohlen und enttäuscht uns nicht. Nach dieser Stärkung geht es dann los.

Kurz vor Lima suchen wir uns ein Hostel, da wir keine besonders große Lust auf den abenteuerlichen Verkehr dieser riesigen Stadt haben und zeitig morgens hinein fahren wollen. Hier trennen sich unsere Wege von der kolumbianischen Reisebegleitung. Mateo und Juan fahren noch weiter, da sie einen Kontakt im Norden von Lima haben. Bei einem Abendessen lassen wir unsere gemeinsamen Abenteuer ausklingen. Alle zusammen merken wir wie schwer es uns fällt „tschüss“ bzw. „adios“ zu sagen. Der Plan ist zwar, dass wir uns nach Lima wieder treffen, aber wir alle wissen wie schnell sich Pläne ändern können. Die Zeit vergeht und die Beiden müssen los. Wir hoffen sehr, dass wir uns irgendwo wiedersehen.


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Peru II – Duch den Cañón del Pato in die Anden Perus

Ausgeschlafen sollten wir auch sein, denn vor uns liegt ein anspruchsvoller und sehenswerter Weg. Auf dem Markt versorgen wir uns mit den nötigsten Sachen, die wir in den kommenden Tagen brauchen werden. Denn nun geht es von Küstenniveau wieder einmal hoch in die Anden. Dort wird es deutlich seltener Märkte als in den Küstenstädten geben.

Erst gegen Mittag kommen wir los. Wir wollen durch den Cañón del Pato fahren. Nach einigen Kilometern gibt es kaum noch Vegetation und der Asphalt weicht dem Schotter. Tief in das Gestein hat sich der Fluss Rio Santa geschnitten. Die verschiedenfarbigen Felswände gehen steil nach oben, sodass an den Anbau von Pflanzen hier kaum zu denken ist. Eine weitere Besonderheit dieses Canyons sind die in den Fels gearbeiteten Tunnel. Diese sind eng, staubig und dunkel. Man muss sich schon konzentrieren, um nicht unverhofft aus der, durch die LKWs eingedrückten Spurrinne, zu fahren. Der lose Schotter ist tückisch, vor allem dann, wenn man ihn nicht richtig sehen kann. Mit regelmäßigen Hupzeichen versuchen wir uns für eventuell entgegenkommenden Verkehr bemerkbar zu machen. Zum Glück kommt uns aber kaum ein Fahrzeug entgegen. Einige Engstellen wären schon eine interessante Herausforderung geworden.

Da wir nicht genau wissen wie weit es noch bis zum Ende des Canyons ist, entscheiden wir uns als sich die Möglichkeit anbietet, unser Nachtlager eher als üblich aufzubauen. In der Dunkelheit wollen wir diese Strecke mit Sicherheit nicht fahren und das Campen an einem Steilhang bzw. an auf einer befahrenen Straße wollen wir auch nicht ausprobieren.

Wenige Kilometer später haben wir Glück, der enge Canyon wird breiter und biete an einer Stelle genügend Platz für einen Bauern, der hier Mangos anpflanzt. Wir fragen nach, ob wir hier unser Nachtlager aufschlagen können, denn eine bessere Möglichkeit wird sich uns so schnell nicht mehr bieten. Die Zufahrt auf das Gelände ist beschwerlich, aber es lohnt sich. Leider bricht ausgerechnet bei mir eines der Plastikrohre für die Bewässerung als ich mit dem Motorrad drüber fahre. Bei den Anderen ist alles gut gegangen. Entweder bin ich noch schwerer oder es war die Materialermüdung. Zum Glück ist kein Wasser drin, so können wir später das Problem mit Hilfe des Bauern schnell wieder richten.

Umgeben von Mangobäumen bauen wir unsere Zelte auf. Juan sucht nach einem etwas besseren Platz für seine überdachte Hängemattenkonstruktion, da die Mangobäume dafür noch zu klein und niedrig sind. Nachdem alles aufgebaut ist, machen wir uns an die Zubereitung des Abendessens. Juan bereitet einen Mango-Thunfisch-Salat vor, den ich wohl mein Leben lang nicht mehr vergessen werde. Ohne zu probieren hätte ich wohl nie geglaubt, dass diese Kreation so gut schmeckt und habe seit dem immer eine Konserve mit Tunfisch am Motorrad.
Es ist Montag, der 23.11.2015 und ein weiteres Highlight der Reise wartet auf uns. Nach einer kalten Dusche und dem obligatorischen Frühstück geht es bei gutem Wetter weiter. Doch schneller als gedacht ersetzt Asphalt den groben Schotter. Und man will es kaum glauben, aber dies nimmt der gesamten Szenerie etwas an Natürlichkeit. Obwohl es ein wenig anstrengender ist, würde ich mir hier lieber wünschen auf Schotter weiterzufahren. Das Ganze hat natürlich auch etwas Gutes: Wir kommen unserem heutigen Ziel schneller näher.

Mittagessen gibt es in einem urigen Markt in Caraz. Ein altes Mütterchen bereitet uns die Speisen zu. Im Markt selbst besorgen wir uns neuen Proviant. Nach dieser Verschnaufpause schrauben wir uns auf einer kleinen Bergstraße Meter für Meter höher. Zu unserer Linken schiebt sich der Nevado Caraz mit 6.025m und zu unserer Rechten der Nevado Pisco mit 5.752m in den Himmel. Welch atemberaubende Kulisse. Man weiß gar nicht wohin man schauen soll. Zum Glück bietet sich durch die zahlreichen Serpentinen ein sehr guter Rundumblick. Dann ist es endlich so weit, wir haben die Laguna Paron (auf ca. 4.200m Höhe) erreicht und genau in diesem Augenblick gibt es auch noch einen Regenbogen über der Lagune. Hektisch packen wir die Kameras aus, anstatt diesen einzigartigen Moment in vollen Zügen zu genießen. Bis wir eine gute Stelle für ein Foto gefunden haben, ist der Regenbogen fast schon verschwunden.

Wir schauen uns an diesem einzigartigen Ort ein wenig um und suchen uns einen schönen Platz zum Zelten. Direkt am Ufer der blau leuchtenden Lagune werden wir fündig. Obwohl es hier kaum Bäume gibt, findet auch Juan für seine Hängematte einen Platz zwischen den Felsen. Langsam geht die Sonne unter. Die warmen Farben des Sonnenuntergangs und das Blau der Lagune lassen diesen Sonnenuntergang zu einem besonderen Naturschauspiel werden. Am Lagerfeuer lassen wir mit Reis-Gemüse und Tacos diesen schönen Tag ausklingen.

Trotz der Höhe und der kühlen Temperaturen haben wir gut geschlafen. Nach einem leckeren Frühstück lassen wir die Bikes für heute stehen und machen uns zu Fuß auf dem Weg die Lagune zu erkunden. Wir wollen zum Ende der Lagune, denn dort kann man den Berg Artesonraju sehen. Dieser ist rund 6.000m hoch und soll angeblich als Vorlage für den Berg im Logo der Paramount Pictures gedient haben. Als wir ihn sehen wissen wir warum: Er kommt einem majestätischen Zuckerhut gleich. Auf dem Rückweg müssen wir uns sputen, da wir noch einige Fotos mit den Motorrädern im Abendlicht machen wollen. Die Zeit wird knapp, aber wir schaffen es noch. Als wir dann wieder zurück am Zeltplatz sind, finden wir eine interessante Überraschung, die uns zum Nachdenken anregt. In den zum Trocknen aufgehängten Tassen befinden sich ein paar Kekse, die wir da nicht hingetan haben. Waren es die Wanderer die wir unterwegs gesehen haben? Am Ufer der Lagune entdecken wir Reifenspuren, die nicht von uns stammen können. Das Profil ist eindeutig von einem Heidenau K60 Scout. Das grenzt die Möglichkeiten schon stark ein: Wir tippen auf Joey und Daniel, die unserer Meinung nach noch einen Tag hinter uns sein sollten, aber meist schneller als wir unterwegs sind.

Die Sonne ist gerade aufgegangen, da treibt es Ulli und mich schon aus dem Zelt. Bevor es heute wieder bergab geht, wollen wir noch einmal hochhinaus und einen Teil des Berges bis zu einem Aussichtspunkt besteigen. Die Höhenluft erschwert den Aufstieg und wir müssen über grobes Geröll klettern, was zusätzlich an den Kräften zehrt. Es hat sich jedoch gelohnt. Dank gutem Wetter können wir beinahe alle Gipfel sehen, die sich um die Lagune reihen. Wieder zurück bei den Zelten, traut sich Ulli noch in das „saukalte“ Wasser. Mit Juan und Mateo machen wir noch eine gemeinsame Fotosession am felsigen Rand der Lagune und dann geht es wieder zurück nach Caraz. (Eines der Fotos hat es auch in den 2016er Horizons Unlimited Kalender geschafft – www.horizonsunlimited.com/store/calendars/2017-calendar


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Peru I – Von Platten und Tiegerente verfolgt

19.11.2015

Es ist der 533. Tag unserer Reise. Seit zwei Tagen sind wir mit den beiden Kolumbianern Mateo und Juan Manuel unterwegs. Die beiden haben wir bei einer Tankstelle in Ecuador kennen gelernt. Mateo fährt die kleine 250ccm Tenere und Juan eine 200ccm indische „Tigerente“. So nennen wir sein Bike weil es gelb und schwarz gestreift ist und er zu allem Überfluss auch noch einen knallgrünen Helm hat, der uns an Kastenfrosch erinnert.
Gemeinsam überqueren wir die Grenze von Ecuador nach Peru. Die hier vorgeschriebene Versicherung ist relativ teuer, aber wir kommen nicht drum herum. Nur wenige Kilometer hinter der Grenze ändert sich schlagartig die Umgebung. Zuerst fahren wir noch durch saftig grüne Reisfelder, die einen leichten asiatischen Hauch in diese Gegend bringen. Aber gefühlt nur wenige Meter weiter beginnt eine Sandwüste.

Hin und wieder kommt eine Art Endzeitstimmung auf, wenn man die Gettos in dieser oftmals zugemüllten Gegend sieht. Die kargen Büsche und heruntergekommen Hütten bzw. Verschläge in der trostlosen Sandwüste, sind wahrlich keine Augenweide. Zu allem Übel hat Ulli wieder einen Platten. Der Flicken hat sich gelöst. Zu unserem Glück bemerkt Ulli dies, kurz nachdem wir an einer Tankstelle vorbei gefahren sind, die auch eine kleine Werkstatt für Reifen beherbergt, einen „Vulkanizador“. Leider verlieren wir bei dem Stopp die beiden Kolumbianer. Nachdem der Flicken nun bombensicher angebracht ist, hat Ulli zwar eine leichte Vibration, bei einer bestimmten Geschwindigkeit, aber die Luft kommt da so schnell nicht mehr raus. Der Mechaniker brachte zusätzlich zum Flicken noch eine Schicht alten Schlauch an dieser Stelle auf. Mit eine heißen Presse verschmolz er den Gummi auf dem Schlauch. Das haben wir so auch noch nicht gesehen.

Am folgenden Tag geht es weiter durch diese trostlose Gegend. Aber was ist das? Auf dem sandigen Boden sehen wir direkt neben der Straße ein rotes Meer aus Paprikas. Auf der Flächen von geschätzt einem halben Fußballfeld liegen die Paprikas zum Trocknen aus. Eine ältere Frau verteilt die Früchte der Nachtschattengewächse und prüft dabei den Trocknungsgrad. Während ich ein paar Fotos mache, haben sich zwei Mädchen (Jaceline und Nancy) zu Ulli in den Schatten der Motorräder gesetzt. Sie fragen was wir hier machen und erzählen etwas über die Gegend.

Wir fahren weiter und trauen unseren Augen kaum, als uns nach einigen Kilometern etwas Großes auf der Straße entgegenkommt. Durch das Hitzeflimmern, dauert es eine ganze Weile bis wir erkennen was es ist. Es ist ein großes hölzernes Boot, welches von einem Traktor gezogen wird. Wir staunen nicht schlecht, hier so ein Wüstenschiff zu sehen. Während wir von dieser skurrilen Szene Fotos machen, gesellen sich auch wieder zwei Bekannte zu uns. Juan und Mateo sind wieder da, was uns sehr freut, da wir die beiden sehr mögen.

Das Reisen mit ihnen ist besonders. Wir glauben schon sehr sparsam unterwegs zu sein, aber die Beiden reisen mit deutlich weniger Budget. Die Südamerikaner haben da sowieso ein ganz anderes Denken. Bei uns denkt man eher: „Ohhh je wie viel Geld das wohl kosten mag?“ Hier in Südamerika, fährt man einfach los und schaut wie weit man kommt. Und da die Südamerikaner sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit sind, kommt man dem Anschein nach sehr weit mit wenig Geld. Ihre erste Anlaufstation an einem neuen Ort ist der Marktplatz. Hier fragen sie sich dann zur örtlichen Feuerwehr, der Polizei oder Ähnlichem durch und bekommen dort oftmals kostenfrei eine Unterkunft gestellt. Mit Spanisch als Muttersprache sind sie da klar im Vorteil und gestalten die Gespräche immer mit etwas Humor. Heute haben wir aber ein nettes Hostel gefunden und verbringen den Abend bei einem gemütlichen Geburtstagsbierchen.

Am nächsten Morgen besuchen wir die Ruinen von Chan Chan an der peruanischen Pazifikküste westlich der Stadt Trujillo. Chan Chan war vermutlich die größte Stadt zu der damaligen Zeit auf dem südamerikanischen Kontinent und eine der größten der Welt, die aus Lehm errichtet wurde.

Dann fahren wir weiter auf der Panamericana wo es mit den wahnsinnigen Truckfahrern weitergeht. Auf einer zweispurigen Straße (eine Spur in jede Richtung) kommen uns gleich drei Trucks gleichzeitig entgegen. Da ist dann auch kein Platz mehr auf dem Seitenstreifen.

Bei der Suche nach einer Unterkunft warten wir auf dem Marktplatz nahe einer Schule und eh wir uns versehen, sind wir von vielen neugierigen Kindern umzingelt, die uns mit ihren Fragen löchern. Etwas später kommen wir dann in den Genuss der kolumbianischen Reise- und Improvisationsfähigkeiten. Die Beiden organisieren eine Übernachtungsmöglichkeit in dem örtlichen Krankenhaus. Wir bekommen zwei Krankenzimmer mit jeweils zwei leerstehenden Betten. Das ist schon ein komisches Gefühl, aber geschlafen haben wir hier trotzdem gut.


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Kolumbien – Cali (5)

30.08.2015

Unser heutiges Ziel ist Cali. Mit rund 2,4 Millionen Einwohnern ist es die drittgrößte Stadt des Landes. Wir haben hier einen Kontakt, denn wir bereits in Mexiko von Toni aus Puebla bekommen hatten. Jorge Osorio ist noch U30, hat aber schon mit seiner „Milú“, einem kleinen (250ccm) chinesischen Motorrad, ganz Südamerika unsicher gemacht. Selbst der Winter hat ihn dabei nicht von der Fahrt ins eisige Patagonien abgehalten.
Er lebt gemeinsam mit seiner Freundin Katerine bei deren Eltern. Hier werden wir auch untergebracht. Da es für die Teneres über Nacht zu unsicher vor dem Haus ist, parken wir diese im Wohnzimmer zusammen mit Milú und dem Roller von Katerine. Max und Martin, die beiden Hunde von Katerine, übernehmen die Bewachung.

„Die Welt ist ein Dorf.“ Das haben wir nun schon des Öfteren mitbekommen und auch hier haben wir wieder mal ein Bespiel, wie klein die Welt ist. Als wir zusammen sitzen, zeigt uns Jorge ein Foto und fragt uns ob wir den Kerl darauf kennen. Es ist Ingo, den wir bereits aus Santiago (USA) kennen und immer mal wieder unterwegs getroffen haben. Die beiden haben sich an einer Ampel auf dem Weg nach Bogota kennengelernt und sind bei der Wartephase ins Gespräch gekommen.

Den folgenden Tag verbringen wir mal wieder mit Homeoffice. Ullis Notebook muss eingerichtet werden und Jorge besorgt uns eine Festplatte, die wir für die kommende Datensicherung benötigen. Schnell ist der Montag dann auch schon wieder verflogen.

Am Dienstag fahren wir zuerst gemeinsam mit Jorge Öl kaufen und dann in die Werkstatt ASTURIAS (www.asturias.com.co), um dort einen Ölwechsel zu machen und die Bikes zu checken. Da an der Gabel meiner Tenere schon seit einiger Zeit Öl austritt, nutzen wir hier die Gelegenheit und bitten Jorge (den Besitzer der Werkstatt) um seine Meinung. Er empfiehlt uns das Öl und die Dichtungen zu tauschen und hilft uns dabei. Zum Mittagessen kommt dann auch (unser) Jorge vorbei und wir lassen es uns nebenan bei „Crepes & Waffles“ schmecken. Am Nachmittag überprüfen und schmieren wir noch das Lenkkopflager, da dies gelegentlich Geräusche von sich gibt und in der Gabelbrücke etwas Spiel zu haben scheint. Trotz der Bereitstellung der Werkzeuge und des Platzes sowie der zeitintensiven Unterstützung durch Jorge (Werkstatt) bezahlen wir nur den Materialwert des Gabelöls und der O-Ringe. Vielen Dank für die tolle Unterstützung!

Nachdem alles wieder fahrbereit ist, holt uns Katerine, die ganz in der Nähe arbeitet, mit ihrem Roller ab und führt uns zu einem Aussichtspunkt in der Stadt, wo wir dann auch Jorge treffen. Hier sehen wir, welche Ausmaße die Stadt hat. Von der Stadt selbst bekommen wir ansonsten nicht allzu viel mit, da wir meist mit uns und den Bikes beschäftigt sind. Städte sind für uns ohnehin nur selten interessant. Jedoch bieten sie meist gute Möglichkeiten um Dinge zu besorgen oder verschiedene Sachen zu erledigen. So lassen wir zum Beispiel die gerissenen Nähte der Packtaschen nähen. Ulli baut Lampenschutzgitter aus Aluminium, um die Scheinwerfer vor möglichen Steinschlägen zu schützen. Der alte Schutz aus Plastik hat sich auf der letzten Schotterpiste zwischen Guatape un Manizales gelöst und verabschiedet. Die Lampenschutzgitter, die man im Zubehörmarkt kaufen kann sind mit mehr als 70 € pro Stück unverschämt teuer. Die handgebastelte Lösung hat uns für beide Teile zusammen umgerechnet circa 6€ kostet, allerdings auch einige Stunden Suche nach den passenden Materialien und den Arbeitsaufwand um das Gitter zurechtzuschneiden und anzupassen. Am Ende haben wir eine solide Lösung, die ihre Funktion erfüllen sollte und unseren Teneres einen „einzigartigen“ Look verpasst. Über Geschmack kann man nicht streiten.

Ehe wir uns versehen, ist schon wieder eine Woche vergangen. Da es nun schon wieder Wochenende ist, nutzen wir die Zeit und machen einen kurzen Campingausflug mit Jorge und Katerine zu einem See in der Nähe von Darien. Für einen Teil des Rückweges tauschen wir die Motorräder. Jorge und Katerine nehmen Platz auf meiner Tenere und ich nehme Milú. Ein paar Meter bin ich bereits vorher schon mit ihr gefahren, aber nun haben wir etwas mehr Zeit uns kennenzulernen. Der gravierendste Unterschied am Anfang sind die Bremsen. Bei dem kleinen Bike aus China muss man rechtzeitig und beherzt in die Eisen langen, damit man die gewünschte Verzögerung erzielt und mit der richtigen Geschwindigkeit die Kurve nimmt. An die Dosierung gewönne ich mich aber recht schnell und merke wie die Begeisterung wächst, dieses Leichtgewicht um die Kurven zu werfen. Ich hätte nicht gedacht, dass das so viel Spaß machen kann. Nachdem wir wieder zurücktauschen, muss ich mich mit der Bremse etwas zügeln und merke was für eine Masse ich nun bewege, obwohl ich kaum Gepäck dabei habe.

Zehn Tage sind wir nun schon in Cali bei Katerines Familie. Heute fahren wir wieder weiter in den Süden. Jorge begleitet uns mit seinem Motorrad noch ein Stück die Stadt hinaus, mit der Oma von Katerine auf dem Rücksitz. Wir haben uns sehr wohlgefühlt und hoffen, dass wir die Beiden irgendwann mal wiedersehen. Da die Beiden planen eine Weltreise zu machen, stehen die Chancen dafür gut.

430 Kilometer schaffen wir an diesem Tag noch und durchfahren auf dem Weg ein sehr trockenes Gebiet durch einen Canyon mit vielen schönen Kurven. Das Fahren macht hier richtig Spaß, jedoch machen uns die kolumbianischen LKW- und Autofahrer mit ihren Überholmanövern im Kurvenbereich ein wenig Sorgen und lassen uns daher unsere Geschwindigkeit etwas zügeln.
In Pasto haben wir keine so richtige Lust nach einer Unterkunft zu suchen und fahren über die Stadt hinaus, obwohl es schon Abend wird. Wir hoffen auf eine kleine günstige Unterkunft außerhalb der Stadt oder eine Möglichkeit zum Zelten. Es findet sich jedoch eine ganze Weile nichts und es wird schon dunkel. Schließlich finden wir eine Trucker Absteige neben einer Tankstelle und lassen uns dort erleichtert nieder, unser letzter Stopp in Kolumbien. Bevor es am 9. September über die Grenze nach Ecuador geht, machen wir noch einen kurzen Abstecher zu einer besonderen Kirche: Sanctuaire de Las Lajas (deutsch: Heiligtum unserer Dame von Las Lajas). Es handelt sich dabei um eine katholische Basilika, die sich in einem engen Tal befindet und besonders detailreich verziert ist. Da dies ein beliebtes Ausflugsziel für Kolumbianer und Ecuadorianer ist, sorgen die Menschenmassen für genügend Stress, sodass wir uns schnell wieder auf den Weg machen.

Ecuador wir kommen.

 


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Kolumbien – von Guatape bis Pijao (4)

13.-30.08.2015
 
Gemeinsam mit Ingo, Joey und Daniel fahren wir am Mittwoch nach Guatape, einem kleinem hübschen Städtchen, dessen Häuser zum Großteil mit bunten Reliefs an den Wänden verziert sind. Ohne Ingo, denn der ist bereist zurück in Medellin, machen wir uns mit einem Tuk Tuk auf den Weg zu dem großen Monoliten „El Peñón de Guatapé“. Der große Felsen sticht aus der umliegenden Landschaft sprichwörtlich heraus. Auf die Spitze des Felsens führen rund 700 Stufen und von hier aus haben wir einen genialen Panoramablick.   Dieser ist vor allem auch dem umliegenden See zu verdanken der zum Betreiben eines Wasserkraftwerks angelegt wurde. Auf ihm liegen zahlreiche Inseln und Halbinseln, die in ihrer Gesamtheit an ein riesiges Labyrinth erinnern.
 
Zwei weitere Tage hält es uns in diesem idyllischen Städtchen, aber dann müssen wir weiter, da wir mit Peter, dem Besitzer einer Pilzfarm, verabredet sind. Er empfängt Couchsurfer und arbeitswillige Reisende (http://reservalaguneta.com). Auf seiner Pilzfarm wollen wir uns ein wenig nützlich machen und für ihn ein paar Fotos erstellen, die er auf seiner Webseite einbinden kann. Damit wir auch verstehen, was da passiert und wir die Champignons ins rechte Licht rücken können, schließen wir uns zwei Tage den Frauen, die die Ernte übernehmen an und arbeiten mit ihnen. So brechen wir dann auch schon das Eis, was uns beim Fotografieren deutlich zugutekommt.
 
Unsere Unterkunft ist eine Art Holzhütte, in der wir unsere Isomatten und Schlafsäcke ausbreiten. Küche und Bad benutzen wir in Peters Haus. Ich weiß nicht wie lange es her ist, aber diese Dusche ist die beste seit langer Zeit. Wirklich warmes Wasser mit einem herrlich konstanten Druck. Ich wusste gar nicht wie sehr man so etwas vermissen kann. Ebenso die Küche, hier macht es endlich wieder richtig Spaß Essen zuzubereiten. Sauber und gut ausgerüstet. Man braucht also keine Bedenken haben, dass man den Geschmack der letzten zehn Malzeiten mitschmeckt.
 
Fürs Wochenende hat uns Peter eine interessante Runde schmackhaft gemacht, die wir die nächsten zwei Tage erkunden wollen. Es geht in den Nationalpark El Nevado. Peter ist hier selbst schon das eine oder andere Mal mit seinem fast schon historischen Land Rover herumgefahren und kann uns den Zustand der Strecke gut beschreiben. Unser Weg führt uns in das kleine Dorf Murillo. Bunte hölzerne Fassaden schmücken fast jedes der hiesigen Häuser und machen dieses Dörfchen sehr lebendig und sehenswert. Hinzu kommt, dass die Menschen hier Ponchos in unterschiedlichen Farben und Formen tragen. Alles ist sehr natürlich und dennoch sauber. Touristen scheinen sich hier her nur selten zu verirren. Hier fühlen wir uns wohl und wir beschließen über Nacht zu bleiben, so machen wir uns auf den Weg und suchen eine Unterkunft, die wir mit Hilfe der netten Dorfbewohner schnell finden. Schnell bringen wir alle Sachen aufs Zimmer, um dann die Teneres durchs Wohnzimmer in den Hinterhof zuschieben. Nachdem die sicher abgestellt sind, erkunden wir das quirlige Dorf. Pferde und Esel werden auf der Straße für den nächsten Arbeitstag vorbereitet, wir machen Fotos mit den aufgeschlossenen Einwohnern und werden sogar in den Hinterhof eines Hauses gebeten, um dort den Welpen anzusehen der drollig die Hühner hin und her jagt. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Das Abendessen inklusive Getränk kostet uns dann zusammen nur rund 2,50 Euro. Die anstrengende Fahrt und die Höhe (rund 3000m) mit ihrer schnell anziehenden Kälte sorgen dafür, dass wir uns auf den Rückweg zu unserem Quartier machen. Trotz der niedrigen Temperaturen schlafen wir ganz gut.
 
Mit einem Frühstück beim Bäcker am Marktplatz beginnen wir den Tag. Entspannt schauen wir uns bei Kaffee, Tee und Gebäck das Treiben auf dem Marktplatz und im Geschäft an. Es hat den Anschein, dass der Poncho selbst zum Schlafanzug getragen und hier zum morgendlichen Spaziergang umgehängt wird. Sattgesehen haben wir uns leider noch lange nicht, aber die Fahrt geht weiter, weiter zu einem weniger erfreulichen Abschnitt dieser Region. Wir wollen nach Armero Viejo, einer Stadt, die am 13. November 1985 von einer Schlammlawine nach einem Vulkanausbruch des Nevado del Ruiz fast komplett zerstört wurde. Damals kamen fast 25.000 Menschen ums Leben. Wir besuchen ein kleines Museum in dem Fotos von der Katastrophe das kaum Vorstellbare zeigen. Sattelitenbilder verdeutlichen das Ausmaß dieses Unglücks. Besonders tragisch ist die Geschichte eines kleinen Mädchens, das in einem Loch mit Wasser feststeckt und nicht befreit werden kann, obwohl Hilfskräfte bereits vor Ort sind. Vor laufenden Kameras verabschiedet sich das Mädchen namens Omayra Sánchez von ihren Eltern und stirbt letztendlich an Unterkühlung. Schuld an der hohen Anzahl der Opfer ist eine folgeschwere Fehleinschätzung. Damals war man kurz davor die Stadt zu evakuieren, tat dieses aber nicht, da man glaubte die Region sei in Sicherheit. Die Überreste der Stadt kann man zu Fuß, mit dem Auto oder mit dem Motorrad besichtigen. Dabei fährt man gewissermaßen auf den alten Straßen, die jedoch durch den Schlamm ein bis zwei Meter unter uns liegen. Die gesamte Szenerie stimmt uns sehr nachdenklich.
 
Wir sind zurück auf der Pilzfarm und widmen uns einer Idee, die wir die letzten Tage hatten. Wir wollen für Peters neue Webseite ein kleines Video, eine sogenannte Zeitraffer-Aufnahme machen, die den Werdegang der Champignons zeigt. An einer Kiste befestigen wir eine GoPro-Actionkamera, die aller drei bis vier Sekunden ein Foto macht. Das vorläufige Ergebnis seht ihr hier:
 

 
Pijao die „Slow-City“
 
Uns führt die Straße nach Pijao in ein Gebiet, dass für den Kaffeeanbau bekannt ist. Pijao selbst ist ein kleines Städtchen, welche sich dem Konzept einer „Slow-City“ verschrieben hat. Kein Fast-Food, kein Stress, dafür ein entspanntes und gesundes Leben. Das ist der Plan. Pijao macht einen netten Eindruck, doch aus meiner Sicht unterscheidet es sich kaum von anderen Städten dieser Größe. Schön ist es trotzdem.
 
Wir haben eine Unterkunft gefunden, stehen aber vor verschlossenen Türen. Zum Glück hat dies auch Lily, die Nachbarin, mitbekommen und gibt uns zu verstehen, dass wir die Besitzerin anrufen müssen. Lily kommt zu uns auf die Straße und gemeinsam geht sie mit Ulli in das kleine Geschäft, direkt neben an. Dort befindet sich ein Telefon mit welchem die Besitzerin angerufen wird. Zu unserer Überraschung übernimmt Lily die entstandenen Kosten und zahlt den Anruf. Das sind zwar keine riesigen Kosten, aber eine verdammt nette Geste. Wenig später kommt auch noch eine weitere Nachbarin und schenkt uns eine Avocado. Langsam kommen wir ins Grübeln und fragen uns was hier nicht stimmt. So viel Gastfreundschaft ist doch nicht normal. Sehen wir so bedürftig aus? Wir haben keine Antwort.
 
Da wir uns hier nicht nur in einer Kaffee-Region sondern auch Bambus-Region befinden, besuchen wir das „Centro Bambu Nacional de Guadua“ und lassen uns von dem vielfältig einsetzbaren Material begeistern. Gemeinsam mit zwei Kanadierinnen bekommen wir eine Tour. Diego, der Guide ist überaus erfreut, dass wir noch zu dieser Führung stoßen, denn die beiden Kanadierinnen sprechen kaum ein Word Spanisch und er kaum Englisch. So fungieren wir als Dolmetscher. Ulli mehr, ich weniger. Unsere Bikes sind während der Tage in Pijao bei der hiesigen Feuerwehr untergestellt, die sich nicht weit von unserer Unterkunft befinden. Dort stehen sie sicher, da die Feuerwehrstation auch als Stützpunkt für die dortige Polizei genutzt wird.
 
Am Samstag machen wir dann noch mal die Gegend unsicher und begeben uns auf eine Wanderung. Entlang eines Weges zwischen Bananenplantagen geht es stets bergauf, bis wir auf eine kleine Lichtung stoßen, auf der Bambus wächst. Dort machen wir es uns gemütlich uns wollen die unterwegs gesammelten Mandarinen essen. Diese sind aber, obwohl sie reif aussehen, viel zu sauer und ich verziehe zur Freude von Ulli mein Gesicht. Auf dem Rückweg, bei einem kurzen Stopp an einem schönen Aussichtspunkt mit einem kleinen Kiosk, lernen wir Christobal und seine Freunde kennen. Er ist ein erfolgreicher Tierarzt und lädt uns auf eine Cola und ein Stück Kuchen ein. Wir kommen ins Plaudern und nach einiger Zeit lädt er uns zu sich auf die Ranch ein. Am Sonntag wollen wir uns mit einem von seinen Arbeitern treffen, der uns dann zu der Ranch bringt. Sonntags packen wir also unsere Sachen und wollen unsere Bikes bei der Feuerwehr abholen. Eigentlich wollten wir dort einige unserer Fotos zeigen und ein wenig über die Reise berichten, aber nachdem man von uns plötzlich Geld für das Abstellen der Teneres haben will, haben wir keine Lust mehr. Denn vorher haben wir diesen Punkt extra besprochen. Wir nehmen unsere Bikes und fahren zur Unterkunft. Dort beladen wir unsere Lastenesel und fahren weiter zu Kirche, wo wir uns mit dem Mitarbeiter von Christobal treffen wollen. Nach dem dort, auch nach fast anderthalb Stunden warten und zahlreichen Gesprächen mit Passanten, niemand auftaucht, machen wir uns auf den Weg. Die lateinamerikanische Pünktlichkeit ist uns bekannt, aber man muss ja nicht jeden Unsinn mitmachen nur weil es in einem Land so üblich ist. Wir geben an dem Kiosk vom Vortag Bescheid, dass wir am vereinbarten Ort gewartet haben und fahren weiter.
 


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Kolumbien – Ange-Eggt in Medellin (3)

Einige Tage später treffen wir uns mit alten Bekannten (Ingo, Joey, Daniel, Catharine, Les und später auch Matt und Heather) und neuen Gesichtern (wie zum Bsp. Moritz) in einem Hostel in Medellin wieder. Da hier am Wochenende ein großes Blumenfest (Feria de las Flores) stattfindet, sind leider viele Hostels voll oder zu teuer. So müssen wir in den sauren Apfel beißen und teilen uns dieses Mal einen Dorm für 16 Personen mit anderen Reisenden. Das ist nicht so unser Fall. Wir haben das Bett in der Mitte des Zimmers zugeteilt bekommen. Ständig rennen Leute um uns herum, wenn wir eigentlich schlafen möchten.

Am Samstag wollen wir uns die Vorbereitungen zu dem Fest in St. Elena ansehen, denn da sollen angeblich weniger Zuschauer dabei sein. Zuvor schauen wir uns aber noch ein paar Konstrukte aus Blumengestecken in der Stadt an. Diese sind allerdings eher enttäuschend. Leider sind wir nun etwas spät dran und schaffen es nicht mehr rechtzeitig nach St. Elena. Dafür haben wir aber eine interessante Fahrt mit der Seilbahn. Wenige Meter übern den Häusern geht es den Berg hinauf. Je höher wir kommen umso ärmlicher werden die Häuser und später die Hütten. Aber der Ausblick über der Stadt und den Rest des Tales wird mit jedem Meter den wir an Höhe gewinnen beeindruckender und zeigt uns die riesigen Ausmaße der Stadt, die sich wie ein Organismus vom Tal ausbreitet und die steilen Hänge hinauf wächst. Den Abend lassen wir im Park mit Bier und leckeren Hot-Dogs ausklingen. Während wir uns unterhalten, bekommen wir laufend Kaugummis angeboten. Wie wir nach kurzer Zeit und einigen versteckten Hinweisen mitbekommen, sind dies spezielle Kaugummis, welche Kokain oder andere berauschende Substanzen enthalten. Nein Danke, wir haben auch so genug Spaß.

Schnell merken wir, dass wir bei den Menschenmassen, welche sich am Sonntag ebenfalls die Parade ansehen wollen, keine Chance haben unsere Gruppe zusammenzuhalten. Einige treten, von der Menschenmasse genervt, schnell den Rückweg an. Der Rest teilt sich in kleinere Grüppchen und schaut sich das Spektakel an. Die Masse an Menschen erinnert ein wenig an die Love Parade. Gemeinsam mit Joey kämpfen wir uns bis an einen Platz direkt hinter der Absperrung an der Straße vor, an der die Parade vorbeizieht. Hier sehen wir, wie sich die Silleteros, die Träger der zum Teil riesigen und kunstvollen Blumengestecke, abmühen müssen um diese Blütenpracht auf ihren Rücken zu tragen. Einige dieser Gestecke sind rund 2 x 2m groß und wiegen mit Gestell bis zu 75kg. Früher haben einfache Arbeiter ihre Herren auf Stühlen, die sie auf den Rücken gebunden bekamen, durch schweres Gelände getragen. Solch einen menschlichen Träger nannte man „Silletero“ (Silla bedeutet Stuhl) und bei diesem Fest soll an die Leiden dieser Vorfahren erinnert werden. Zwischendurch sorgen diverse Tanzgruppen für etwas Abwechslung. Mit selbstgemachten Königsberger Klopsen für 11 Personen beenden wir diesen erlebnisreichen Tag entspannt im Hostel.

Am nächsten Tag wollen wir uns die „Comuna 13“ ansehen. Früher, das heißt bis gerade mal vor vier Jahren, war dieses Stadtviertel alles andere als einen Besuch wert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit, hätte man dieses dichtbesiedelte Viertel nicht mehr lebend verlassen. 2011 wurden in Medellín trotz sinkender Mordrate immer noch über 1600 Menschen umgebracht. Arbeitslosigkeit, große Klassenunterschiede, starke soziale Spannungen und der anhaltende Bürgerkrieg waren ein fruchtbarer Boden um diese Gewaltbereitschaft wachsen zu lassen.

Jetzt ist davon allerding nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil! Wir fühlen uns in dem überaus farbenfrohen und mit vielen kunstvollen Graffitis verzierten Stadtteil sehr wohl. Ein besonderes Highlight ist hier eine der wohl längsten Rolltreppen der Welt. 348m, was umgerechnet rund 28 Stockwerken entspricht, welche mit den verschiedenen Segmenten der Rolltreppe bewältigt werden können. Dies ist besonders hier ein enormer Vorteil, denn nur einige Häuser sind bequem mit einem Auto von der Straße aus zu erreichen.

Wie es der Zufall so will, treffen noch weitere Bordmitglieder der Stahlratte in unserem Hostel ein. Etwas verdutzt sieht uns Christine an, als sie ins Hostel hereinkommt. Die Welt ist ein Dorf. Am späten Abend kommen dann auch Eli und Patrick zu uns. Zuvor schlendern wir aber noch mit Christine durch die Stadt und gönnen uns abermals einen der leckeren Hot-Dogs.

Ange-Eggt
Aber was ist das? „Platsch“. Auf dem Rückweg zum Hostel hören wir plötzlich ein sonderbares Geräusch und einige von uns merken, zum Teil schmerzhaft, dass sie etwas berührt hat. Es dauert einige Sekunden bis wir realisieren, dass die Insassen des vorbeifahrenden Pick-Ups Eier auf uns geworfen haben. Ich merke es erst gar nicht, aber auch mich hat es am Hosenbein erwischt. Wir fragen uns weshalb jemand Eier auf uns wirft. Ausländerfeindlichkeit oder einfach nur Langeweile von pubertierenden Jugendlichen. „Platsch“ Bevor wir zu einer Entscheidung kommen, treffen uns bereits die nächsten Eier. Unbemerkt kam der Pick-Up wieder von hinten an uns herangefahren. Und die Insassen hatten abermals ein leichtes Spiel mit uns, denn wer hätte schon gedacht, dass die noch mal wiederkommen. Ein drittes Mal kommen sie leider nicht vorbei…


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Kolumbien – Santander (2)

18.07 – 06.08.2015

Bei bis zu 41°C fahren nun auch wir in den Süden. Die Hitze und die langweilige Strecken machen uns zu schaffen, die Kühlung vom Fahrtwind ist nicht mehr nennenswert. So sind wir froh, dass wir die Stadt Bucaramanga weitestgehend umfahren können und nicht lange in der Hitze beim „Stop and go“ leiden müssen.
 
Kurz nachdem wir den Canyon Chicamocha passiert haben, finden wir auch schon einen netten Campingplatz, wo wir unsere Zelte aufschlagen. Das Ganze erinnert eher an eine kleine Kommune. Hier wird fast alles selbst angebaut, was man zum Leben braucht und mit diversen Bambuskonstrukten, wie Schaukeln oder Wäschespinnen, wird auch noch etwas Geld verdient. Javier, ist ein Mann der hier zu arbeiten scheint. Er lädt uns für den nächsten Tag zum Frühstück ein und zeigt uns die Gegend. Am Ende organisiert er auch noch einen Geländewagen mit dem wir alle gemeinsam zu einem grandiosen Aussichtspunkt fahren. Eigentlich wollte er, dass wir mit den Motorädern und ihm als Sozius dort hinfahren. Zum Glück haben wir das nicht gemacht, denn die Strecke ist so stark zugewuchert, dass wir mit dem Motorrad keinen Spaß gehabt hätten.
 
Heute trennen sich auch vorerst unsere Wege. Less und Catharine fahren eine andere Route als wir. Unser Ziel ist Villa de Leyva ein kleines Städtchen, welches besonders schön sein soll. Die Fahrt dorthin ist nicht besonders schön, da nerviger Verkehr und haarstäubende Überholmanöver der Trucks jederzeit zu besonderer Vorsicht veranlassen und an ein entspanntes Vorrankommen nicht zu denken ist. Eigentlich wollten wir hier eine Wanderung im nahegelegenen Nationalpark machen, aber dort will man umgerechnet rund $30 für den Eintritt und das Parken der Bikes haben. Das ist definitiv zu viel für eine Wanderung.
 
Da wir die gesamte Strecke nach Medellín, die uns durch die Berge von Santander führt, an einem Tag nicht schaffen, machen wir einen Stopp auf halber Strecke. Da wir an Höhe verloren haben, macht uns die Hitze hier wieder mehr zu schaffen. Bei der Zimmersuche handelt Ulli die geschäftstüchtige Frau, namens Flor, von 40.000 auf 20.000 Kolumbianische Pesos runter, was etwas mehr als 6 Euro sind. Für den Preis bekommen wir 2 Zimmer mit je einem Bett. Ein wenig wundert sie sich, dass wir ausgerechnet hier anhalten. Normalerweise stoppen hier nur Trucker, wenn sie es wegen der hereinbrechenden Nacht nicht mehr weiter schaffen. Das Gespräch vertieft sich und sie fragt uns, ob sie uns ein wenig das Dorf zeigen soll. Gern nehmen wir ihr Angebot an und besuchen unteranderem ihre Nichte auf einem Bauernhof mit Truthähnen und Pferden. Dort erzählt sie uns auch, dass es nicht allzu weit von hier einen schönen Wasserfall gibt. Deshalb beschließen wir noch einen Tag länger zu bleiben und den Wasserfall am nächsten Tag zu suchen. Hierbei schließen sich Flor und zwei Nachbarskinder mit an, da es für uns unmöglich ist den Wasserfall alleine zu finden. Wanderwege und Wegmarkierungen gibt es hier nicht. Wir verbringen einen sehr interessanten Tag mit den dreien, baden unter zwei Wasserfällen, schlagen uns durch dichtbewachsenen Dschungel, besuchen eine Finka, auf der Flor 35 Jahre lang gelebt hat (keine Straße nur ein kleiner Pfad führt zu diesem Ort) und finden große versteinerte Fossilien. Ein rundum gelungener Tag. Das hätten wir gestern nicht gedacht, als wir hier für eine Übernachtung angehalten sind.
 
Wieder zurück kochen wir für Flor und uns Pasta zum Abendessen. Flor zeigt auf die Oliven die wir für die Soße verwenden und fragt ob das Fleisch sei. Ulli versucht ihr zu erklären, dass es sich hierbei um die „Frucht“ handelt, mit der James Bond seine Drinks verfeinert. James Bond kennt sie auch nicht. Da uns der letzte Tag sehr gefallen hat, denken wir uns, dass wir ihr etwas mehr geben, als sie ursprünglich für die Übernachtungen und das Essen veranschlagt hatte. Zu unserer Überraschung kommt sie aber kurz darauf zu uns zurück und fragt, ob wir nicht noch freiwillig etwas mehr Geld für den letzten Tag geben wollen. Ihr ist dies sichtlich unangenehm und wir gehen davon aus, dass diese Aktion von ihrem mürrischen Ehemann ausgeht. Wir zücken noch einmal die Geldtasche, warum wissen wir selbst nicht und sind etwas enttäuscht, dass es am Ende wieder auf so etwas hinausläuft.
 


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Kolumbien und seine Überraschungen (1)

20.07.2015

Nachdem wir uns langsam wieder an den festen Boden unter unseren Füßen gewöhnt haben, müssen wir uns auch schon eine neue Unterkunft suchen. Zum Glück hat Ulli bereits in Panama ein nettes Hostel ausfindig gemacht und gebucht. Hostels findet man in Cartagena zwar viele, aber der Extraplatz für die Bikes stellt sich oftmals als eine Herausforderung heraus. Und da nicht nur wir dieses Problem haben, sondern auch einige andere Mitreisende, fahren wir quasi im Konvoi zum „Casa Torices Real“, dem bereits im Voraus gebuchten Hostel. Vorerst im Taxi, da wir die Bikes erst am nächsten Tag abholen können.

Diana, die Chefin des Hauses, empfängt uns in ihrem Hostel äußerst herzlich und sorgt dafür, dass es uns an nichts fehlt. So etwas sind wir schon lange nicht mehr gewöhnt. Es wurde oftmals nur erwartet, dass Touristen viel bezahlen, möglichst ohne etwas dafür tun zu müssen. Am nächsten Tag schleusen wir die Motorräder durch den Zoll und versichern sie anschließend. Dies klingt hier einfacher als es war, wir sind schließlich immer noch in Lateinamerika. Das heißt also 2 Stunden warten auf unseren Versicherungsagenten (hätte er nicht unsere Dokumente, hätten wir alles schon selbst erledigt, bevor er ankam und wie sollte es anders sein, die Dokumente waren meistens auch noch fehlerhaft ausgestellt). Nachdem aber alles irgendwann geschafft ist, finden nun nicht wie geplant vier Bikes sondern insgesamt neun (später 11) Motorräder im Hostel Platz. Allerdings mussten wir ein wenig auf Eli warten, da wir ihn während der Fahrt zum Hostel verloren haben und er dann einige Stunden umhergeirrt ist.

In den einladenden Gemeinschaftsraum des Hostels lassen wir die Zeit auf der Stahlratte Revue passieren und unterhalten uns über unsere Reisen und Erfahrungen.
Da wir uns hier in einer geschichtsträchtigen Stadt befinden, welche 1533 gegründet wurde, gehört ein kleiner Stadtbummel auch zu unserem Tagesprogramm. Viele Reisende sagten uns bereits im Vorfeld, dass Kolumbien zu ihren liebsten Reisezielen gehört. Dies liegt vermutlich auch daran, dass sich das Land gerade erst im „Aufbruch“ befindet, was den Tourismus angeht. Vermutlich ist es die bisher noch erhaltene Natürlichkeit, was dieses Land wohl sehr liebenswert macht. Nicht vergessen sollte man auch den Umstand, dass bis vor wenigen Jahren der Kampf zwischen der Regierung und der FARC (eigentlich F.A.R.C.-E.P. (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo – Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee)) in vielen Teilen des Landes den Tourismus unmöglich machte. Entführungen und Kampfhandlungen waren an der Tagesordnung. Die Situation hat sich deutlich verbessert und dies merkt man auch den Einwohnern Kolumbiens an, die nun erkennen welche Möglichkeiten ihnen jetzt offenstehen. Es ist wie im Frühling kurz vor dem Erblühen eines ganzen Landes.

Zu acht verlassen wir am Donnerstag unser Hostel. Heather und Matt begleiten uns ein Stück auf dem Weg nach Barranquilla. Sie besuchen einen Matschvulkan in dem man sitzen und entspannen kann. Wir (Joey, Daniel, Catharine und Less, die beiden Kanadier) fahren weiter nach Barranquilla, denn dort wartet Post auf uns. Joey und Daniel sollen ein paar Ersatzteile und wir unsere neue Kreditkarte bekommen, als Ersatz für die in Nicaragua gestohlene. Auf dem Weg dahin fängt es so stark an zu regnen, dass wir auch unsere Regensachen überziehen. Je näher wir der Stadt kommen umso mehr regnet es, aber die Regenkleidung hält uns zum Glück halbwegs trocken. Beim Warten an roten Ampeln versucht mir ein Taxifahrer etwas zu erklären, was mit dem Regen zu tun hat. Leider verstehe ich ihn aufgrund meiner mangelnden Spanischkenntnisse, dem Geräuschpegel der Straße und dem Regen nur sehr schlecht. Es hat irgendwas mit dem Regen zu tun. Ich meine nur, dass wir bei dem Regen ohne Probleme fahren können und dann ist die Ampel auch schon grün und wir fahren weiter.
Es hat den Anschein, dass mit jedem Meter den wir weiter ins Innere der Stadt fahren, der Regen zunimmt und das Regenwasser auf der Straße höher wird. Die paar Zentimeter sind zwar noch lange kein Problem, aber mit jedem Stopp an einer Ampel und dem damit verbundenen Fuß abstellen, hat man das Gefühl, dass der Wasserpegel rasant ansteigt.

Irgendwann ist es dann so weit. Joeys BMW kommt nicht weiter. Das Wasser auf der Kreuzung ist mittlerweile so hoch, dass wir nicht mehr sehen können ob etwas vor uns liegt oder z.B. Gullideckel offen sind. Daniel konnte sein Bike abstellen und kommt ihr schon zu Hilfe. Auch wir versuchen unsere Motorräder abzustellen, dies ist jedoch schwieriger als gedacht. Das Wasser schießt nun förmlich von der Nebenstraße auf die Kreuzung und macht das Lenken unmöglich. Deutlich höher als die Motorradstiefel ist das Wasser nun schon. Zum Glück unterstützen mich zwei Anwohner und später auch Daniel dabei, meine Tenere auf die andere Seite der Straße zu bekommen. Es ist kaum möglich den Lenker gerade zu halten, so stark drück das Wasser gegen das Vorderrad. Ich bin froh, dass mich die Wassermassen nicht komplett zur Seite drücken. Geschafft! Mit vereinten Kräften bringen wir nun Bike für Bike auf den „trockenen“ Fußweg. Alle Bikes sind in Ordnung und niemand ist zu Schaden gekommen. Nachdem wir später im Internet einige Videos sehen, in denen unter anderem Autos und sogar Busse von den Wassermassen weggeschwemmt werden, merken wir wie viel Glück wir in dieser Situation hatten. Erst recht als wir später erfahren, dass in der Stadt ein Jugendlicher von der Strömung mitgerissen wurde und verstarb.

„Arroyos“ wird das Problem mit den Wassermassen genannt und dieses ist auf ein schlechtes bzw. fehlendes Abwassersystem zurückzuführen. Jedes Jahr in der Regenzeit wird durch die Niederschläge die gesamte Stadt lahmgelegt. Das war es wohl, was der Taxifahrer mir versucht hat zu erklären.

Wir bleiben einen Tag länger als geplant, um unsere Sachen zu trocknen. Daniel und Joey brechen trotzdem auf, kommen aber nach ein paar Stunden wieder, da sie nicht aus der Stadt herauskommen. Das Verkehrschaos und die lateinamerikanische Art Probleme zu lösen, machen eine Abreise selbst mit Motorrädern unmöglich, da sich Autos auch in die kleinste Lücke zwängen und glauben so schneller voranzukommen.

Wir brechen am nächsten Morgen nach Minca auf. Hier hoffen wir auf eine Abkühlung, denn in Küstennähe auf Meereshöhe wird es uns langsam zu warm. Da kommt uns das ein wenig höher gelegene Örtchen gerade recht. Da es auch hier leider nicht sonderlich kühler ist, brechen Joey und Daniel am nächsten Tag wieder auf und versuchen im Süden noch weiter an Höhe zu gewinnen. Wir hingegen erkunden mit Less und Catharine die Gegend, besuchen einen Wasserfall, trinken in einer „alternativen“ Kaffeestube Tee und Kaffee, und beobachten dabei Kolibris. Den Rest des Tages lassen wir entspannt in der Hängematte ausklingen.


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666 teuflisch gute Tage

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Panama

16.06. – 25.06.2015

Es ist wieder einmal so weit, es ist Zeit für ein neues Land und unseren zehnten Grenzübergang. Panama wir kommen.
An der Grenze läuft es wie immer. Wir brauchen gute zwei Stunden um unsere Papiere abstempeln und die Teneres mit Pestiziden besprühen zu lassen. Da uns die Hitze in den letzten Wochen zugesetzt hat, sind wir froh, dass wir ein kleines Hostal in Boquete gefunden haben, welches rund 1000m über dem Meeresspiegel liegt und somit für eine Abkühlung sorgt.

Hier treffen wir auch auf Tobi aus Luckenwalde. Er ist in Panama, Nicaragua und anderen Kaffee-Ländern unterwegs um seine leidenschaftliche Verbindung zu Kaffee zu intensivieren. Wenn wir uns mit ihm über Kaffee unterhalten, sprüht das Interesse für dieses Gewächs auch auf uns über. Und dies obwohl wir beide keine „großen“ Kaffeetrinker sind. In seinem Blog „Mit dem Kaffeestrauch per Du“ (http://tobisguterkaffee.blogspot.com) schreibt er über seine hier gemachten Erfahrungen.

Am nächsten Tag lernen wir zwei weitere Deutsche kennen, es sind Stella und Andi (http://travelling.healthyfish.de), die mit dem Rucksack die Welt bereisen und auf der Suche nach seltenen Tieren sind. Ebenso wie mit Tobi verstehen wir uns auf Anhieb sehr gut und können Stunden lang über unsere Reiseeindrücke reden und austauschen.
Neben einer kleinen Wanderung in eine nahegelegene Kaffee-Plantage nutzen wir die verbleibende Zeit um einige Sachen zu reparieren. Der Verschleiß an Reißverschlüssen und anderen Gegenständen macht sich langsam bemerkbar. Nichts ist für die Ewigkeit.

Viele Kilometer wollten wir eigentlich am nächsten Tag zurücklegen, aber eine rund 200km lange Baustelle mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf meistens 30km/h, ist da alles andere als hilfreich. Bei dem Tempo würde man rund 6 Stunden und 40 Minuten für die Strecke brauchen. Zum Glück hält sich so gut wie niemand an die Geschwindigkeitsbegrenzung und so kommen wir noch relativ flott voran. Bei den oftmals verschmutzten Fahrbahnen ist jedoch besondere Vorsicht geboten. Gerade dann wenn wir von einer Spur auf die andere wechseln müssen. Aber als wäre die Baustelle nicht schon genug, schaffen wir es selbst uns gute zwei Stunden unsinnig auszubremsen.
Bei einem Tankstopp betanken wir unsere Teneres selbst, was in Zentral- und Südamerika eher unüblich ist, da es hierfür meist Personal an den Tankstellen gibt. Der Tankwart hier scheint aber schwer beschäftigt und wir haben es eilig, sodass wir das Tanken, wie in Deutschland üblich, selbst in die Hand nehmen. Was sich aber als folge schwerer Fahler herausstellt.

Nachdem ich mit dem Betanken meiner Maschine fertig bin, kommt der Tankwart zu uns herüber und meint es wäre Diesel. Schade, dass ich mein Gesicht in diesem Augenblick nicht sehen konnte. Das ist ein schlechter Scherz. Auf der Zapfsäule steht eindeutig „Regular“, was hier bisher immer für Normalbenzin stand. Wir wissen immer noch nicht ob wir dem Kerl glauben sollen. Warum kommt der erst jetzt zu uns als wir quasi fertig sind und nicht schon eher, wenn er schon registriert, dass wir Diesel in das Motorrad tanken. Kopfschüttelnd stehen wir da und wollen das Ganze nicht wahr haben. Wir schauen ungläubig die Zapfsäule an und fragen uns: „Sind wir so dumm, oder ist das hier bescheiden ausgeschildert?“ Egal eine Lösung muss her! Eine Angestellte ruft einen Mechaniker an der in „ein paar Minuten“ da sein soll. Ich bin mir aber sicher, dass dieser völlig unvorbereitet hier ankommen wird, was heißt, dass er keine Pumpe zum Absaugen des Diesels dabei haben wird. Und so war es dann auch.

Wir schicken den „Mechaniker“ wieder weg und kümmern uns selbst. Zum Glück haben wir einen Schlauch und können den Diesel in einen großen Kanister abfüllen, den wir ein einem Geschäft neben der Tankstelle erstanden haben. Da wir uns aber nicht sicher sind, wie viel Diesel am Boden des Tanks übriggeblieben ist und wir nicht abschätzen können was ein Benzin-Diesel-Gemisch dem Motor oder der Einspritzung antun kann, entscheiden wir uns den kompletten Tank zu demontieren, um auch den verbleibenden Diesel zu entfernen. Das Risiko für einen Defekt ist uns einfach zu groß, zumal in einigen Tagen auch noch ein Flugzeug und später die Überfahrt nach Kolumbien mit der Stahlratte auf uns warten. Nach gut zweieinhalb Stunden können wir beruhigt weiterfahren. Auf der einen Seite sind wir froh, dass dem Bike nichts passiert ist. Auf der anderen Seite ärgern wir uns über die verlorene Zeit und den Aufwand. Aber so lange es bei solchen „Lappalien“ bleibt, sollten wir wohl eher froh sein, dass sie so glimpflich ausgehen. Wir möchten uns gar nicht vorzustellen was passiert wäre, wenn wir beide Bikes vollgetankt hätten und losgefahren wären …

Nach einer Nacht im Hostel machen wir uns nun auf den Weg nach Panama City zu Endy und seiner Familie, die etwas außerhalb der Stadt wohnen und werden dort warmherzig in Empfang genommen. Hier werden wir die nächsten Tage bleiben und die Stadt erkunden. Der eigentliche Plan war es hier zwei bis drei Tage zu bleiben um ein Gefühl für dir Stadt zu bekommen und später ein Hostel in der Nähe des Flughafen zu finden, aber schnell wird uns angeboten hier zu bleiben. Sogar die Bikes können wir während der Zeit in Kuba hier stehen lassen. Das ist für uns eine enorme Erleichterung.

Im Laufe der Zeit lernen wir auch noch einige andere Familienmitglieder, wie Endys Schwester kennen, die gleich um die Ecke wohnt. Bei einer Sightseeing-Tour mit Endy erkunden wir die Stadt, dabei darf der weltbekannte Panamakanal natürlich nicht fehlen. Wir haben Glück und können ohne lange warten zu müssen an den Miraflores-Schleusen die zentimetergenaue Durchfahrt einiger großer Frachter beobachten. Es ist wirklich sehr beeindruckend wie diese Riesen durch die enge Passage durchgeschleust werden.
Panama-Stadt ist ein international bedeutendes Banken-Zentrum. Das sieht man auch an der beeindruckenden Skyline, die man in anderen zentralamerikanischen Ländern nicht annähernd findet. 104 überwiegend internationale Banken haben ihren Sitz in Panama-Stadt oder haben dort eine Niederlassung. In kaum einem anderen Ort der Welt gibt es mehr Bankfilialen. Neben dem modernen Erscheinungsbild, gibt es auch noch einen älteren Stadtteil. Casco Viejo ist das alte Viertel der Stadt mit Kolonialbauten, verschiedenen Kirchen und dem Präsidentenpalast. Auch hier führt uns unser Gastgeber herum und hält viele interessante Informationen zu den Gebäuden und Plätzen für uns bereit.
Nachdem der Versuch meine Kamera in Guatemala reinigen zu lassen nicht klappte, bin ich froh hier endlich einen Canon-Store gefunden zu haben, der dies dann endlich, wenn auch zu einem stolzen Preis, zu meiner Zufriedenheit bewerkstelligen kann. Endlich ist die Zeit der dunklen Punkte im blauen Himmel zu Ende.

Auch die Zeit mit Endy und Marisol neigt sich vorerst dem Ende zu. Morgen geht unser Flug nach Kuba. Von Endy perfekt instruiert finden wir im Wirrwarr der vielen Busse unseren Weg zum Flughafen und starten zu einer Reise in der Reise.

 

Kuba

08.07 – 17.07.2015

Nach dem Stress am Flughafen in Kuba, werden wir in Panama-Stadt nach der Angabe der Adresse unserer Gastgeber ohne weitere Nachfragen durchgewunken und brauchen uns keine Gedanken mehr zu den absurden Vorstellungen/Vorgaben der Fluggesellschaft machen. Puhhh! Man hört ja öfters mal von solchen Storys, aber man zweifelt dann schon ein wenig über so viel Schwachsinn. Bis man eines besseren belehrt wird.

Die verbleibende Zeit in Panama nutzen wir wieder einmal für organisatorische Dinge (Datensicherung, Paket in die Heimat (auf dieses wurden übrigens 38US$ in 30 Cent-Briefmarken geklebt), …) und bereiten uns auf die Überfahrt von Panama nach Kolumbien vor.

Am Wochenende besuchen wir auch die Oma von Endy auf dem Land, weit außerhalb von Panama-Stadt. Marisol und ihre Geschwister treffen sich mit ihrer Mutter fast jedes Wochenende hier und entfliehen so dem Trubel der Stadt. Das Grundstück ist fast wie ein kleiner Bauernhof und wir ernten dort Mangos und Yuca (Maniok), die wir auch gleich zum Mittagessen verputzen.

Nach einem leckeren Frühstück bei Endys Schwester Milena geht unsere Reise weiter und wir machen uns auf den hügeligen Weg zur Atlantikküste Panamas. Denn dort wartet die Stahlratte auf uns.


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