Yellowstone National Park

25.08. – 27.08.

Nach  einer entspannten Woche in Bozeman fahren wir nun am Montagmorgen in Richtung Yellowstone. Wir hoffen, dass es nicht so kalt wird, denn die schneebedeckten Bergspitzen in der Ferne verheißen nichts Gutes. Aber wir haben Glück – kein Schnee auf der Straße. Ab und zu schalten wir jedoch die Griffheizung an und freuen uns wieder, dass wir diese Modifikation vor der Reise vorgenommen hatten. Schnell erreichen wir an diesem Tag unser Zwischenziel, einen Campingplatz kurz vor den westlichen Toren des Parks. Dieser ist zwar 1-2 Dollar teurer als die günstigsten Plätze im Park selbst, ist aber für unsere Logistik deutlich sinnvoller, da wir zuerst die allseits bekannten Geysire erkunden wollen. Zu unserem Glück war das Wetter hier die letzten Tage nicht all zu gut, sodass sich auch die Anzahl der Touristen deutlich in Grenzen hält. Dennoch staunen wir nicht schlecht, als wir zum alten Getreuen – Old Faithful – kommen. Riesige Parkplätze, Übernachtungsmöglichkeiten und zahlreiche Souvenirläden bilden nahezu einen Halbkreis um diese Attraktion. Es ist der womöglich bekannteste Geysir der Erde und zieht die meisten Besucher in den Park. Seinen Namen verdankt der Geysir seiner Zuverlässigkeit, da er meist in einem Zeitraum von 45 bis 120 min ausbricht und dabei in einem imposanten Wasser-Dampf-Stahl bis zu 32.000 Liter Wasser freisetzt. Touristen können sich dieses Spektakel entspannt auf ebenfalls im Halbkreis angeordneten Sitzmöglichkeiten ansehen, quasi fast wie in einer Zirkusmanege. Meines Erachtens nimmt diese Umgebung diesem Naturschauspiel einiges an Reiz. Besonders aus fotografischer Sicht wird es schwierig ein gescheites Foto ohne Menschen oder Gebäude zu machen. Hinzu kommt, dass der Himmel bedeckt ist und somit keinen guten Kontrast zum Geysir bildet. Aber auch die ebenfalls in der Nähe befindlichen heißen Quellen, Fumarolen und andere Geysire bieten sich als interessante Fotomotive an.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz fahren wir am Black Sand Basin und dem Biscuit Basin vorbei und erleben dort mit der hinter dem Berg untergehenden Sonne besonders eindrucksvolle Eruptionen. Der Wasserdampf wird durch die Sonne von hinten angestrahlt und lässt diese in der dunkleren Umgebung besonders gut wirken. So schön solche Situationen auch sind, drückt uns doch meistens der Schuh, da wir ungern in der Dämmerung mit den Motorrädern unterwegs sind. Denn in dieser Zeit sind auch viele Hirsche und andere Waldbewohner unterwegs und kreuzen all zu oft die Straßen. Trotz eines schönen Sonnenuntergangs zwangen wir uns nicht anhalten, um Fotos zu machen, da wir sonst auch noch unser Abendessen im Dunkeln hätten zubereiten müssen.

Wir entscheiden uns auch den nächsten Tag unser Zelt auf diesem Campingplatz stehen zu lassen, da diese Ecke des Park noch viele weitere Attraktionen bereithält und wir einige Stellen, die wir gestern nur im Vorbeifahren gesehen haben, etwas genauer ansehen wollen. Besonders gespannt sind wir auf die farbigen Pools, die aber durch den Dampf leider nur schwer zu fotografieren sind. Dennoch staunen wir nicht schlecht, welche Farbvielfalt die heißen Pools für uns bereithalten.

Am Dienstag (26.08.) ziehen wir dann um und campen nördlich im Park auf dem Indian Creek Campingplatz. In der Nacht haben wir einen deutlichen Temperaturabfall, sodass am Morgen noch Eiskristalle auf unseren Bikes zu finden sind. Das holländische Pärchen auf dem Platz neben uns hatte eine etwas unbequeme Nacht, da ihre Schlafsäcke nicht für diesen Temperaturbereich ausgelegt sind. Von diesem nördlicher gelegeneren Campingplatz erreichen wir schnell die Mammoth Hot Springs mit seinen Sinter-Terrassen und heißen Quellen und fahren im Anschluss zu den aus unserer Sicht relativ unspektakulären Tower Falls.

Der Besuch des vielfältigen und großflächigen Norris Geysir Basin und eine ausgedehnte Fahrt entlang des North – und South Rim Trails des Canyons of the Yellowstone sind die letzten Unternehmungen die wir am Mittwoch machen. Im Norris Geysir Basin stoßen wir immer wieder auf Fumarolen. Diese entstehen, wenn durch fehlenden Druck das Wasser in der Tiefe vor dem Austritt komplett verdampft wird und sorgen für eine interessante Geräuschkulisse. Manchmal könnte man meinen, dass da ein Düsenjet neben uns steht. Die Temperaturen sind zwar nicht so heiß wie bei einem Düsenjet, können aber immerhin zwischen 200°C und 800°C liegen.

Bei all unseren Fahrten sahen wir jedoch nur wenige der wildlebenden Tiere, für die der Park eigentlich auch bekannt ist. Dies änderte sich aber am Donnerstag, als wir den Park verlassen. Immer wieder sehen wir größere Herden von Bisons auf den Wiesen entlang der Straße und sind somit gezwungen unsere Fahrt für einige Fotostopps zu unterbrechen. Bei einem dieser Fotostopps kommt auch noch jede Menge Bewegung ins Spiel. Wir postieren uns am Rande einer Lichtung hinter einigen Bäumen, um die imposanten Riesen in Ruhe zu fotografieren. Doch diese werden durch andere Beobachter aufgeschreckt, sodass sich die gesamte Herde in Windeseile in Bewegung setzt. Ein Großteil der Herde rennt nur wenige Meter von unserem relativ sicheren Standort hinter den Bäumen vorbei, was bei uns dennoch für einen ordentlichen Adrenalinschub sorgte.

Nach viel zu vielen Fotostopps erreichen wir endlich den Ausgang des Parks und freuen uns schon auf den in der amerikanischen Motorradfahrerscene auf Platz 1 der schönsten Motorradstrecken gewählten „Beartooth Pass“. Dieser 69 Meilen lange Abschnitt verbindet Cooke City (Nordost-Eingang des NP) und Red Lodge, einem Ort der nahe unseres nächsten Ziels liegt. Bis auf eine Höhe von 3336m führt uns diese kurvige Strecke und hält immer wieder schön anzusehende Landschaften für uns breit. Obwohl die Strecke wirklich beeindruckend ist, können wir uns dennoch nicht vorstellen, dass dies schon die beste oder schönste Strecke sein soll, die die USA zu bieten hat. Nun ja, unser Geschmack ist wohl einfach nicht deckungsgleich mit dem der meisten amerikanischen Motorradfahrer, was auch kein Wunder ist, da hier vermutlich die meisten Biker eine Harley fahren.


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