Peru III – Wenn der Berg ruft

Da uns die morgendliche Wanderung und die Höhe im Allgemeinen zugesetzt haben, entscheiden wir uns hier ein Hostel zu suchen. Mateo und Juan fahren noch ein Stück weiter. Wir nutzten die Gelegenheit und suchen nach ein paar dünnen Rohren, die wir zum Reparieren der Zeltstangen nutzen können.

Am nächsten Morgen treffen wir Mateo und Juan im nahegelegenen Städtchen Yungay wieder. Gemeinsam wollen wir weiterfahren, aber die beiden brauchen noch etwas Zeit, sodass wir schon mal voraus fahren. Sie hatten es mal wieder geschafft und sich eine kostenlose Unterkunft organisiert. Aber da sie es den Einheimischen gleich tun wollten und ohne Helm zum Einkaufen gefahren sind, durften die beiden eine nicht unbeträchtliche Summe an die hiesige Polizei bezahlen. Selbst in dem Moment als wir auf die Beiden gewartet haben fahren viele Einheimische an der Polizeistation ohne Helm vorbei und werden von keinem Polizisten behelligt. Da sieht man mal wieder wie das hier läuft. Mateo konnte die Strafe zumindest mit seiner frechen Art ein wenig herunterhandeln. Na ja, Strafe muss sein :-)

Ulli und ich machen uns auf den Weg zur Lagune Llanganuco, die Teil des Huascaran Nationalparks ist, für den man Eintritt zahlen muss. Hier in den Büchern sehen wir auch, dass Joey und Daniel einen Tag vor uns hier durchgekommen sind und somit sind wir uns ziemlich sicher, dass sie die Kekse für uns hinterlassen haben.
Die wunderbar blau leuchtenden Lagunen im Nationalpark sind zwar ebenfalls wunderschön, aber wenn man gerade von der Lagune Paron kommt, nimmt man diese eher als nette Randerscheinung wahr. Leider haben sich auf dem Weg hier einige Eier von ihrer Schale befreit und schwimmen nun zum Glück in der dafür vorgesehenen Box herum. Da wir eh noch auf die beiden Kolumbianer warten müssen, beschließen wir die Eier hier an Ort und Stelle zu essen und machen es uns am Wegesrand gemütlich. Fast Food mal anders.

Die Sonne geht langsam unter und kurz bevor es dunkel wird, stoßen dann auch unsere Weggefährten zu uns. Nun müssen wir überlegen wir es weiter gehen soll. Eigentlich wollen wir nicht die hohe Gebühr zahlen müssen, die anfällt, wenn man im Nationalpark übernachten will, das wären nämlich gleich mal 30$ pro Person, wohingegen der Tageseintritt nur ca. 5$ gekostet hatte. Leider wissen wir aber nicht genau wo der Park endet. Um nicht die hohe Übernachtungsgebühr zahlen zu müssen, was auch nicht im Sinn unserer kolumbianischen Mitreisenden ist, brechen wir also auf. Vor uns liegt eine anspruchsvolle Auffahrt. Der grobe Schotter und die unendlichen Haarnadelkurven haben es in sich. Wir können hier von unserer geänderten Übersetzung stark profitieren. Manuel und Juan haben da deutlich mehr zu tun, ihre Bikes bei Drehzahl zu halten und den teilweise recht großen Steinen auszuweichen. Die absolut geniale Aussicht auf die Lagunen und die schneebedeckten Berge sind aber mehr als eine gute Entschädigung für diese Anstrengung. Besonders in den Kurven, wenn man quasi einen kleinen Rundumblick erhält und die gesamte Szenerie auf uns wirkt, würden wir am liebsten unsere Bikes parken und den Ausblick genießen. Zum Anhalten und Fotos machen kommen wir jedoch nur selten. Zum einen ist es die Erschöpfung, die uns in den Knochen steckt und zum anderen ist es die untergehende Sonne, die uns vorantreibt und uns einen passenden Schlafplatz suchen lässt. Wir nähern uns dem höchsten Punkt dieses Passes. Hier auf 4713m ist auch etwas Platz mit einer atemberaubenden Aussicht. Die untergehende Sonne macht das Ganze noch schöner. Obwohl es hier sicher in der Nacht sehr kalt werden wird, entschließen wir uns genau hier unser Lager aufzuschlagen.
Wir geben Juan, alles was wir nicht benötigen, um seine Hängematte etwas besser zu isolieren, denn er muss die Konstruktion zwischen den Bikes aufstellen und auf dem Boden schlafen, da es hier weit und breit keine Bäume gibt.
Ich bin wie immer zeitig wach und wage trotz der Kälte einen Blick nach außen. Es ist wollkenfrei und gerade beginnt die Sonne sich ihren Weg über die Gipfel der uns umgebenden Berge in Tal zu bergen. Das Tal ist noch im langsam flüchtenden Nebel versteckt. Ich wecke Ulli und dann auch die beiden anderen Langschläfer. Wie ein riesiger Vorhang, der nach unten weggezogen wird, gibt die schwindende Dunkelheit die Sicht auf dieses imposante Panorama frei. Bei diesem Anblick sind auch die Langschläfer unter uns froh so zeitig aufgestanden zu sein.

Nach dem Frühstück und einer ausgiebigen Fotosession fahren wir weiter nach Yanama. Die rund 30km geht es nahezu nur bergab. Wir erreichen das kleine Dörfchen also recht zeitig und finden auch schnell eine Unterkunft. Wir nutzen die Zeit hier und machen in diesem urigen Dorf einen Spaziergang. Die Menschen hier sind sehr freundlich, lächeln und sprechen mit uns. Das sind wir so auch nicht gewöhnt. So entstehen auch zahlreiche Fotos mit den Bewohnern von hier.

Bevor wir am nächsten Tag hier starten tauschen wir für eine Probefahrt die Bikes. Juan nimmt meine Ténéré und ich seine Tigerente. Schon das Platznehmen ist interessant und fast schon amüsant. Ich kann mir kaum vorstellen wie er die gesamte Strecke mit dem Bike fahren konnte. Das Fahrwerk ist direkt und hart. Es macht Spaß, aber ich hätte mit ihm nicht tauschen wollen, besonders nicht auf den Schotterstraßen. Ihm scheint die deutlich größer Ténéré auch Spaß zu machen. Schnell noch ein Snack am Straßenrand. Der gebratene Fleischspieß entpuppt sich als Niere, was mir nicht so sehr zusagt.

Bei unserem nächsten Stopp muss sich Juan einen Schweißer suchen, da sein selbstgebauter Kofferträger gebrochen ist. Die Übernachtung erfolgt bei der hiesigen Polizeistation. Wie so oft stellen wir uns eine ähnliche Situation in Deutschland vor und sind uns sicher, dass es das so wohl nicht geben würde. Aber wissen tun wir es schließlich nicht, denn nachgefragt haben wir ja noch nicht.
Der Weg zu unserem nächsten Ziel führt uns über den Pass Punto Olympica (4890m). Um über den Berg zu kommen, kann man entweder drüber fahren oder einen Tunnel benutzen. Wir schauen uns kurz den Weg über den Berg an, wissen aber auch dass dieser sehr anspruchsvoll sein wird. Da wir die letzten Tage viel auf Schotterpisten und unwegigem Gelände unterwegs waren, entscheiden wir uns für die einfachere Lösung und fahren durch den Tunnel (welcher zu den höchsten Tunneln in der Welt gehört) auf die andere Seite des Berges. Nicht ohne Grund zählt die Fahrt durch diesen Teil der Anden zu den besonderen Highlights dieser Reise. Auch die Abfahrt ist wieder einmal besonders fesselnd und zwingt uns zu ausgiebigen Fotostopps.

An diesem Abend übernachten wir nach ein wenig Suche in der Polizeistation von Carhuaz. Während wir es uns auf dem Boden eines Büros gemütlich machen, kann Ulli im Mannschaftsraum der Frauen übernachten.
Bereits am nächsten Tag befinden wir uns schon wieder auf Meeresniveau an der Küste Perus. Wir übernachten bei Cesar Espiritus dem Besitzer einer Motorradwerkstaat in Barranca. Nachdem wir vergeblich versucht hatten in einem Fastfoodladen WiFi zu bekommen, brachte uns einer der Angestellten auf direktem Wege zu dieser Adresse. Hier kommt wohl kaum ein Reisender nicht vorbei, was uns der mit Aufklebern übersäte Kühlschrank eindrucksvoll beweist. Wir finden auch schnell einig Bekannte wieder. Verrückt wer hier alles ein- uns ausgeht.

Keine 200 km mehr bis Lima. Bevor wir uns aber in den Sattel schwingen, schlagen wir uns bei TATU den Bauch mit Fisch Tacos voll. Das Restaurant direkt an der Küste wurde uns von Joey sowie dem Freund eines ehemaligen Arbeitskollegen von Ulli empfohlen und enttäuscht uns nicht. Nach dieser Stärkung geht es dann los.

Kurz vor Lima suchen wir uns ein Hostel, da wir keine besonders große Lust auf den abenteuerlichen Verkehr dieser riesigen Stadt haben und zeitig morgens hinein fahren wollen. Hier trennen sich unsere Wege von der kolumbianischen Reisebegleitung. Mateo und Juan fahren noch weiter, da sie einen Kontakt im Norden von Lima haben. Bei einem Abendessen lassen wir unsere gemeinsamen Abenteuer ausklingen. Alle zusammen merken wir wie schwer es uns fällt „tschüss“ bzw. „adios“ zu sagen. Der Plan ist zwar, dass wir uns nach Lima wieder treffen, aber wir alle wissen wie schnell sich Pläne ändern können. Die Zeit vergeht und die Beiden müssen los. Wir hoffen sehr, dass wir uns irgendwo wiedersehen.


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