666 teuflisch gute Tage

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Sequoia Nationalpark

Alt wie ein Baum

(18. – 22.10.)

Nach einer besonders abwechslungsreichen Fahrt aus dem Death Valley mit dem Auf und Ab über die Berge, gelangen wir zu einer Straße, die für uns bisher zu den schönsten Fahrerlebnissen dieser Reise gehört. Aus unserer Sicht können weder die Going-to-the-Sun Road noch der Beartooth Pass diesem Erlebnis das Wasser reichen. Zu erst geht es bergauf, links und rechts säumen Joshua-Trees die Landschaft und zahlreiche Kurven lassen keine Langeweile aufkommen. Die Kurven sind meist einsichtig und lassen sich somit entspannt fahren. Nach einigen Kilometern wechselt die Vegetation, Bäume stehen dichter und bilden zunehmend einen Wald. Jetzt befinden wir uns im Sequoia National Forest, wo wir auch unser Nachtlager unter einigen großen Bäumen aufschlagen. Durch die Bergauffahrt haben wir ordentlich Höhe gewonnen, was aber gleichzeitig ein Sinken der Temperaturen (vor allem in der Nacht) zu Folge hat. Deshalb brauchen wir am Morgen auch einige Zeit bis wir in die Gänge kommen. Wie wechselwarme Tiere versuchen wir in den Morgenstunden unsere Körper mit der aufsteigenden Sonne und heißen Tee auf Temperatur zu bringen. Die bereits am Vortag so schön zu fahrende Strecke setzt sich fort und die Vegetation wechselt abermals. Je weiter wir nun bergab fahren umso wärmer wird es und Kakteen und kleine Palmen zieren nun unseren Weg. Sowohl die Straßenführung als auch die Landschaft rings um diese Straße lassen mich die Votings zu amerikanischen Traumstrassen hinterfragen.
Das hier ist zumindest meine Nummer 1 auf der bisherigen Reise.

Unterwegs kommen wir auch am “Trail of 100 Giants” vorbei und bekommen einen ersten Vorgeschmack auf die teilweise deutlich über 1.000 Jahre alten Bäume. Zum ersten Mal stehe ich vor diesen Riesen und ich hätte beim besten Willen nicht gedacht, dass ich soviel Ehrfurcht vor einer Pflanze haben kann. Der Trail umfasst auch einige umgestürzte Exemplare. Bei diesen kann man die Ausmaße nun aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Nach einigen weiteren Kilometern auf den Bikes befinden wir uns vor den Toren des Sequoia Nationalparks. Da es aber schon zu spät geworden ist, suchen wir in der Nähe nach einem Schlafplatz, was sich schwieriger herausstellt als gedacht. Im Vorbeifahren sehe ich sie plötzlich: Schwarz Rot Gold, die Farben der Deutschen Flagge. Schnell drehen wir um und schauen uns das Schild näher an. Die Namen Lea und Jeff, sowie die Deutsche als auch die Amerikanische Flagge sind darauf zu sehen. Wir klingeln und fragen nach, ob wir unser Zelt auf dem Grundstück aufbauen können. Wie selbstverständlich lässt uns Lea herein und bietet uns einen Platz in ihrem Garten an. Sie selbst kommt aus Deutschland und hat dort auch Jeff kennengelernt, der wiederum aus den USA stammt. Ihre gemeinsame Zukunft planen die Beiden nun in den USA, wo sie sich unweit des Sequoia Nationalparks einen schönen Fleck zum Leben ausgesucht haben. Bevor wir unser Zelt aufbauen, hat Lea eine andere Idee und fragt uns, ob wir nicht mit freier Sicht in den Himmel auf einem Luftbett schlafen wollen. Die Idee klingt verlockend, denn zum einen müssen wir unser Zelt nicht aufbauen und zum anderen ist dies ein Erlebnis, was wir so auf unserer Reise noch nicht hatten. Ein wenig Bedenken haben wir jedoch wegen der kalten Nacht am Tag zuvor und der Tarantel, die wir unterwegs gesehen haben. Aber Lea räumt unsere Bedenken aus und so kommen wir in den Genuss einer Nacht unter freiem Himmel, ganz ohne Zelt.

Nach dem Frühstück mit Jeff fahren wir wieder zum Sequoia Nationalpark. Plötzlich bleibt Ulli, direkt hinter einer Kurve, mit ihrer Tenere stehen und ich denke sie will ein Foto mit den großen Bäumen und den Bikes machen, aber leider ist das nicht der Fall. Ihr Kupplungszug ist gerissen und somit kann sie nicht mehr schalten. Zum Glück ist nichts passiert, das hätte auch anders ausgehen können. Aber dank der detaillierten Informationen von Thorsten Haberkamm, dem Inhaber der OTR-Performance GmbH, sind wir auch auf diesen Fall bestens vorbereitet und zaubern einen Ersatzkupplungszug aus unserem Ersatzteil-Reservoir. Für die Reparatur sichern wir unsere “Baustelle” vorbildlich ab, da einige Fahrzeuge gelegentlich mit hoher Geschwindigkeit um die Kurve kommen. Die große Packtasche und unsere Warnwesten machen die Gefahrenstelle aber weithin sichtbar. Nach circa 50min ist es dann geschafft und Ullis Tenere schaltet wieder und wir fahren weiter zum 2050m hohen Moro Rock. Von diesem domförmigen Felsen haben wir einen interessanten Rundblick über den Wald, die Täler und auf die Hochgebirgskette im Osten. Weiter geht es zu einem der Highlights dieses Nationalparks, dem “General Sherman Tree”. Er ist angeblich der größte lebende Baum der Erde und zählt zu den Berg- oder Riesenmammutbäumen (Sequoiadendron giganteum). Sein Alter wird auf 1900 bis 2500 Jahre geschätzt. 83,8m Höhe, ein Umfang von 31,12m sowie ein Volumen von 1486,9 Kubikmeter sind die Kerndaten dieses Giganten. Leider ist auch hier wieder alles touristisch erschlossen und der kleine Zaun um den majestätischen Riesen verhindert, dass dieser seine volle Wirkung auf uns entfalten kann. Sicherlich ist dieser Schutz von Nöten, aber schön anzusehen ist er deswegen trotzdem noch nicht. Aus diesem Grund gefallen mir die Sequoias in ihrer natürlichen Umgebung deutlich besser und wirken trotz weniger Masse imposanter auf mich.

Wir verlassen den Nationalpark um einen Zeltplatz im angrenzenden “National Forest” zu finden, denn dort kostet das Campen im Wald nichts. Auch dieser Platz ist relativ hoch, sodass wir am Morgen wieder etwas Zeit brauchen um warm zu werden. In der Nacht war es deutlich unter 0ºC. Nachdem wir wieder auf Betriebstemperatur sind geht es weiter zum zweitgrößten Baum der Erde, dem “General Grant Tree”. Abends fällt es uns nicht leicht einen gescheiten Übernachtungsplatz zu finden, da die Besiedlung immer mehr zunimmt. Abermals fragen wir, ob wir bei jemandem im Garten übernachten können und obwohl wir etwas argwöhnisch begutachtet werden, haben wir wie schon so oft Glück und können dort unser Zelt aufschlagen.

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Death Valley

Am Tiefpunkt angelangt

(16. – 18.10.)

Die 140mi zwischen Las Vegas und Death Valley schaffen wir relativ zügig. Die Landschaft ist nicht gerade sonderlich spannend. Hin und wieder jedoch sehen wir Militärgelände mit gepanzerten Fahrzeugen und Flugzeugen. Auf einer Armeebasis sehen wir sogar Drohnen starten und landen. Ein weit sichtbares Gefängnis rundet die “Highlights” dieser Strecke ab. Warnschilder, keine Anhalter mitzunehmen, erinnern uns an die aus Filmen bekannten Menschen, die in orangenen Overalls an den Straßen Müll aufsammeln.

Kurz bevor wir in den Death-Valley Nationalpark fahren, suchen wir nach einen guten Platz für die Nacht und finden eine scheinbar verlassene Baustelle. Es macht den Anschein, dass man hier eine kleine Siedlung errichten wollte. Die Straßen und einige Fundamente sind bereits gebaut, aber der Zahn der Zeit hat bereits an ihnen genagt. Hinter einer Ansammlung von Sträuchern und hohem Gras schlagen wir unser Lager auf, so kann man uns von der Straße aus nicht sehen. Am nächsten Morgen, sehen wir, dass weitere Reisende diesen Platz für die Übernachtung auserkoren haben. Ein großer Camper und ein Jeep haben sich zu uns gesellt. Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und machen uns auf zum “Tal des Todes”. Diese besonders trockene Region in der Mojave-Wüste ist ebenfalls aus vielen Filmen (vor allem aus Western) bekannt. Hier wurden Temperaturen von über 56°C gemessen und selbst in der Nacht bleibt es an einigen Tagen manchmal noch über 41°C. Dies liegt daran, dass die Region von mehreren Gebirgen umschlossen ist und somit eine Zirkulation der Luftmassen kaum stattfindet. Eine weitere Besonderheit dieser Region ist, dass einige Orte deutlich unterhalb des Meeresspiegels liegen.

Im Nationalpark angekommen, suchen wir als erstes nach einem günstigen Campingplatz und bauen unser Zelt auf. Obwohl die Vegetation hier sehr karg ist, haben wir einen Platz mit einem Baum, der uns zumindest in den Morgenstunden etwas Schatten spendet. Nachdem alle Sachen verstaut und die Bikes von ihren Lasten befreit sind, machen wir uns auf zu unserer ersten Tour in dieser unwirtlichen Gegend. Auf dem Weg zum Campingplatz haben wir bereits einige interessante Punkte wie den Zabriskie Point gesehen. Nun geht es zum Dante’s View, der mit 1669m Höhe einen hervorragenden Aussichtspunkt darstellt. Von hier aus kann man gut den ausgetrockneten Salzsee erkennen. Auf dem Rückweg fahren wir durch den 20-Mule-Team-Canyon, der schon fast an eine Mondlandschaft erinnert. Weiter geht es zum Badwater Basin, das mit 85,5 Metern unter Meeresniveau den tiefsten Punkt der USA und somit auch unseren bisherigen Tiefpunkt der Reise darstellt. Hier kann man die verkrustete Salzschicht begehen und näher unter die Lupe nehmen. Von einer Wanderung nach den frühen Morgenstunden wird hier abgeraten, da die Temperaturen im Sommer schnell zum Dehydrieren führen können. Im Anschluss schauen wir uns noch den Devil’s Golf Course an, der seinen Namen sicherlich alle Ehre machen würde, wenn hier jemand Golf spielen müsste. Die Erdkruste ist hier auf einer weiten Fläche aufgebrochen und macht so ein Golfspiel nahezu unmöglich. Selbst eine Wanderung würde hier keinen Spaß machen, da man permanent Gefahr läuft sich an den salzverkrusteten Erdplatten zu verletzen. Abschließend machen wir noch einen Stopp beim Artist’s Palette, ein Ort der für seine vielfarbigen Gesteinsformationen bekannt ist, die wie eine Mischpalette für Maler aussehen.

Am Zelt angekommen machen wir uns ein schmackhaftes Abendessen und lassen den Tag Revue passieren. Wenig später gesellt sich auch unser Fast-Zeltnachbar Chris Michael zu uns, der mit seiner alten BMW von New York nach San Francisco unterwegs ist.
Für ihn ist dieser Trip aber auch ein klein wenig Arbeit, denn auf dem Weg führt er Interviews mit Menschen, die ohne Vater aufgewachsen sind, da diese Selbstmord begangen haben. Auf seiner Website www.fatherlessbysuicide.com berichtet er über seine eigenen Erfahrungen und die Interviews (erst später fällt mir auf, dass wir alle drei recht jung und ohne Väter sind). Da San Francisco auch eines unserer Ziele auf der Reise ist, gibt uns Chris auch noch viele Tipps für diese Stadt. Nach dem Aufstehen machen wir uns zeitig auf den Weg zum Golden Canyon damit uns die Hitze bei der Wanderung nicht all zu sehr zu schaffen macht. Nach diesem Ausflug kehren wir zum Zelt zurück, bauen das Zelt ab und machen uns auf den Weg zu den Baumriesen im Sequoia Nationalpark.

 


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Acht Monate Krad-Wanderer

8 Monate auf Reise
8 Monate auf den Teneres
8 Monate Neues erleben
8 Monate mit neuen Freunden
8 Monate und 26.000km

Und hoffentlich noch viele Weitere …


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Zurück in der USA

11. bis 23. August

Bevor es meinen Haaren zu Leibe geht, gibt es noch ein leckeres Frühstück. Sharlene, die Tochter von Jen und Gerald hatte uns freundlicherweise dazu eingeladen. Nach der Stärkung und der thermischen Optimierung meines Hauptes geht die Reise weiter. Die Grenze zur USA rückt immer näher und so heißt es für uns die letzten kanadischen Dollar zu entsorgen. Wir investieren das letzte kanadische Geld in Kalorien. Wir steuern Tim Horton’s, eine uns seit White Horse sehr bekannte Donut-Kette, an und vertilgen so viele leckere Kalorienbomben, wie wir für 10 Dollar bekommen können.

Die Grenze (Chief Mountain Border) passieren wir abermals ohne Komplikationen, und dies obwohl wir jedes Mal befürchten, dass wir mit der Einfuhr der Motorräder Probleme bekommen oder unser gesamtes Gepäck auspacken können. Diese Zeiten werden sicherlich noch kommen.

Nun aber fahren wir durch den zweiten US-amerikanischen Staat auf unserer Reise: Montana. Auf der Suche nach einem Platz für unser Zelt werden wir am St. Mary Lake, einem See vor den Toren des Glacier Nationalparks, fündig. Bevor wir jedoch das Zelt aufbauen genießen wir die Sonne und das kühle Nass. Ab und zu gesellen sich auch andere Badegäste dazu und genießen diesen schönen Abschnitt. Irgendwann kommt auch eine kleine Familie mit 4 Kindern vorbei. Ab diesem Zeitpunkt ist es Schluss mit dem Entspannen. Wenig später gesellt sich auch noch der Vater der Familie hinzu. Als wir ins Gespräch kommen, stellt sich heraus, dass sie Blackfeet Indians (Schwarzfußindianer) sind und wir uns in einem Teil ihres Reservates befinden. Um genauer zu sein, dieser Strandabschnitt gehört ihnen.  Dennoch lassen sie uns an diesem Platz campen, was uns sehr freut, da wir bisher oft gehört haben, dass Indianer den Weißen nicht so gut gesonnen sind und dies vor allem in den Reservaten. Er zeigt uns 5Meter neben unserem Zelt noch einen Baumstamm, den wir vorher noch nicht wahrgenommen haben: ein Grizzly Bär hat hier vor einiger Zeit tiefe Kratzspuren hinterlassen. Ob wir wohl hier ruhig schlafen können?

Am darauf folgenden Morgen brechen wir zeitig zum Glacier National Park auf. Dort befindet sich auch die recht bekannte „Going-to-the-Sun-Road“, diese wurde in der Motorradfahrerszene auf Platz 6 der schönsten Straßen Amerikas gewählt. Die Landschaft, die wir auf dieser Straße durchfahren ist zwar sehr schön, der touristische Verkehr nimmt dieser Strecke jedoch jeden Reiz. Wenn dies bereits Platz 6 auf der Rangliste der schönsten Motorradstraßen Amerikas ist, sind wir auf Platz 1, den Beartooth Pass gespannt, den wir einige Wochen später befahren wollen.  Da wir uns lieber fern ab der Touristenmassen bewegen, haben wir uns für den ersten Tag eine Wanderung im nordöstlichen Teil des Parks vorgenommen. Ziele dieser circa 20km langen Wanderung waren der Bowman Lake und Quartz Lake. Zuvor durften wir uns aber einer besonders staubigen und unwegigen Schotterpiste widmen, um zum Ausgangspunkt des Wanderweges zu gelangen. Gut, dass wir den Großteil unseres Gepäcks beim Zelt gelassen haben. Nicht so gut war es, dass wir lediglich eine Flasche Wasser mitgenommen haben – klassischer Kommunikationsfehler, passiert uns sicherlich nicht mehr so schnell wieder. Trotz des Wassermangels, konnten wir die überaus reizvolle Landschaft genießen und wurden nach mehrstündiger Wanderung mit einem Bad im Bowman Lake verwöhnt – ein schöner Bergsee, den wir für uns allein hatten.  Und obwohl wir uns immer noch in Bärenland befinden, sehen wir an diesem Tag keinen Vertreter von Meister Petz.

Am folgenden Tag (14.08.) fahren wir die „Going-to-the-Sun-Road“ zurück, aber auch dieses Mal ist nicht weniger Verkehr auf dieser so oft gepriesenen Straße. In der Nähe eines Flusses, kurz vor dem Zugang zum National Park, schlagen wir unser Nachtlager auf, damit wir es am Morgen nicht weit zum Ausgangspunkt der nächsten Wanderung haben. Die Wanderung führt uns dieses Mal nicht all zu lange durch den Wald, sodass wir die um uns liegende Berglandschaft noch besser genießen können. Aber auch die Waldstückchen bereiten uns hin und wieder Freude, besonders dann, wenn unerwartet hinter der nächsten Abbiegung ein Moose (Elch) auf uns wartet und sich fotografieren lässt. Als wir nach circa 8 km zum Ziel dieses Weges kommen, verändert sich die Landschaft stark. Plötzlich stehen wir vor einer prächtig blühenden Wiese mit einem gigantischen Felspanorama im Hintergrund. Aber dies ist noch nicht das Ziel. Ein paar-hundert Meter weiter erreichen wir den Iceberg Lake und staunen nicht schlecht über die dicken Eisschollen auf dem See. Für ein Erinnerungsfoto trauen wir uns dann auch noch in das eiskalte Wasser. Dann heißt es aber schnell den 8 km langen Rückweg anzutreten, da ein Gewitter aufzieht und es schon anfängt zu tröpfeln. Gut, dass wir doch noch die Regenjacken eingepackt hatten, denn am Morgen sah es nach perfekten Sonnenschein aus. Wir laufen die 8 Kilometer in etwas mehr als einer Stunde in strömendem Regen zurück. Nachdem wir zurück an den Motorrädern sind, machen wir uns auf den Weg zum südlichen Teil des Glacier National Parks. Auch hier finden wir einen Übernachtungsplatz kurz vor dem Eingang des National Parks. Dieser Platz hat es aber in sich. Die Zufahrt ist relativ steil und matschig. So entscheiden wir uns die Teneres  auf halber Strecke stehen zu lassen, um morgens nicht direkt im Schlamm zu landen. Mit einem kleinen Hike um den Medicine Lake verabschieden wir uns vom Glacier National Park und setzen unsere Fahrt ins Landesinnere fort. Jetzt kommen wir eigentlich das erste Mal mit der eigentlich für Montana typischen Landschaft in Berührung. Ein freier Blick bis an den Horizont, und dieser scheint hier weiter weg zu liegen, als jemals zuvor. Nicht umsonst wird dieser Bundesstaat „Big Sky Country“ genannt. Diese Bezeichnung trifft perfekt zu und wir fragen uns, ob wir jemals einen solchen Fernblick erlebt haben. Nichtsdestotrotz mussten wir auch an diesem Abend einen Schlafplatz finden. Aber hier hatte sich einiges geändert. Kein Wald war mehr in Sicht und jedes Fleckchen Land entlang der oftmals endlos gerade aus laufenden Straße war eingezäunt. Nachdem wir das kleine Städtchen Chateau passiert hatten, blieb uns somit nichts anderes übrig als wieder einmal nachzufragen, ob wir unser Zelt auf dem Grundstück der dort lebenden Menschen aufbauen können. Fast schon wie zielgerichtet fällt unsere Wahl, dennoch völlig zufällig, auf das dritte Haus in einer Einfahrt abseits der Straße. Dort treffen wir auf Babara, die uns freundlich einen Platz auf ihrem Grundstück anbietet und uns zu einer kleinen Erfrischung einlädt. Wir genießen einen kühlen Eistee und Salatsuppe mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Am folgenden Morgen treffen wir auch noch ihren Mann, der wie am Abend zuvor wieder die Ernte einholen muss. Nach einem ausgiebigen Frühstück wollen wir eigentlich aufbrechen, vertiefen uns aber so sehr in Gespräche, dass es fast schon Nachmittag ist, bevor wir Babara verlassen. Sie kontaktiert auch noch unseren nächsten Kontakt in Bozeman und gibt ihnen Bescheid, dass wir auf dem Weg zu ihnen sind. Auf dem Weg dahin gingen wir auch noch einem Tipp von Barbara nach und besuchten Wheat Montana Bakery – Mann, waren die Teilchen lecker.

-= Wir hoffen, dass ihr euch auch mal persönlich getroffen habt. =-

In Bozeman, einer Stadt mit circa 37.000 Einwohnern, besuchen wir Cindy und Rollie. Die beiden trafen wir am Anfang unserer Reise in Anchorage bei Gail und Tim. Wie sich später herausstellte, haben wir die beide nur knapp in Fairbanks verpasst. In Bozeman selbst versorgen wir uns, dank des AAA, dem amerikanischen ADAC, mit aktuellen Landkarten unserer kommenden Ziele, statten die Bikes mit zusätzlichen Taschen aus, welche wir am Schutzrahmen anbringen und spendieren den Bikes mal wieder eine Handwäsche. Dank Rollie, der im örtlichen Museum als Gärtner in einer antiken Farm als Volunteer tätig ist, kommen wir auch noch in den Genuss eines kostenfreien Museumbesuches. Dort schmiedete uns Ron, ein pensionierter Professor der theoretischen Physik, einen eisernen Haken. Aber auch viele organisatorische Dinge erledigen wir an diesen Tagen. Darunter zählt zum Beispiel: Fotos sichern, Blog schreiben, Wäsche waschen, E-Mails beantworten und die Erlebnisse der letzten Wochen verarbeiten.

Nach einem Besuch der örtlichen Brauerei und einem ausgiebigen Test der verschiedenen Biersorten  treffen wir am Mittwochabend Freunde von Cindy und Rollie aus der Episkopalkirche und halten dort einen kleinen Vortrag über unsere bisherige Reise. Dank des Dauerregens am Samstag bleiben wir noch einen Tag länger bei den beiden und sind somit fast eine ganze Woche in Bozeman, was uns ausgesprochen gut tut. Der Sonntag (24.08.) ist trocken und wir brechen auf in Richtung Yellowstone. Verwundert erblicken wir Schnee auf den Bergspitzen in der Ferne und hoffen, dass wir nicht davon betroffen sind.

 

 


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Dalton Highway

Am Sonntag den 22.06. kommen wir in Fairbanks an. Es ist der Tag nach der Mittsommernacht und die Einwohner von Fairbanks feiern dies mit einem kleinen Festival zu dem wir uns gerne dazugesellen. Bei brütender Hitze schlendern wir durch die vollen Straßen und genehmigen uns ein Rentiersteak und einen Büffel-Rentier-Jalapeno-Zwiebel-Käse-Hotdog. Zum Nachtisch gibt es eine „Medium“ Portion Popcorn direkt aus der Tonne, gerührt von einem dicken Amerikaner, dem die schweißtreibende Arbeit offensichtlich zu schaffen macht. Die Portion war dann allerdings doch größer als unsere abtrainierten Mägen zu sich nehmen konnten.
Außerhalb der Stadt finden wir an einer Radarstation auf einem Berg einen gemütlichen, aber vielleicht auch etwas verstrahlten Stellplatz für unser Zelt. Am nächsten Morgen fahren wir wieder nach Fairbanks rein, um unser Lebensmitteldepot aufzufüllen. Zur besonderen Freude von Stephan geht es danach zum Mayflower Buffet. Dort gibt es für ca. 7,50 EUR ein „All You canEat“ Buffet mit asiatischer und amerikanischer Küche. Von Suppe über Frühlingsrollen, Gemüse, Pommes, Fleisch, Salat, Obst, Kuchen und Eiscreme ist alles dabei. Das ist für uns die Gelegenheit nochmal richtig reinzuhauen, denn sonst gibt es meistens nur Campingfood und das nicht allzu üppig.

Frisch gestärkt machen wir uns auf dem Weg zum Dalton Highway. Diese 414 Meilen lange Schotterpiste führt bis an den Arktischen Ozean nach Deadhorse / Prudhoe Bay. Wir hatten von vornherein nicht geplant bis ganz zum Ende zu fahren, sondern wollten mindestens den Arctic Circle (nördl. Wendekreis) erreichen. Der Dalton Highway ist die Lebensader für die großen Companies, welche am Arktischen Ozean Öl fördern. Auf der Piste trifft man daher eigentlich nur die großen Trucks, Fahrzeuge für Straßenpflege und einige Touristen mit Camper, Motorrad oder gar Fahrrad. Dreisterweise gewähren die Ölfirmen nur Zugang zum Ozean, wenn man ihnen 59 USD für eine Tour in den Rachen schmeißt. Anderweitig kann man nicht zum Wasser gelangen. Auf solche Art Events verzichten wir gerne und somit lohnt es sich für uns noch weniger die komplette Strecke zu fahren.

Wir fahren im Sonnenschein auf trockener Piste. Nach einer Zeit kommt man so richtig in den Fahrfluss, sodass es immer mehr Spaß macht und man irgendwann einfach nur ein dickes Grinsen im Gesicht hat. Dies macht sich auch beim Spritverbrauch bemerkbar. Denn wenn keine lästigen Ampeln, Dörfer oder dergleichen die Fahrt unterbrechen, sinkt auch der Verbrauch. Wir erreichen somit eine Reichweite von deutlich über 500km mit nur einer Tankfüllung. Am frühen Abend erreichen wir den Yukon River, einen Fluß den man bisher nur von Abenteuergeschichten kennt. Es ist schön ihn einmal in Echt zu sehen und auch unsere schwitzigen Füße freuen sich über Wasserkontakt. Der Apfelmus schmeckt dann am Fluss in der Abendsonne doppelt so gut. Auch am nächsten Tag sind wir mit Sonne gesegnet und fahren weitere 140 Meilen auf der Piste durch die sich immer verändernde Landschaft. Wir fahren durch borealen Nadelwald und an einigen Stellen sind die Spuren vergangener Waldbrände deutlich zu erkennen: schwarze Baumstümpfe ragen geisterhaft empor, während von unten bereits neues Leben nachwächst. Dieser Vorgang wiederholt sich alle 70-200 Jahre und ist ein natürlicher Kreislauf. Später bekommen wir den Weitblick über das einzigartige Gelände der Tundra. Immer wieder sehen wir die Alaska Pipeline, welche das Öl vom Arktischen Ozean bis runter an den Golf von Alaska nach Valdez transportiert. Die Pipeline ist 800 Meilen lang, hat einen Durchmesser von 48 Zoll und der Ölfluss wird von 11 aktiven Pumpstationen gewährleistet. Die Baukosten beliefen sich im Jahre 1977 auf 8 Millarden USD und die Fertigstellungszeit betrug ca. 26 Monate. Das Öl für unseren nächsten Motorölwechsel kommt uns vielleicht gerade entgegen.

Wir fahren bis zum Sukakpak Mountain, Milepost 207 des Dalton Highway, und finden einen schönen Platz für unser Zelt am Fuße eines großen felsigen Berges. Zum Kochen gehen wir an den Fluß. Zum einen gibt es dort weniger Mücken und zum anderen sollte man Zeltplatz, Kochstelle und Lebensmittelaufbewahrung stets trennen, um Bären nicht ans Zelt zu locken. Auf diese Regeln achte ich strikt, auch wenn es etwas mehr Arbeit bedeutet und es manchmal nervt. Doch selbst eine Hose mit einem BonBon in der Tasche hat nichts im Zelt zu suchen. Diese strikte Trennung müssen wir noch in Kanada und bis in weite Teile in die USA einhalten. Wir haben darum zwei der Motorradkisten auserkoren, welche alle Lebensmittel sowie Zahnpasta, Öle und alles was Duftstoffe absondert, transportieren. Diese deponieren wir dann vor dem Schlafen gehen ca. 100m vom Zelt entfernt. Immer wieder wurde uns von Einheimischen bestätigt, dass wir so richtig handeln. Gerade auf Campingplätzen gibt es leider immer wieder Deppen, die ihren Nahrungsmittelabfall dort herumliegen lassen. Einmal fanden wir Erdnussschalen in einer Feuerstelle (Nüsse sind eine der Hauptspeisen von Bären). „Camping“ Bären kehren immer wieder zu solchen Stellen zurück, da sie gelernt haben, dass es dort etwas zu holen gibt. Leider weiß man nie, wer was auf einem Campingplatz zuvor gemacht hat. Daher ist es im Hinblick auf Bären unproblematischer wild zu campen.

Zurück zum Highway. Am Tag 3 fahren wir zurück zum Yukon River und bauen uns dort unser Lager mit Tarp-Überdachung für zwei Übernachtungen auf. Wir wollen die Zeit nutzen um zu Schreiben, unseren Kram zu sortieren, Wäsche zu waschen usw…
Am Abend treffen dort weitere Motorradfahrer ein. Wir kommen mit Ed aus Utah und Dena aus Calgary am Lagerfeuer ins Gespräch. Ed ist ein „echter“ Amerikaner: patriotisch und bewaffnet. Lässig steht er mit Cowboyhut am Feuer. Mit seiner schwedischen Axt zerschlägt er umherliegende Äste für das Feuer. Wenn er keine Axt dabei gehabt hätte, hätte er diese sicherlich mit seinen Zähnen durchtrennt. Als Nächstes zeigt er uns seinen Revolver, den er am Gürtel trägt. Ebenso findet sich dort ein Magazin, speziell für Bären und eines für „stopping man“. Aha. Wir stehen in der Nacht unter seinem Schutz: „If a bear comes, let me know, I will shoot him“. Beruhigt kriechen wir später in unsere Schlafsäcke. Die beiden sind sehr nett und wir unterhalten uns über Motorräder, Bären, den 2. Weltkrieg und aktuelle Bedrohungen aus China. Sie sind an einem Tag mit ihrem BMWs von Deadhorse im Schlamm bis hier hergefahren (über 360 Meilen) und freuen sich über die guten Heidenau Reifen (K60 Scout), welche wir selbst auch aufgezogen haben „…these Germans make good stuff…“.

Leider regnet es an unserem Rasttag kontinuierlich von morgens bis abends. Die Mücken werden nicht wie erwartet vom Regen vertrieben und so sitzen wir den ganzen Tag mit dem Mückennetz auf dem Kopf unter dem Tarp. Nichtstun wird abgelöst von Schlafen. Die Straße saugt sich immer weiter mit Wasser voll, die Pfützen werden größer und der Matsch quillt unter unseren Stiefeln hervor. Wir haben nur noch 60 Meilen bis zum Asphalt, doch die versprechen spaßig zu werden. Am nächsten Morgen sind wir um halb neun abfahrbereit und starten mit gemischten Gefühlen in die Schlammschlacht. Es regnet immer noch. Werden wir gut durchkommen oder vor lauter Schlamm nur so über die Piste rutschen? Die braune Gicht, welche die Trucks neben sich versprühen, sieht ebenfalls vielversprechend aus. Die ersten Meter sind etwas krampfig. Wie schnell kann ich in die Kurve fahren ohne zu rutschen? Kommt hinter der nächsten Kurve ein Truck angeschossen? Wir fahren über die Brücke über den Yukon und ich erinnere mich wie schön die Herfahrt war. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die Straße wird dann zum Glück etwas besser und lässt sich nach etwas Gewöhnung doch recht gut bewältigen. Die Truckfahrer sind sehr rücksichtsvoll, gehen vom Gas und machen sogar extra für uns Platz, damit wir nicht zu viel Schlamm abbekommen. Kurz vor Ende der Strecke wird es nochmal spannend, da die Matschschicht tiefer wird. Die Heidenau K60 Scout Reifen machen jedoch einen guten Job und so findet das Vorderrad immer seine Spur. Total verschlammt kommen wir am Anfang vom Highway wieder an. Das Foto vor dem Schild und den verschlammten Maschinen ist ein obligatorisches Muss. Die restlichen 80 Meilen auf asphaltierter Straße nach Fairbanks fahren sich nun spielend leicht. Es hat nun auch aufgehört zu regnen. Das nächste Abenteuer kommt bestimmt.


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Schraubertag III

Am Wochenende hieß es wieder Schrauben

Handprotektoren, Kofferhalterungen und einige kleinere Modifikationen sind an diesem Wochenende dran. Wie schon die letzten Freitage holten wir uns bei OFF-THE-ROAD neben einigen neuen Teilen auch wieder zahlreiche Tipps, die uns den einen oder anderen Umstand auf der Tour erleichtern können.

Dazu zählt zum Beispiel das Anbringen von Teflon-Band unter der Befestigung des Brems- und Kupplungshebels am Lenker, um im Falle eines Sturzes die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs der Komponenten zu verringern.
Denn dank dieser Vorkehrung können sich die Hebel leichter drehen und werden nicht ganz so stark beansprucht. Simpler Trick, der in einem solchen Fall viel Ärger vermeiden kann.

Für zusätzlichen Schutz, besonders bei abwegigem Gelände, sollen Komponenten, wie ein Aluminium-Motorschutz sowie Sturzbügel an den Seiten der Teneres sorgen. Gerade auf Schotter oder unebenen Wegen wird das manövrieren mit den schwerbeladenen Maschinen schwierig und kann selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten zu Stürzen führen. Da aber auch die Straßenverhältnisse allgemein auf einigen Streckenabschnitten Überraschungen für uns bereithalten werden, sind diese Schutzmaßnahmen sicherlich auch in diesen Situationen nicht zu verachten. Ein herzlicher Dank geht deshalb besonders an SW-Motech, die uns die Anbauteile zur Verfügung gestellt haben.

Der Anbau der Komponenten stellte sich als recht einfach heraus. Dabei war wohl der Hauptständer eines der wichtigsten Anbauten. Dieser bietet zwar nicht direkt mehr Schutz, hilft aber ungemein, wenn wir an den Motorrädern schrauben, diese beladen oder warten. Schutz bietet er aber auch, denn durch die bessere Verteilung des Gewichtes im geparkten Zustand, können die Teneres auch bei weicherem Untergrund sicher stehen.

Ein ebenfalls nützliches Accessoir ist das Steel-Rack von SW-Motech, was die Auflagefläche für das Gepäck am Heck deutlich vergrößert und zusätzlich die Befestigung der Taschen erleichtert. Denn gerade am Anfang werden wir dazu neigen, zu viel Gepäck mitzuführen und werden deshalb über jede Möglichkeit froh sein Gepäck unterzubringen.

Und hier ist noch eine kleine Zeitrafferaufnahme vom Anbau des Hauptständers und des Motorschutzes am letzten Wochenende:


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56. Tesch-Travel-Treffen

Vom 2. bis 4. Mai findet das diesjährige Tesch-Travel-Treffen in Malmedy (Belgien) statt. Zum 56. Mal veranstaltet Bernd Tesch das Treffen für Motorrad-Reisende, Fernreisende und World-Traveller.

Das Tesch-Travel-Treffen ist seit 1977 jährlich als Informationsbörse zwischen Reise-Erfahrenen und Reise-Willigen in schöner Traveller-Atmosphäre gedacht. Da Bernd Tesch weltweit zahlreiche Fernreisende kennt und diese zu diesem Treffen einlädt, stehen die Weltenbummler als Informationsquellen für die eigene Reisevorbereitung zur Verfügung, dabei spielt es keine Rolle wie groß oder klein die geplante Reise ist.  Aus diesem Grund haben wir uns diesen Termin auch dick in unsere Kalender eingetragen. Außerdem freuen wir uns darauf weitere Mitglieder der Traveller-Family kennenzulernen, von denen circa 200 bis 300 an besagtem Wochenende vor Ort sein werden.

Alle Informationen zur Anmeldung findet ihr unter Tesch-Travel-Treffen auf www.berndtesch.de

Bernd Tesch hat auf seiner Website zum Beispiel viele Informationen (von 1952-2014) über Reisen und Reisende gesammelt.  Historie der Alaska-Feuerland-Reisen von 1952 bis heute

Unter www.tukutuku.de findet man Infos über 1450 weltweite Motorrad-Reise-Bücher von 1910-2014. Auch die über Motorrad-Touren von Alaska nach Feuerland.

 


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Schraubertag II

Auch am letzten Wochenende legten wir einen Schraubertag ein.  Das selbsterklärte Tagesziel war, die Kette und Zahnräder einer der beiden Teneres zu wechseln. Zur Montage einer Kette gibt es zwei Möglichkeiten: das Einziehen einer offenen Kette, deren Enden anschließend mit einem Spezialwerkzeug vernietet werden müssen, oder den Einbau einer Endloskette, was den Ausbau der Hinterradschwinge erforderlich macht. Da wir das Kettentrenngerät (noch) nicht haben und wir die Schwingenlager prüfen und gegebenenfalls wechseln wollten, entschieden wir uns für die zweite Methode. So lernen wir auch gleich das Motorrad mit all seinen friemeligen Schraubverbindungen besser kennen.

Das Wetter war uns diesmal nicht ganz so gut gesonnen und brachte nur wenig Sonnenschein hervor. Dies war für unsere Arbeit nicht sonderlich von Bedeutung, denn da wir nicht abschätzen konnten, wie lange wir für alle Arbeitsschritte brauchen würden, wollten wir das Motorrad ohnehin in der Garage aufbocken, um bei etwaigen Verzögerungen alles schnell verstauen und abschließen zu können. Also ab in die Garage, Klappstuhl raus, Radio an, Schokolade aufgetischt und los geht’s.

Die Arbeiten gingen zum großen Teil gut von der Hand. Zum Lösen der Ritzel Schraube fehlte uns zunächst eine 32er Nuss. Abhilfe schaffte hier der Werkzeugsatz von Christian. Leider war es mit dem passenden Werkzeug noch nicht getan. Die nach Werksangaben mit circa 120Nm angezogene Mutter bedurfte deutlich höherer Kräfte zum Lösen. So war es notwendig, dass sich Stephan, mit fast dem gesamten Körpergewicht von immerhin mehr als 70kg, auf die Ratsche stellen musste, um die Mutter zu lösen. Ulli hing dabei auf der Hinterradbremse, um das Rad zu blockieren. Aus der Perspektive eines Passanten sah es bestimmt witzig aus, wie zwei Leute auf einem Motorrad hängen.

Nachdem wir die Schwinge entfernt und die Lager überprüft hatten, beschlossen wir die Nadellager und die Staubschutzgummis zu ersetzen. Dies stellte sich als deutlich schwieriger heraus als gedacht: das Nadellager wollte sich keinen Millimeter aus der Schwinge heraustreiben lassen. Erst unter Zuhilfenahme einer Heißluftpistole konnten wir das Lager aus der Schwinge entfernen. Dieser Umstand machte uns nun aber Kopfzerbrechen, denn es sollten schließlich neue Lager wieder verbaut werden. Wie aber sollten wir die neuen Lager, ohne Beschädigungen wieder in die Schwinge an die richtige Position bekommen? Ohne Christians Werkstattausstattung  wären wir vermutlich an dieser Stelle verzweifelt und hätten die Schwinge samt Lager am nächsten Tag zu OTR oder zur Yamaha-Werkstatt gebracht. Aber Dank Christians Schraubstock konnten wir die Lager, welche wir zunächst im Gefrierschrank lagerten, bis zur gewünschten Position sanft und ohne Hammerschläge in die Schwinge einpressen.

Danach tauschten wir das Ritzel sowie den Zahnkranz und ersetzten die Kette durch eine deutlich stärkere. Durch den Austausch des Zahnrades am Hinterrad, gegen eines mit 48 statt 45 Zähnen, also einer daraus resultierenden kürzeren Übersetzung, versprechen wir uns eine bessere Beschleunigung im unteren Drehzahlbereich. Dieser Vorteil wird sich vor allem beim Fahren mit den vollgepackten Maschinen bemerkbar machen. Zwar geht das ein wenig zu Lasten der erreichbaren Höchstgeschwindigkeit von 160km/h, doch unsere Reisegeschwindigkeit wird ohnehin weit darunter liegen.


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Hurra, die erste Spielzeuglieferung ist da

Na dann kann es ja bald losgehen. Das meiste Werkzeug haben wir nun zusammen und auch die ersten Bauteile sind da :-)

Während der Bastelarbeiten in den nächsten Wochen werden wir herausfinden, welches Werkzeug wir sehr wahrscheinlich auch während unserer Reise brauchen werden. Das eine oder andere Teil wird dann noch von der Packliste fliegen. Wenn wir dann irgendwo in der Einöde stehen, wird natürlich irgendwas kaputt gehen, zu dessen Reparatur wir genau das Werkzeug brauchen, welches wir zu Hause gelassen haben. Wir werden sehen, wie groß unser Mut zur Lücke ist.

Bei OTR (www.off-the-road.de) haben wir gestern die ersten Bauteile für unsere geplanten Modifikationen an den Bikes abgeholt. Dies sind unter anderem verstärkte Lenker (28mm), ein Antrieb  bestehend aus einer robusteren 525er Kette und Ritzel bzw. Zahnrad mit einer kürzeren Übersetzung (15/48), Schaumstoffluftfilter, Kotflügel zum höher legen, Heizgriff, Gasgriffsupport und Scheinwerferabdeckung. Details dazu findet ihr später in der Rubrik Motorrad – Modifikationen. Ab in die Garage!


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