Auf Wiedersehen Alaska

10. Juli – 11. Juli

Das Ende ist in Sicht. Die Zeit in Alaska ist nun so gut wie vorbei, dies stimmt uns schon etwas wehmütig. Zu schön waren die Erlebnisse,  Bekanntschaften und großartige Natur, die unser Bild von Alaska prägen. Schon jetzt wissen wir, dass wir früher oder später wiederkommen werden. Aber noch haben wir Alaska nicht verlassen.

Es ist Donnerstag (10. Juli) und wir brechen gegen 11:30 Uhr auf in Richtung Tok. Zuvor haben wir aber noch einen Tipp zur Sichtung von Bisons von Spike bekommen. Ein kleiner Umweg führt uns zu einer Farm, wo diese Riesen gehalten werden. Nachdem wir einige Minuten am Zaun des Geheges verweilen kommt ein Junge mit seinem Quad zu uns. Sein Name ist Cody und er arbeitet in der Ferienzeit auf der Range seiner Eltern. Bereitwillig erzählt er uns einige Informationen über die Farm und das Leben hier. Nach einigen Fotos geht es dann auch schon weiter nach Tok. Ewig geradeaus, bis zum Horizont (Wir fahren einen 35 Meilen langen Abschnitt ohne Kurve). Am Anfang waren diese langen Streckenabschnitte noch beeindruckend, doch mittlerweile sind sie meist nur noch öde. Der Fahrspaß bleibt hier im wahrsten Sinne „auf der Strecke“. Gelegentlich fahren wir deshalb Slalom oder strecken unsere Beine.

In Tok angekommen führt uns der erste Weg direkt zur Post, da wir bereits sehnsüchtig auf die bestellten Bremsklötzer gewartet haben. Wir hatten schon Bedenken, dass der Versand mehrere Wochen dauern würde, da die Teile aus Kaliforniern verschickt wurden. Aber alles ist gut, die Lieferung ist da. Im Anschluss bekommen unsere Maschinen neuen Treibstoff und wir auch. Schon seit einigen Tagen freuen wir uns auf einen ganz besonderen Burgerladen – Fast Eddy´s. Ronny, ein Freund aus Bautzen, der einige Zeit in Alaska verbracht hatte, machte uns bereits vor Antritt der Reise auf dieses Restaurant aufmerksam und als ich den Namen bei unserer Gastfamilie erwähnte, waren diese auch Feuer und Flamme. Es soll sogar Leute geben, die den Weg von Fairbanks nach Tok auf sich nehmen, nur um dort einen Burger zu essen. Das spricht für sich. Die Karte ist jedenfalls schon mal verheißungsvoll und lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Die bestellten Burger schmecken, mehr muss ich dazu nicht sagen.

Gestärkt und fast schon im Suppenkoma geht es nun weiter in Richtung Grenze. Unsere letzte Übernachtung in Alaska haben wir in Chicken. Eine kleine Stadt, die vermutlich nur noch vom Transitverkehr  und von Touristen lebt. Früher war es der Goldabbau. Einen Zeitzeugen besuchen wir dann noch an diesem Abend. Es handelt sich dabei um eine hölzerne Dredge, welche während der Goldgräberzeit die Flüsse durchwühlte. Auf der einen Seite wurde das Gestein mit Schaufeln, ähnlich wie beim Kohleabbau, ins Innere befördert und dort das Gold herausgefiltert. Zu kleine, aber auch zu große Goldbestandteile und auch das nutzlose Gestein wurde auf der anderen Seite wieder ausgeworfen. Zahlreiche Abraumberge sind deshalb in diesen Landstrichen zu sehen und prägen vor allem das Bild der Flussläufe. Zurück am Zeltplatz tauschen wir auch gleich noch die Bremsklötzer aus und machen uns über Cheryls leckeren Rhabarberkuchen her.

Am nächsten Morgen (Freitag der 11. Juli) fahren wir unsere letzten Kilometer, oder hier eigentlich noch Meilen, in Alaska auf dem sogenannten Top of the World Highway zur Kanadischen Grenze. Die Strecke ist im Vergleich zu dem Namen und anderen Strecken, die wir von Alaska kennen, relativ unspektakulär. Ebenso gestaltet sich der Grenzübergang. Ein paar kurze Fragen, ein Stempel und das war es schon. Wir hoffen, dass wir auch wieder so einfach in die USA einreisen können.

Die Straße auf der Kanadischen Seite ist deutlich besser und lässt uns rasch vorankommen. So erreichen wir schnell einen alten Bekannten, den Yukon River, der an dieser Stelle nur mit einer Fähre überquert werden kann. Die Fahrt ist kostenlos und nahezu rund um die Uhr möglich. Auf der anderen Flussseite sehen wir, wie gerade ein großer Truck auf die Fähre fährt. Von weiten sieht es so aus, als ob damit die Fähre schon voll ist, aber es fahren noch einige PKW auf. Nachdem alle Fahrzeuge wieder von Bord sind, haben wir einen Platz in der ersten Reihe und können die Überfahrt mit perfektem Blick auf Dawson City genießen…  


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Delta Junction – Moose Patrol

07.07. – 10.07.2014

An dem Morgen als wir in Fairbanks abfuhren, hatte ich noch kurz meine E-Mails gecheckt und dabei glücklicherweise gerade noch rechtzeitig die Nachricht von Gail aus Anchorage erhalten. Sie fragte uns, ob wir durch die Stadt Delta Junction kommen, sie haben dort Freunde, die sie nach einem Unterschlupf für uns fragen könnten. Da unsere Route dies vorsah, sagten wir gerne zu. Gail übermittelte uns noch schnell die Kontaktdaten mit dem Hinweis dass wir innerhalb der nächsten Woche einfach vorbeifahren könnten. Vielen Dank noch mal Gail für diese ausgezeichnete Idee und die Vermittlung zu Cheryl & Gary!

Der Richardson Highway von Paxson nach Delta Junction war uns vertraut. Hier sind wir schon einmal auf dem Weg nach Fairbanks vom Wrangell St. Elias NP entlanggefahren. Diese etwas eigenartige Streckenführung durch Alaska ergab sich aus der damals schlechten Wetterprognose für den Denali NP. Für den Besuch des Denali war es die richtige Entscheidung.

In Delta Junction angekommen suchen wir die Straße, in der Cheryl & Gary wohnen. Unser Navigationssystem hat die Adresse jedenfalls nicht. Das Nachfragen in zwei Tankstellen ergab auch nicht mehr als „irgendwo in diese Richtung“. Wir waren kurz davor einfach umherzufahren und die Straße zu suchen. In einer 3000 Einwohner Stadt kann das ja nicht so schwer sein. Wir kannten Delta Junction noch nicht. Das Straßensystem des Ortes verteilt sich über ein Gebiet von mindestens 20 mal 20 Meilen. Da kann man mit der Methodik „Umherfahren und hoffen“ lange unterwegs sein. Zum Glück hatte Stephan doch noch Offline-Kartenmaterial auf dem Handy gefunden, wo wir durch umherschieben und zoomen die Straße fanden. Nach 16 Kilometern waren wir da. Welches ist nun das richtige Haus? Die Hausnummern sind vierstellig und folgen keiner Logik. Also fahren wir die Schotterpiste hoch und runter und können uns schließlich zum richtigen Haus durchfragen.

Cheryl und Gary hießen uns herzlich Willkommen und boten uns einen Schlafplatz in ihrem Gästeraum an. Da es schon recht spät war, verschoben wir das kennenlernen auf den nächsten Tag. Cheryl zauberte ein ausgezeichnetes Rührei mit Wurst und dazu gab es selbst gemachtes „Monkey Bread“, eine Art Kuchen mit Zimt und viel Zuckerguss – genau das richtige für zwei ausgehungerte Reisende. Die beiden boten uns an, doch noch einen Tag zu bleiben, damit wir uns die Umgebung anschauen können. Das Angebot nehmen wir gerne an und entscheiden uns für eine Wanderung am Quartz Lake. Wir fahren gemeinsam auf einem Motorrad die 20 Meilen bis dort hin, so können wir etwas Sprit sparen.

Wir wurden gewarnt: der erste Teil des Weges wird von wilden blutrünstigen Bestien belagert. So war es dann auch. Bloß nicht anhalten, sonst dient man sofort als Selbstbedienungs-Getränkestation für die Moskito Schwärme. So sozial sind wir aber nicht. Jeder Versuch gratis unseren kostbaren Lebenssaft zu schlürfen, wird mit dem Tod durch Erschlagen bestraft. Nach einem steilen Anstieg stehen wir am Bluff Point – ich weiß nicht woher der Name kommt, aber man ist tatsächlich etwas verblüfft von der grandiosen Aussicht. Eine Gebirgskette erstreckt sich fernab über den gesamten Horizont. Über uns scheint die Sonne und in der Ferne können wir lokale Niederschläge beobachten, die von Süd nach Nord ziehen. Unter unseren Füßen befinden sich zwei kleinere Seen die zu großen Teilen von Seerosenblättern bedeckt sind. Die freien Wasseroberflächen glitzern in der Sonne. Am anderen Ufer wächst saftiges grünes Gras. Vom Ufer bis zu den Bergen erstreckt sich eine riesige waldbewachsene Ebene in einem Mix aus verschiedenen Grüntönen. Wir setzen uns auf die einzige vorhandene Bank und starren abwechselnd in die Ferne und auf die Seen. So verbringen wir fast anderthalb Stunden. In der Zeit werden wir von Libellen und Grashüpfern umzingelt. Das ist gut so, denn sie sind die natürlichen Feinde von Moskitos. Stephans Hemd dient dabei gelegentlich als Landestation für besonders große Libellen. Auf der ausgedruckten Wanderwegbeschreibung, die uns Gary mitgegeben hatte, stand sogar der Name des kleinen Sees vor uns: „Moose Pond“, was soviel heißt wie „Elch Teich“. Nun wäre es mal Zeit, einen Elch zu sehen, denke ich mir. Keine 3 Minuten später entdecken wir entfernt eine Elchkuh mit ihrem Kalb, die ganz in der Nähe eines Biberbaus grasen. Nach kurzer Weile taucht die nächste Elch-Dame am Ufer auf und nimmt vor unseren Augen ein halbstündiges Bad. Nur noch die lange Schnauze und die wackelnden Ohren schauen heraus. Wenig später höre ich ein lautes Platschen. Nee, oder? Ich gehe einen kleinen Pfad weiter um die Ecke und beobachte einen Elchbullen mit ordentlichem Geweih, wie er sich im benachbarten Gewässer vergnügt. Dahinter erblicke ich zu meinem Erstaunen noch ein Mutter-Kind Paar am Waldrand und als sei dies nicht genug, erspähen wir irgendwo dazwischen noch eine weitere Elchkuh mit Kalb. Nein, es sind nicht die gleichen wie von eben – wir sehen zum Gleichen Zeitpunkt acht Elche. Ein neuer Rekord – das entspricht der gleichen Anzahl an Toren die an diesem Tag in dem Fussball-Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Brasilien gefallen sind. Für uns ist dieser Anblick jedenfalls ebenfalls ein Wunder.
Am Abend nimmt uns Gary noch mit auf „Moose Patrol“ (Elch Patrouille). Wir gleiten im Kanu durch die Abendsonne und erspähen immerhin noch zwei Elche im Wasser und am wilden Ufer. Es ist ein schöner Ausklang dieses ereignisreichen Tages.

Am nächsten Morgen packen wir unsere Sachen und wollen zur Weiterreise aufsatteln. Irgendwie sieht mein Hinterradreifen komisch aus. Das kann doch nicht wahr sein: schon wieder ein Platten. Wir sagen Gary und Cheryl schon mal Bescheid, dass sie uns innerhalb der nächsten 2 Stunden nicht loswerden. Na gut, es gibt schlimmere Orte, wo einem das passieren kann, als bei netten Leuten mit Garage und Kompressor. Also ran an den Gummi. Schon wieder dieser dämliche alte Flicken. Die Luftblase hat sich weitergearbeitet und auch den Rand des zweiten Flickens erreicht. Unsere Reparatur bei Denali war also nichts mehr als ein paar billig erkaufte Kilometer. Diesmal machen wir es richtig: alle Flicken sorgfältig abgeschabt und einen großen neuen Flicken drauf. Es sieht perfekt aus. Wir pumpen den Schlauch auf und wollen ihn gerade montieren, als wir bemerken, dass der Schlauch immer noch Luft verliert. Trotz ausreichender Trockenzeit der Vulkanisierpaste und Anpressen des Pads, lässt es sich wie ein aufgeweichtes Pflaster ablösen. Was nun, mit der gleichen Methode werden wir wohl keinen Erfolg haben. Wir kramen den Ersatzschlauch raus, um diesen zu montieren. Wir trauen unseren Ohren nicht, als wir nach der Montage ein Zischen im Reifen hören. Das kann doch nicht wahr sein. Schon wieder müssen wir den f* Reifen von der f* Felge runterholen und den f* Schlauch da rauspopeln. Eben noch hatte ich mir die Hände gewaschen. Bei der Montage haben wir ein kleines Loch in den Schlauch gequetscht – sowas passiert schon mal. Doch womit sollen wir das Loch jetzt stopfen, wenn unser Flickmaterial nichts mehr taugt? Etwas verzweifelt lassen wir uns erstmal zum Mittagessen überreden. Gary, der schon etwas Mitleid mit uns hat, ruft in der Umgebung bei diversen Reifenhändlern an und erkundigt sich nach 17 Zoll Schläuchen. Wir haben Glück. Der Besitzer einer Autoteilekette fährt selbst Motorrad und würde uns seinen Ersatzschlauch für $22 verkaufen. Gary fährt uns in die Stadt und dort geben wir zusätzlich den alten Schlauch in einer kleinen Werkstatt zur Reparatur ab. Wir kommen also frohen Mutes mit einem neuem und einem repariertem Schlauch wieder. Wir entscheiden uns den reparierten Schlauch zu montieren, da dieser ein dickerer Motorcross-Schlauch ist. Die Flicken sind so groß, da kann nichts mehr schief gehen. Wir pumpen ihn auf und halten ihn vorsichtshalber unter Wasser. Die aufsteigenden Luftblasen lassen uns innerlich weinen. Genervt von kaputten Schläuchen montieren wir doch den neuen Schlauch. Am nächsten Morgen repariert uns der Werkstattarbeiter den Schlauch kostenfrei erneut. Dieser wird nun unser Ersatzschlauch – hoffentlich brauchen wir ihn nicht.
Eine gute Sache hatte dieser Zwischenfall jedoch: wir blieben noch einen Tag länger bei Cheryl & Gary und verbringen einen schönen Abend mit den beiden und kommen nochmals in den Genuss des köstlichen Rhabarberkuchen von Cheryl.

 

 

 


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Denali Nationalpark

3. Juli – 6. Juli

Nun ist es bereits Donnerstag (3. Juli). Eigentlich hatten wir uns auf eine trockene Unterkunft nach den nicht enden wollenden Regentagen gefreut, aber das wir dann gleich sechs Nächte bei Ann und Will bleiben, hätten wir nicht gedacht. Umso schwerer fällt uns der Abschied an jenem Donnerstag. Aber es nutzt nichts, es hat endlich aufgehört zu regnen und lässt uns somit hoffen, dass wir trocken zum Denali Nationalpark kommen. Rund 125 Meilen auf einer gut befahrbaren Straße liegen an diesem Tag vor uns und verlaufen entspannt.

Der Name des Parks leitet sich von dem indianischen Wort „denali“ ab und bedeutet „der Hohe“, was sich wiederum auf den höchsten Berg Nordamerikas, den Mount McKinley mit einer Höhe von 6193m bezieht. Im Besucherzentrum des Parks sind wir zunächst etwas verwundert, da die Eintrittskarten und die Campingplätze an einer anderen Stelle verkauft werden. Eigentlich hätte man das alles gut zusammenlegen können, aber hier hat man eben viel Platz. Dennoch hoch erfreut verlassen wir das Besucherzentrum, da der Annual Pass (Ausweis für alle Nationalparks in den USA) für uns beide gültig ist. So mussten wir nicht wie zuvor angenommen zwei Pässe kaufen. Wir waren schon kurz davor diesen Pass in Deutschland zu bestellen – wohlgemerkt jeweils einen. Somit haben wir quasi $80 gespart. Gut gelaunt ging es nun zu dem Platz an dem man die Shuttlebus -Touren und Zeltplätze ordern kann. Um den National Park zu besichtigen ist man auf die Shuttlebusse angewiesen, da man mit dem eigenen Fahrzeug nicht hineinfahren darf. Wir entschieden uns für eine Bustour bis zum Eielson Visitorcenter (ca 100km im Parkinnere ) und dafür zwei Nächte auf dem Campingplatz zu bleiben, da die Touren morgens sehr zeitig starten und bis spät abends dauern. Viele Möglichkeiten für die Auswahl des Campingplatzes hatten wir zwar nicht mehr, da wir vorher nichts reserviert hatten. Aber bei den günsitgen „Tent-only“ Plätzen war noch was frei (und das nahezu mückenfrei).

Damit wir die Zeit im Denali Nationalpark optimal ausreizen konnten, entschieden wir uns den Bus 6.30Uhr (morgens) zu nehmen und waren dann sogar so zeitig an der Haltestelle, dass man uns im 6.00Uhr-Bus mitgenommen hat. Die Entscheidung so zeitig aufzustehen war goldrichtig. Denn auf dem Weg zum Visitorcenter sahen wir bereits einige Moose, Karibus, Dall Schafe und sogar eine Bärin mit ihren zwei Jungen. Allerdings auch nur wieder aus relativ großer Entfernung. Viel wichtiger ist jedoch, dass wir den Mount McKinley wolkenfrei sehen konnten. Denn lediglich 30 Prozent der Besucher sehen den Berg ohne Wolken. Viele bekommen ihn gar nicht zu sehen. Wir hatten ja bereits auf unserem Flug nach Anchorage das Glück den „Hohen“ in seiner vollen Pracht sehen zu können, aber jetzt vom Boden aus ist er schon deutlich beeindruckender.

Am Visitorcenter angekommen machten wir eine kurze Pause, um dann gestärkt eine Wanderung auf dem Alpine-Trail machen zu können. Der Anstieg hatte es in sich, sodass wir die Verschnaufpausen ausgiebig zum Fotografieren nutzten. Es ist kaum zu glauben wie abwechslungsreich die Vegetation an einem mit Steinen und Schotter besetzten Hang sein kann. Immer wieder endeckten wir neue Pflanzen, die mit ihren Blüten farbige Akzente in den steinigen Boden zauberten. Aber auch die Fauna kam nicht zu kurz. Zum einen trieben zahlreiche arktische Ziesel (arctic ground squirrel) ihr Unwesen und zum anderen zog ab und an ein Goldadler seine Kreise über uns. Die niedlichen und teilweise relativ zutraulichen Ziesel hatten es uns angetan und hätten uns zu Zeiten der Analogfotografie sicherlich einige Filmrollen gekostet. Für uns war es einfach nur herrlich die kleinen Nager zu beobachten. Und je länger wir an einem Punkt ausharten, umso zutraulicher wurden sie.

Die Landschaft um uns herum war natürlich auch ein gern fotografiertes Motiv. Oft wünschte ich mir Aufnahmen wie bei Google Streetview machen zu können, um euch noch besser zeigen zu können wie es hier aussieht. Unsere Fotos und Erzählungen können nur einen Bruchteil der Schönheit hier wiedergeben. Theoretisch könnten wir hier alle hundert Meter ein Foto machen, da sich die Blickwinkel und die Motive verändern, aber das muss eben erst mal reichen. Langsam zog sich dann auch eine kleine Wolkenschicht vor den Berg, was für uns ein Zeichen war den Rückweg anzutreten. So ging es also wieder in den grünen großen Bus auf die staubige Piste. Auf dem Rückweg hatten wir noch mehr Glück als bereits auf dem Hinweg. Neben einem Fuchs und einem Schneehuhn sahen wir auch die Bärin mit ihrem Nachwuchs wieder. Leider hatte es der Busfahrer verdammt eilig und düste schnell nach einigen kurzen Minuten weiter. Wir alle waren nicht gerade begeistert, da die Bärin, auch wenn sie noch recht weit weg war, sich in unsere Richtung bewegte und sie uns wahrscheinlich richtig nahe gekommen wäre. Also können wir nur wieder hoffen, in Kanada etwas näher an Meister Petz heranzukommen.

Am Campingplatz angekommen machten wir uns noch ein leckeres Abendessen und mit gefüllten Bäuchen und geschafft von der Wanderung ging es dann schnell zu Bett. Denn am nächsten Tag sollte es weiter auf dem Denali Highway Richtung Delta Junction gehen. Unser Morgen begann mit dem üblichen Prozedere – Essen, Waschen, Zelt abbauen, Motorräder beladen. Diese standen aber auf einem Parkplatz circa 500m entfernt von unserem Zeltplatz und nachdem ich mein Bike geholt hatte und mit dem Beladen beschäftigt war, holte Ulli ihre Maschine. Leider stellte sie bereits auf dem Weg zum Zeltplatz fest, dass der hintere Reifen platt war. Und wer schon mal einen Reifen von Hand gewechselt hat, weiß wie sehr wir uns in diesem Augenblick gefreut haben… Kaum standen wir so da und holten das Werkzeug heraus, kamen schon die ersten Biker und boten uns ihre Hilfe an. Schnell war ein Kompressor hergezaubert und Lester kümmerte sich auch gleich noch um unsere Ersatzteilversorgung. Er telefonierte mit einigen Händlern und versuchte uns so ein paar Bremsbeläge zu besorgen, da diese hier nicht ohne weiteres zu bekommen sind.

Lester, Paul und John leisten "Erste Hilfe"
Lester, Paul und John leisten “Erste Hilfe”

Lester, John und Paul vielen Dank an dieser Stelle für eure Hilfe! Leider habe ich eure Karte mit den Kontaktdaten verloren. Falls ihr das lest, würden wir uns über ein Lebenszeichen von Euch sehr freuen.

Mit dem Kompressor war der Reifen schnell wieder aufgepumpt und wir hätten weiterfahren können. Uns war aber klar, dass wir nach der Ursache suchen müssen. Also heißt es Reifen demontieren und den Schlauch überprüfen. Gesagt getan. Hinterrad ausgebaut und auf dem Reifen so lange rumgekaut bis sich der Gummi von der Felge lösen ließ. Nun mussten wir das Problem finden. Denn im Reifen selbst konnten wir keinen Fremdkörper entdecken, der ein Loch verursacht hätte. Es war zu unserem Erstaunen ein alter Flicken. Eine Blase hatte sich gebildet und ist bis zum Rand gewandert, wo sie langsam Luft entweichen ließ. Ein weiterer Flicken sollte das Problem lösen und tat dieses auch. Nachdem die Quelle des ungewollten Luftstroms geschlossen war, ging es an die Montage des Hinterreifens. Zum Glück hatten wir das Motorrad günstig geparkt und konnten die Arbeiten im Schatten durchführen. Wenn ich mir vorstelle, dies alles bei vollem Sonnenschein im Beisein blutdurstiger Moskitos durchführen zu müssen, dann vergeht es mir jetzt schon. Aber am Ende hat alles geklappt und wir konnten die Fahrt nach circa 3 Stunden Verzögerung endlich fortsetzen und uns auf den Denali Highway freuen.

Zunächst wollten wir aber noch einen Abstecher zum Savage River machen, an dem wir am Tag zuvor ein Karibu durch den Fluss waten sahen. Hier wollten wir eigentlich eine kleine Wanderung unternehmen. Dank der Reifenpanne passte dies jedoch nicht mehr in unseren Zeitplan, da wir uns noch eine Husky-Show ansehen wollten, die im Park jeden Tag frei für alle Besucher gezeigt wird. So blieb uns nur die Zeit, um etwas Sonne zu tanken und einen kleinen Snack zu verspeisen. Auch unseren Füßen gönnten wir ein Wellnessprogramm im kalten Flusswasser. Kurz darauf fuhren wir zurück zur Husky-Show, bei der uns Parkranger die Arbeit der Tiere erklärten und kurz demonstrierten wie leistungsfähig diese Powerpakete sind. In der Winterzeit sind sie teilweise die einzigen Fortbewegungsmittel, da Schneemobile ihren Dienst bei Temperaturen unter -30°C versagen. Für Huskys hingegen fangen die optimalen Temperaturen erst bei -10°C an. Mit ihren Schlitten transportieren sie in der Winterzeit zum Beispiel Baumaterialien an Stellen, die im Sommer mit Fahrzeugen nicht zu erreichen sind. Aber auch für Rettungsaktionen werden sie eingesetzt. Nach dem die Show vorüber war ging es dann weiter nach Osten.

Der Denali Highway selbst war sehr staubig und hatte auf den 120 Meilen Gravel Road zwischen Cantwell und Paxson viele große Schlaglöcher zu bieten. Doch die Landschaft mit Blick auf die Alaska Range, durch die uns die Straße führte, glich diese Widrigkeiten wieder aus. Ziel war ein uns bereits bekannter Ort, den wir bereits auf der Fahrt nach Fairbanks kennengelernt hatten. Nördlich von Paxson sahen wir bei der ersten Vorbeifahrt einen Gletscher dessen Schmelzwasser bereits eine Straße erreicht hatte und diese überflutete. Dies wollten wir uns nun etwas genauer ansehen und schlugen unser Lager auf einer großen Fläche auf, auf welcher vermutlich einige Tage zuvor der 4. Juli (Unabhängigkeitstag) gefeiert wurde. Leider kamen wir bei unseren Erkundungen nicht all zu weit, da das Wasser sich bereits seinen eigenen Weg gebahnt hatte und uns somit von der Weiterfahrt abhielt. Mit etwas mehr Off-Road-Erfahrung wäre man hier sicherlich noch weiter gekommen, aber wir stehen noch am Anfang unserer Reise und haben noch ein paar Kilometer vor uns, um dazuzulernen. Im Anschluss fuhren wir weiter nach Delta Junction.


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Fairbanks – interessante Begegnungen

27.06. – 02.07.2014

Von oben bis unten mit Matsch dekoriert kommen wir in Fairbanks an. Wir wissen noch nicht wo wir einen Schlafplatz finden, doch die erste Priorität lautet Motorrad waschen damit sich der Dreck nicht festsetzt. Ein Tankstellenwart zeichnet mir kurzerhand eine Skizze, um mir meine Frage nach der nächstgelegenen Waschgelegenheit für Fahrzeuge zu beantworten. Nachdem wir die Maschinen mit dem Hochdruckreiniger vorsichtig gereinigt haben, überlegen wir, was wir als nächstes machen.  Das sind manchmal die „schwierigen Momente“ auf der Reise. Eigentlich haben wir Hunger, doch in ein Restaurant gehen ist zu teuer. Selbst ein Hot Dog für $5 erscheint uns im Vergleich zum selbst kochen zu teuer. Mitten in der Stadt den Kocher auspacken ist jedoch unpraktisch und vielleicht nicht so gern gesehen. Was sollen wir eigentlich kochen – ach ja richtig – wir müssen ja noch einkaufen. Lebensmittel einkaufen mit leerem Magen ist aber auch keine gute Idee. Außerdem sind die Klamotten noch nass und der nächste Regenschauer bahnt sich schon an. Also entweder lassen wir die nassen Regenkombis an und geht damit in den Supermarkt, wo einem dann so richtig schön heiß wird. Oder wir ziehen die Regenkombis draußen  aus, wobei dann die darunter liegenden Klamotten wieder nass werden, während wir die Regensachen verstauen. Wo sollen wir dann später eigentlich kochen, wenn es regnet? Die Halsschmerzen seit dem frühen Morgen lassen noch eine aufkommende Erkältung vermuten. Wo nochmal schlafen wir heute eigentlich? Mit diesen Gedanken steht man dann da und weiß nicht so recht was man jetzt eigentlich machen soll. Die komfortable Lösung kostet zu viel Geld, die Reisekasse schonende Lösung nervt.

Wir beschließen erstmal zu unserem heiligen Ort in Fairbanks zu fahren: einer Bankfiliale mit offenem WiFi, jippie. Mal schauen ob sich zufällig die eine Frau von SERVAS, der internationalen Host Organisation, gemeldet hat, welche wir bei unserer erstmaligen Ankunft in Fairbanks vor ein paar Tagen angeschrieben hatten. Tatsächlich, eine Antwort per Email. Per SMS können wir sie erreichen und sie schreibt in einer sehr kryptischen Antwort: „mail frm. wrk. B4 i lv. This eve @530p w/diections 2 my plc. 4 a visit late tmrw. Aftern. ok?”. Das heißt soviel wie: „Bevor ich heute Abend um 5:30 Uhr die Arbeit verlasse, maile ich Euch von dort die Wegbeschreibung zu meinem zu Hause für ein Treffen morgen am späten Nachmittag, ok?“ Mittlerweile sitzen wir im Trockenen bei Mc Donalds und warten auf die Mail. Tatsächlich, sie schreibt uns ihre Adresse und den Ort wo sie arbeitet: in Ann’s Greenhouse auf der Sheep Creek Road. Über Google Maps finden wir dies und da wir keinen besseren Plan haben, machen wir uns auf den Weg dorthin. Es regnet in nun in Strömen. Pitschenass stehen wir eine halbe Stunde später  im Gewächshaus und erkundigen uns nach Sally. Nach einer Weile taucht sie auf und macht uns erstmal zwei große Tassen Tee. Sie selbst hat nur eine kleine Cabin (so nennt man hier kleinere Holzhäuser, oftmals ohne Wasser und Strom) und das Grundstück ist durch den Regen zu nass um ein Zelt aufzubauen. So können wir bei ihr leider nicht unterkommen. Wir haben es nicht erwartet, doch sie beginnt herum zu telefonieren, um uns einen günstigen, trockenen Übernachtungsplatz zu suchen. Ein Freund hier, ein Bekannter da, doch leider nur Absagen und das Hostel kostet $70 pro Nacht pro Person (sowas sollte sich eigentlich nicht Hostel nennen dürfen). Bald hat sie Feierabend und muss noch einige Besorgungen in der Stadt machen. Wir finden uns bereits damit ab, dass wir gleich wieder raus in den Regen müssen.

Doch Sally hat noch eine weitere Idee und ist erfolgreich. So landen wir bei Anne & Will, welche in einem dunklen Holzhaus am Tanana River  in Fairbanks wohnen. Anne war lange Zeit Krankenschwester und Will ist ein Gletscherforscher, welcher auch noch im Ruhestand fast täglich zur University of Fairbanks fährt, um seinen Forschungen nachzugehen. Schnell haben wir auch deren  Hunde Sam und Rosie in unser Herz geschlossen.

Anne erwartet uns mit einem warmen Essen, welches uns richtig gut tut. Die beiden hatten sich vorgenommen seit langem mal wieder einen Film zu schauen. Wir schließen uns gerne dem gemütlichen Filmabend mit „The Goodfellas“ an. Der Mafiosi Film war stellenweise etwas kaltblütig, doch gut, um Englisch zu lernen, sieht man mal davon ab, das jedes fünfte Word f*ck lautete.

Zum Frühstück waren mehrere Gäste eingeladen. So lernten wir unter anderem noch die deutsche Gletscherforscherin Regine kennen. Sie hat Gefallen an dem Leben in Alaska gefunden und lebt schon seit  7 Jahren hier. Die Natur hier ist großartig und sie wurde von den Einheimischen sehr schnell integriert. Später besorgen wir noch eine Glühbirne für das defekte Frontlicht von Stephans Tenere. Die alte Birne war auf dem Dalton Highway durchgebrannt. Damit er nicht ohne Licht fahren muss, hatten wir zwischenzeitlich die Birne des Fernlichtes umgesteckt. Die Städte hier sind sehr weitläufig, man darf es sich nicht wie in Deutschland vorstellen, dass man mal schnell zum Bäcker geht und danach kurz zur Post. Jeder Einkauf bedeutet eine mehrere Kilometer lange Fahrt in das Stadtzentrum und selbst innerhalb der Stadt kommt man ohne fahrbaren Untersatz nicht weit. Die Einheimischen planen daher oftmals ihre Fahrten so, dass sie mehrere Besorgungen kombinieren können.

Am Nachmittag wollten wir ja noch Sally in ihrer Cabin besuchen. Sie wohnt mit ihrer Katze etwas außerhalb von Fairbanks. Die Hütte besteht aus zwei Räumen: eine untere Etage von ca. 18m² mit integrierter Küche und darüber ein Dachgeschoss als Schlafraum. Das Badezimmer verteilt sich auf dem Grundstück: Das Plumpsklo ist in einem kleinen Häuschen außerhalb untergebracht. Die Dusche im Garten hat wiederum ihre eigene freistehende Konstruktion aus Holz, Plastik und einem Vorhang und bietet über ein ausgeklügeltes Schlauchsystem sogar warmes Wasser. Auf dem Grundstück stehen viele Blumen und viel Krimskram, welcher weitere Projekte vermuten lässt. Wer so lebt muss einfach speziell sein und Sally ist eine sehr spezielle und liebenswerte Frau. Wir verbringen gemeinsam einen schönen Nachmittag und tauschen viele Geschichten aus. Am Abend fahren wir wieder zurück zu Anne & Will. Sie haben uns angeboten, dass wir länger bei ihnen bleiben dürfen, ohne dass wir gefragt haben.

Eine gute Adresse, um kostenfrei etwas über die Geschichte von Alaska und deren Einwohner zu erfahren, ist der Pioneer Park im Stadzentrum. Dort kann man einige alte Reliquien aus der Pionier und Gold Rush Zeit bestaunen. Unter anderem kann man dort die S.S. Nenana, einen alten Heckraddampfer (stern wheeler) besichtigen, mit dem die Orte entlang des Yukon Rivers versorgt wurden. Das Pioneer Museum gibt Einblicke in das Leben in Alaska im 19. und 20. Jahrhundert. In den Park wurden außerdem ganze Cabins und alte Häuser mit kompletter Inneneinrichtung versetzt, wie zum Beispiel das Haus von John Wickersham, einer bedeutenden Persönlichkeit für die Entwicklung von Fairbanks und Alaska. Wir haben mal wieder den Fehler gemacht nicht genügend zu Essen mitzunehmen und da der Hunger immer größer wurde wollten wir uns ausnahmsweise doch was kaufen. Stephan will sein Portemonnaie herauskramen doch er findet es nicht. Schon gleich hat er eine dunkle Vorahnung, denn nun dämmert es ihm: er hat es zuletzt auf dem Motorrad auf dem Parkplatz liegen sehen. Schnellen Schrittes machen wir uns auf den Weg dorthin. 2 Stunden lang lag es dort auf dem Präsentierteller mit Reisepass, Kreditkarte…  . Es lag immer noch da.

Am nächsten Tag machen wir uns auf die Suche nach Bremsbelägen für die Hinterradbremse. Der Staub und Matsch auf dem Dalton Highway hat diesen bei beiden Maschinen ganz schön zugesetzt. Uns wurde mehrfach gesagt diese Dinger gibt es überall, deswegen hatten wir nur ein Ersatzset mitgenommen, um auch Gewicht zu sparen. Pustekuchen – wir waren in 3 Läden, doch die Teile sind zu speziell, da unser Modell nicht in den USA verkauft wird. Die früheste Lieferung wäre in 4 Tagen. Wir beschließen uns selbst welche zu bestellen und per „General Delivery“ an das Postamt von Tok zu schicken, einer kleinen Stadt durch die wir durch müssen, um später Alaska zu verlassen. Ob das klappen wird?

Am nächsten Tag besorgen wir noch Zutaten für das Abendessen, welches wir Anne & Will zum Dank bereiten wollen. Anschließend fahren wir mit Anne gemeinsam Elke besuchen, einer deutschen Schlittenhunde- Halterin (Grönland Huskies), die seit Jahren die großen Weiten von „Alaska Interior“ mit ihren 16 Hunden genießt. Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter und Elke muss sie gut im Griff haben, damit das Team funktioniert. In der Wildnis sind sie aufeinander angewiesen. Früher hat sie auch Touren für Touristen angeboten. Diese sind jedoch oftmals mit falschen Vorstellungen angereist. Die Prospekte der vermittelnden Reiseagenturen werben mit Fotos im Sonnenschein und lachendem Dog Sled Musher. Doch die schneereiche Jahreszeit in Alaska ist dunkel mit Temperaturen weit unter minus 20 Grad Celsius. Die Handhabung der Ausrüstung bei diesen Temperaturen ist schwere Arbeit und die Kälte führt bei ungeübten Laien mit meist unzureichender Kleidung zum Teil zu Handlungsunfähigkeit. Dies hatte sich der eine oder andere dann doch anders vorgestellt und so kam es häufig zu Frustration auf beiden Seiten. Zudem kamen oftmals gesundheitlich angeschlagene Gäste für die Elke verständlicherweise keine Verantwortung bei einer mehrtägigen Reise durch Eiseskälte mehr übernehmen konnte.

Im Anschluss an diese interessante Begegnung nimmt uns Anne mit zur University of Fairbanks, wo Will und Regine schon auf uns warten. Heute findet dort eine Präsentation von Highschool Schülerinen statt, welche eine Woche auf einem Gletscher unterwegs waren und nun von ihren Erlebnissen und Gelerntem berichten. Gespannt verfolgen wir die Vorträge und lernen so auch noch etwas über Gletscher und Lawinen.

Als wir nach Hause kommen, wollen wir gerade beginnen Abendessen zu Kochen, als wir feststellen, dass irgendetwas fehlt. Das Brot ist weg. Unter dem Tisch liegt eine leere Tüte, feinsäuberlich bis auf den letzten Krümel geleert. Wir müssen lachen und stellen uns vor, wie die beiden Hunde und Katzen sich über das gefundene Fressen hergemacht haben. Die Tüten mit der Salami und dem Schinken hingegen lagen unangetastet auf dem Tisch. Später am Abend genießen wir dann gemeinsam mit unseren Gastgebern am Kamin unsere Soljanka und das Bauernfrühstück.

Noch eine weitere interessante Person lernen wir am nächsten Tag kennen. Anne wollte uns die „Undergroundhouses“ zeigen. Wir fahren zu Rob, welcher uns gemeinsam mit seinem Enkel über sein Grundstück führt. Nach einem kurzen Fußmarsch finden wir uns plötzlich im „Auenland“ wieder. Rob hat in einen Hügel zwei Häuschen integriert. Neben und über den runden Eingangsbögen wächst saftiges Gras, so wie man es von den Hobbit Behausungen kennt. Wir dürfen mal hineinschauen und wieder fühlen wir uns wie im Film. Der unterirdische, gewölbeartige Innenraum ist erstaunlich hell, da auf der anderen Seite des Hügels große Fenster mit Blick auf ein Tal integriert sind. Wir waren an dieser Stelle schon beeindruckt, doch die Tour ist noch nicht zu Ende. Weiter unten im Tal hat Rob noch zwei weitere sehr individuelle Häuschen ins Erdreich integriert. Eine weitere Hütte hat er ausschließlich aus recyceltem Holz und anderen Materialien an anderer Stelle im Wald gebaut. Sie steht da wie gemacht als Filmkulisse für das russische Wintermärchen Hexe Babajaga. Rob beherrscht die Kunst natürliche Materialien gleichzeitig funktionell und harmonisch zu integrieren. So dienen Teile von Elchgeweihen als Türgriff oder bearbeitete Baumstümpfe als Möbel. Unten am See hat er noch eine Saunablockhütte gebaut. Selbst das große Wohnhaus der Familie ist sein eigenes Werk. Er ist kein Architekt oder Baukonstrukteur, sondern hat irgendwann einfach damit angefangen. Auf unsere erstaunten Blicke meinte er „der Unterschied zwischen einem Profi und einem Laien ist manchmal nur der, dass der Laie länger braucht.“

Zum Abschied lässt uns seine Frau noch eine Spezialität aus Alaska zukommen: geräucherten Lachs. Wir genießen ihn in den nächsten Tagen als Highlight zum Camping Dinner.

Aus einer Übernachtung wurden sechs und so haben wir einige schöne Tage in Fairbanks verbracht und die gemeinsame Zeit mit Anne und Will sehr geschätzt. Umso schwerer fällt der Abschied.

Vielen Dank Anne, Will und Sally für Eure Unterstützung und herzliche Aufnahme.


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Wrangell – St. Elias Nationalpark

Am Mittwoch (18. Juni) machen wir uns, nachdem wir uns ausgiebig bei unserer Gastfamilie verabschiedet haben, auf den Weg zum Wrangell – St. Elias Nationalpark, dem größten Nationalpark der USA. Es fiel uns wirklich nicht leicht Gail, Tim und Ann zu verlassen, denn eigentlich hätten wir noch viel mehr gemeinsam unternehmen können.  Zum Glück besteht die Möglichkeit die Drei in den „lower 48s“ (USA ohne Hawaii und Alaska) wiederzusehen. Wir sind selbst gespannt ob wir das hinbekommen.

Von nun an ging es schnurstracks auf dem Glenn Highway gen Osten. Auf gut ausgebauten Straßen konnten wir schnell viele Kilometer  hinter uns bringen, wenn auch die Landschaft eigentlich immer wieder schöne Fotomotive hergeben hat. Diesen Konflikt zwischen „Strecke zurücklegen“ und Fotografieren haben wir oft. Hinter fast jeder Kurve taucht eine neue grandiose Szene auf, doch jedes Mal anhalten, Helm und Handschuhe ausziehen, Kamera aus dem Tankrucksack holen usw., das ist dann doch manchmal zu viel. Bei einem kurzen Tankstopp in Glennallen, unterhielten wir uns unter anderem mit einen KTM Adventure Fahrer. Diese Bikes sind hier eher selten anzutreffen, genau wie unsere Teneres. Eigentlich gibt es hier nur BMWs oder Harleys. Unsere Zweiräder gehören eher zu den Exoten und sorgen nahezu bei jedem Stopp für kurze Gespräche (Woher? Wohin? Was für Bikes? Wie lange? …) So kommen wir jedenfalls immer schnell in Kontakt mit den Einheimischen und profitieren gelegentlich von guten Tipps.

Nachdem wir unsere Fahrt fortgesetzt und gut Strecke gemacht haben, wurde es Zeit einen Schlafplatz zu suchen. Da kam uns ein kleiner See gerade recht. Recht idyllisch sah unser Nachtlager aus, wenn da nicht wieder diese Mücken wären. Der Zeltaufbau erfolgte in Motorradkombi inklusive Handschuhen und dem Insekten-Hut über dem Kopf. Und ich dachte schon, dass die Biester am Skilak Lake anstrengend waren. Nachdem aber das Zelt stand und alles eingeräumt war, konnten wir gut schlafen, schließlich war es dann auch schon 23:45 Uhr. Es wird hier nach wie vor erst sehr spät dunkel, wenn man es überhaupt so nennen kann, was das Einschlafen deutlich erschwert. Bisher haben wir die Sonne noch nicht wirklich untergehen sehen.

Am Morgen ging es nach einem Erdnussbutter-Marmelade-Bananen-Sandwich wieder an den Start, weiter zum Wrangell – St. Elias Nationalpark. Ab Chitina war allerdings Schluss mit der asphaltierten Straße, nun hieß es auf über 60 Meilen Erfahrungen mit losem Schotter auf der Piste zu sammeln. Die ersten Kilometer waren sicherlich sehr krampfhaft, da hier der Schotter besonders tief war. Nach einer Weile wurde die Piste besser und umso sicherer konnten wir weiterfahren. Gegen Mittag kamen wir dann in McCarthy an, wo es über eine schmale Brücke nur noch zu Fuß weiter gehen sollte. Von da an konnte man sich die circa 5 Meilen nach Kennecott, einem alten Kupferminen Ort, mit einem Shuttlebus bringen lassen oder eben laufen.  Da die Wander Trails erst in Kennecott starten, wäre dieser Fußmarsch hin und zurück, plus dem eigentlichen Wanderweg für einen Nachmittag zu lang gewesen. Aber wie es der Zufall so wollte, kamen wir auch an der Brücke ins Gespräch mit einem Radfahrer, der uns offenbarte, dass wir die Brücke mit den Motorrädern befahren können. Die Einheimischen fahren schließlich auch ständig mit ihren ATVs rüber. Damit hat er uns einen Fußmarsch von insgesamt guten 10 Meilen erspart. In Kennecott angekommen, präsentierten sich die alten Gebäude und die Konzentrationsmühle bei bestem Fotowetter und wurden gleich mit unseren Bikes abgelichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden hier in der Umgebung große Kupfervorkommen mit besonders hoher Konzentration des Erzes (bis zu 80%) gefunden. Diese waren eine der größten je gefundenen Kupfervorkommen. 1938 wurden die Minen von einem Tag auf den anderen verlassen, erst in den 50er Jahren wieder aufgefunden und bis heute restauriert. Während des Betriebes wurde Kupfer im Wert von mehr 200-300 Millionen USD abgebaut. Die Minen um Kennecott versorgten die Welt mit Kupfer für die voranschreitende Elektrifizierung, industrielle Entwicklung und zur Herstellung von Munition für den 1. Weltkrieg. Auch heute noch operiert die „Kennecott Copper Corporation“ (damals gegründet von den Familien Havermeyer, Guggenheim und J.P. Morgan) zahlreiche Minen rund um den Globus.

Der Rohstoff musste irgendwie aus der tiefsten Wildnis Alaskas abtransportiert werden, um ihn dann weiter in alle Welt zu verschiffen. Dazu wurde eine 196 Meilen lange Eisenbahnlinie über Flüsse und durch mehrere Mountain Ranges von Valdez nach Kennecott gebaut. Dies forderte den Arbeitern einiges ab und lange wurden die Ingenieure belächelt, ob dies überhaupt zu schaffen sei. Die Schotterpiste von Chitina nach McCarthy folgt dieser alten Linie und ist zum größten Teil auf der alten Eisenbahntrasse angelegt worden. Am Gilhana River steht noch ein alter verfallener Abschnitt der beeindruckenden Holzbrücke während wir an anderer Stelle den Kuskulana River Canon auf der alten Stahlträgerbrücke von 1910 direkt überqueren. Diese abgeschiedene Gegend hier hat also eine sehr interessante Vergangenheit mit großer Bedeutung für die damalige Zeit.

Direkt vor der Mine bot sich uns ein sonderbarer Anblick, wie auf einem anderen Planeten. Wir sahen eine zerklüftete und dunkle Oberfläche, mehrere Kilometer weit. Die Reste der großen Gletscher vergangener Zeiten lagen in teilweise bizarren Formen vor uns und zeigten uns wie groß dieses Massiv gewesen sein mag. Nun hieß es aber erst einmal absatteln und umziehen, damit wir unsere Tour zu Fuß fortsetzen konnten. Wir wollten einen mit 3,5 km ausgeschriebenen Trail entlang des Root Glaciers wandern, was wir auch taten. Entlang dieses Trail hatten wir immer wieder herrliche Blicke auf die durch den Gletscher geformte Landschaft und auf den Gletscher selbst, bis es plötzlich nicht mehr weiter ging. Wir waren schon ein gutes Stück gewandert, waren uns aber sicher, dass dies nicht das Ende des Trails sein kann. Nach kurzer Suche fanden wir auch eine Alternative und setzten den Weg fort. Doch dieser Weg wurde teilweise sehr interessant und forderte uns eine Menge Überwindung ab, denn der Weg führte genau an der Kante der Gletscherrinne entlang.  Bald merkten wir, dass der Weg kein Ende nehmen wollte. Die 3,5 km hätten längst vorbei sein müssen, dennoch ging es weiter. Nachdem wir langsam an den Rückweg denken mussten und sich die Aussicht nur noch wenig änderte, kehrten wir um, da wir uns auch noch den Root Gletscher aus nächster Nähe ansehen und ihn betreten wollten. Vom Punkt der Umkehr bis zum Ausgangspunkt zeichneten wir den Weg dieses Mal mit GPS auf und siehe da: aus den angegebenen 3,5 km wurden 8 km. Unterwegs trafen wir noch auf eine Vogelfamilie (vermutlich Schneehühner, die Wappentiere von Alaska, genannt Ptarmigan). Eines der Küken blieb bewegungslos vor uns sitzen, während sich der Rest schnell aus dem Staub machte. Aber schnell kam die Mutter zurück, beschützte mutig ihren Nachwuchs in dem sie uns entgegenflatterte und lockte uns schließlich von dem Küken weg indem sie sich krank stellte.

Ziemlich geschafft kamen wir an unseren Bikes an und waren sehr froh nun nicht auch noch zu der Fußgängerbrücke laufen zu müssen. Nun fuhren wir wieder westwärts, kochten am Kennicott River Abendbrot und suchten uns einen Schlafplatz am Rande der Piste. In einem Land wie Alaska geben wir keine 20 USD pro Person für einen Campingplatz aus. Dafür gibt es hier einfach zu viele Möglichkeiten wild zu campen. Bei der Schlafplatzsuche bekamen wir es mit einer der mächtigsten Naturgewalten Alaskas zu tun: Moskitos. Es sind einfach zu viele und man kann sich nicht wirklich wehren, wenn man nebenbei noch ein Zelt aufbauen muss. Der Beste Schutz vor den Attacken dieser fürchterlichen Kreaturen ist für uns, die komplette Motorradmontur vom Stiefel bis zum Helm und Handschuh anzulassen. Doch die unter den Klamotten entstehende Hitze treibt einen an den Rand des Wahnsinns und sorgt für gereizte Stimmung. Wieviel schöner wäre diese Landschaft, wenn es diese Quälgeister nicht gäbe? 


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Auf dem Seeweg

13.-15.06.2014
Nach 5 Tagen umhertouren auf der Kenai Halbinsel bleiben die Bikes wieder für ein paar Tage in der Garage stehen. Der Asphalt soll vorerst durch Wasser abgelöst werden – unsere Gastfamilie nimmt uns mit auf einen 2-tägigen Segelboottrip. Den ersten Abend auf dem Boot verbringen wir noch im Hafen von Whittier. Whittier ist eine kleine Hafenstadt in Prince William Sound, deren Einwohner alle in einem einzigen Hochhaus wohnen. Es gibt also einen Hafen und ein Hochhaus, in dem sich neben den Wohnungen auch alle Geschäfte, Schule, Post usw. befinden.

Am folgenden Samstagmorgen ist es regnerisch und windig. Zum Glück haben wir die Motorradregenkombis mitgenommen, welche als „Ölzeug“ gut zu gebrauchen waren. Mit Motorkraft fahren wir zunächst in ruhigeres Gewässer. Wir steuern eine Steilklippe an, an der hunderte Seemöwen zwischen zwei Wasserfällen ungestört brüten und unter lautem Geschrei umherfliegen. Weiter geht es vorbei an Gletschern, welche leider nicht mehr direkt ins Meer kalben, da sie schon seit Jahrzehnten abschmelzen und sich auf das Land zurückziehen. Sie schimmern blau, was ein Zeichen für die hohe Dichte des Eises ist. Die kurzwelligen blauen Strahlen sind die einzigen, welche vom Eis reflektiert werden, alle anderen Farben werden vom dichten Eis absorbiert.

Nach einer Weile ist die See ruhig genug um die Segel auszufahren. Als der Motor aus ist, gleiten wir über das Wasser. Nach einer Weile holen wir das Segel jedoch aufgrund von Windmangel wieder ein und tuckern mit dem 25PS Motor weiter. Ich stelle mich vorne an den Bug und genieße die seichten Wogen und die sich langsam verändernde Landschaft. Wir halten Ausschau nach Buckelwalen und Orcas welche sich im Sommer hier aufhalten. Doch heute sind sie hier nicht anzutreffen. Dafür entdecken wir einige Seeotter. In ihrer Ausruhposition liegen sie im Wasser auf dem Rücken. Mit auf den Bauch gelegten Vorderbeinen und aus dem Wasser ragenden Füßen betrachten sie interessiert die Umgebung und unser näher kommendes Boot. Das sieht wirklich sehr putzig aus. Ab und an schaut auch ein Seelöwe neugierig aber schüchtern aus dem Wasser. Sobald man sie erspäht hat, tauchen sie auch schon wieder ab.

Nach ca. 3 Stunden Wasserfahrt erreichen wir die Hummer Bay. Das Ufer sieht aus wie in einem Märchenbuch. Wild aussehende Bäume, deren Wurzeln sich in skurrilen Formen die kleinen Steilufer herunterschlängeln, säumen den Rand der Bucht. Kleine Riffe, welche zahlreiche Muscheln und Meerespflanzen beherbergen, sind durch den niedrigen Wasserstand sichtbar. Im Hintergrund erstreckt sich der Märchenwald bis auf zwei Berge hinauf. Zwischen ihnen wird ab und an ein von weißen Wolken verhangener schneebedeckter Gipfel sichtbar. Blickt man zurück, sieht man den Ozean, welcher wiederum von weißen Bergen in der Ferne umsäumt ist. Es ist weit und breit kein Zeichen menschlicher Zivilisation sichtbar. Was für ein beeindruckender Ort.

Am morastigen, grasbewachsenen Ufer bauen wir später das Kajak auf. Gail hatte in der Woche zuvor extra noch ein paar Teile reparieren lassen. Nachdem Stephan und ich den wackeligen Einstieg geschafft haben, gleiten wir nun im Gleichtakt paddelnd übers Wasser. Das Ufer lässt sich nun noch viel besser aus nächster Näher begutachten. Möchte man dem Ganzen noch näher sein, müsste man schon schwimmen. Gail, Ann, Tim und Jack kommen mit dem kleinen Dinkey bzw. Schlauchboot hinterhergefahren und versorgen uns mit Trinkwasser und Müsliriegeln. Was für ein Service, sie meinen es wirklich zu gut mit uns. Wir paddeln hinaus auf die See, welche zum Glück recht ruhig ist und treffen uns an einem verlassenen Strand. Dort schlendern wir umher und begutachten das Strandgut. Der Abend klingt gemütlich auf dem Segelboot aus. Zu fünft (und Jack, der Hund), schlafen wir im Boot in der gut geschützten Bucht. Das Boot bewegt sich kaum und so wird auch niemand seekrank.

Nach Tims köstlichen Blaubeer Pancakes zum Frühstück fahre ich mit Ann nochmal mit dem Kajak raus. Wir entdecken Seesterne in unterschiedlichsten Größen, Farben und Formen mit 5 bis 15 Armen. Der größte hatte einen Durchmesser von ca. 30cm. Mit Tim unternehmen wir anschließend noch eine kleine Wanderung ins Hinterland. Es gibt hier keine Trails, also schlagen wir uns durch den Busch. Ab und an finden wir „Bear Poop“, welcher nicht all zu alt aussieht. Tim führt uns zu zwei kleinen Seen, welche wieder von diesem einzigartigen Märchenwald umgeben sind. Biber haben an dem abgehenden Fluss schon mehrere Staustufen angelegt. Solch riesige Biberdämme habe ich noch nie zuvor gesehen.
Alles in allem war es ein grandioser Bootsausflug in Landschaften, von denen ich noch oft träumen werde. Danke Gail, Ann, Tim und Jack, für diese wunderbare Zeit.


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Die ersten Kilometer

Am Montag (9. Juni) haben wir Anchorage verlassen. Heut ist es bereits Donnerstag und wir haben knappe 1.000 km hinter uns und sitzen nun an einem idyllischen Zeltplätzchen am Skilak Lake. Aber nun erst mal von Anfang an.
Am Montag haben wir es nun endlich geschafft Anchorage vorerst Lebewohl zu sagen und sind mit den Teneres die ersten Kilometer nach der Abholung vom Zoll gefahren. Unsere Route führt uns südlich nach Seward. Die etwas mehr als 200 km konnten wir unter relativ guten Bedingungen zurücklegen. Lediglich in Seward, einer kleinen und verschlafenen Stadt sah es dann nach Regen aus und tröpfelte auch ein wenig. Auf der Suche nach einem Schlafplatz fanden wir einen Campingplatz in der Nähe des Exit Glacier, der auch gleichzeitig das Ausflugsziel des nächsten Tages sein sollte. Was will man mehr?
Am Dienstag wagten wir uns dann auf den Harding Icefield Trail der am Exit Glacier beginnt. Dieser Trail dauert 6 bis 8 Stunden und führt zu einem Aussichtspunkt, bei dem man einen Teil des riesigen Eisfelds (80 x 48 km) bestaunen kann. Bereits auf dem beschwerlichen Weg dahin konnten wir schöne Blicke auf den Exit Gletscher erhaschen, der seinem Namen aus dem Grund bekam, weil man über ihn das Harding Icefield am einfachsten verlassen kann. Neben Murmeltieren und Hamstern haben wir leider keine anderen Tiere gesehen. Wir warten schon sehr darauf unseren ersten freilebenden Bären oder Elch (Moose) zu sehen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich wenn man sich über Bärenkacke am Wegesrand freut. Solange ich hier aber noch keinen freilebenden Bären gesehen habe, halte ich das Ganze für einen gelungenen Marketing-Gag.
Der Aufstieg zum Aussichtspunkt war ziemlich kraftraubend und hinzukam, dass die Sicht immer schlechter wurde, je höher wir wanderten. Zwischendurch fragten wir uns schon, ob es noch Sinn macht, weiter zu laufen. Nicht dass wir am Ende angekommen sind und nichts mehr vor lauter Wolken sehen können. Aber aufgeben kam nicht in Frage, obwohl uns schon einige entgegen kamen, die nicht am Ziel waren. Zähne zusammenbeißen und weiter ging es und schon bald sahen wir dann auch das Ziel. Kaum angekommen klarte auch der Himmel auf und zeigte uns die riesige Fläche in seiner vollen Schönheit.
Auf dem Weg nach unten trafen wir noch zwei Schweizer mit denen wir uns noch kurz über die Schönheit Alaskas unterhielten. Unten angekommen sahen wir uns noch das Ende des Gletschers an. Beeindruckend ist, dass der Gletscher noch 1899 bis circa zu unserem Campingplatz reichte. Grob geschätzt sind das gute 3 km.
Am Mittwochmorgen hieß es dann wieder Sachen packen. Es geht weiter nach Homer. Bestes Wetter begleitet uns während der Fahrt. Diese ist jedoch recht eintönig. Endlos lange Geraden und wenig interessante Landschaften dominieren den Großteil der Strecke. Ein Tempomat für unsere Motorräder wäre hier eine feine Sache. Viele Meilen später bekommen wir starke Böen ab und sehen zu unserer Rechten (Westen) zahlreiche Bergspitzen zwischen den Bäumen am Straßenrand. Wenig später sehen wir auch, dass wir durch viel Wasser von diesen Bergspitzen getrennt sind. Bei den Windböen müssen wir schon ordentlich aufpassen, aber das tun wir ja ohne hin, da ein spontaner Wildwechsel jederzeit möglich ist und mit den vollbeladenen Bikes kein Zuckerschlecken darstellt. Uns siehe da, da steht auch schon unser erstes Moose am Straßenrand und bittet um ein Fotoshooting. Nur zu nahe sollen wir ihm nicht kommen. Aber bevor wir überhaupt an Fotos denken können, hießt es erst mal das Motorrad aufrichten, denn dieses ist mir auf dem losen Untergrund umgefallen. Hier merkt man wieder wie viel Zusatzgewicht man mit sich führt. Das Schlimme ist, dass sich parallel zum Highway links und rechts eine kleine Endurostrecke befindet auf der ab und zu Quads oder Off-Road-Motorräder ihren Spaß haben. Diese Strecke ist bestimmt fast 20 Meilen lang und weckt auch in mir die Lust nicht nur der asphaltierten Straße zu folgen. Aber dieser Gedanke wird schnell wieder at acta gelegt, wenn man an den Ballast an Bord denkt.
In Homer angekommen, ist das Wetter auch wieder freundlicher und wir fahren direkt zu Homer Spit, einer schmalen Landzunge, auf der man auch campen könnte. Restaurants, Hotels und ähnliche Touri-Einrichtungen finden sich da zu Hauf und lassen uns schnell den Rücktritt antreten und nach einer gemütlichen Übernachtungsmöglichkeit suchen. Eigentlich hatte uns Gail aus Anchorage einen Kontakt hier vermittelt, aber leider waren wir schon etwas zu spät und trafen diesen nicht mehr an. Was aber nicht weiter schlimm war, da wir bereits einen gemütlichen Schlafplatz, etwas oberhalb von Homer, mit einem herrlichen Panorama auf die Berge und Gletscher gefunden hatten. Hier ließen wir den Tag dann gemütlich ausklingen.
Am Morgen darauf wollten wir uns noch die Tide-Pools ansehen fanden, aber nur ein paar mickrige Pfützen, welche die Flut übrig gelassen hat. So ging es also wieder auf dem Rückweg nach Anchorage mit einer Übernachtung am Skilak Lake, wo wir von Mücken gefressen werden. Ein kurzes Bad in dem durch einen Gletscher gespeisten See brachte den Kreislauf so richtig in Schwung. Dass der See von einem Gletscher gespeist wird, haben wir erst nach dem Bad gelesen.
Morgen geht’s weiter nach Anchorage, wo wir uns wieder mit Gail und ihrer Familie zu einem Bootsausflug treffen.


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Kalte Füße

Die Motoräder stehen sicher in der Garage. Irgendwie sind wir bisher nicht dazu gekommen, mit ihnen zu fahren. Es gibt einfach zu viel Anderes zu tun. Wir haben schon Ersatzkanister besorgt (je eine Gallone = 3,8L), um lange Durststrecken in Alaska und Kanada zu überstehen. Direkt am zweiten Tag haben wir eine Radtour an die Küste gemacht, 20km mal eben nach dem Abendbrot, zusammen mit unserer Gastgeberin Gail, welche trotz ihrer 60 Jahre noch sehr fit ist. Am Strand erklärt uns Gail, dass wir niemals bei Ebbe auf den matschigen Untergrund gehen sollten. Es sind schon einige Leute im Schlamm stecken geblieben und haben es nicht mehr geschafft, der Flut zu entkommen. Auf dem Heimweg erzählt sie uns einige Interessante Dinge über Bären. In Anchorage leben ca. 350 Exemplare. Wir hatten uns vorher schon belesen, was man über Bären und deren Verhalten wissen sollte. Sollte es zu einer Begegnung kommen, soll man nicht weglaufen und sich durch langsames Winken und rufen als Mensch zu erkennen geben. Bären welche im Stadtgebiet leben, sind es gewohnt Menschen zu beobachten. Daher wäre ein solches Verhalten in diesem Fall eher kontraproduktiv und man soll einfach das fortsetzen, was man gerade im Begriff war zu tun.

Am Freitag wollten wir uns ursprünglich schon auf den Weg in Richtung Sewards und Kenai Peninsula machen, doch Tim und Gail boten uns an noch etwas länger zu bleiben und die Gegend um Anchorage zu erkunden. Wir entschlossen uns gemeinsam eine Wanderung zu einem Gletscher zu unternehmen. 1,5 Autostunden südlich von Anchorage beginnt der Portage Pass Trail. Zum ersten Mal ging es für uns in die Wildnis Alaskas und in der Tat wurde es etwas abenteuerlich. Wir ließen den Ozean hinter uns und nachdem wir den ersten größeren Hügel erklommen haben, eröffnete sich uns ein grandioser Blick auf den Portage Glacier (Gletscher). Ann ist eine aktive Geo-Cacherin, also beteiligten wir uns gern während der Wanderung an der Schatzsuche. Immerhin fanden wir 3 Caches. Wir verloren den Pfad und schlugen uns durch Busch und Unterholz. Ab diesem Moment begannen wir Lieder zu singen und zu Pfeifen, um Bären auf uns aufmerksam zu machen und sie nicht zu überraschen. Zurück auf dem Pfad treffen wir zwei Wanderer mit nassen Schuhen. Sie erzählten uns sie seien bis zum Rand des Gletschers vorgedrungen und haben dabei knietief einen Fluss durchquert. Klingt interessant. Unten am Gletschersee angekommen (Portage Lake) machen wir uns selbst ein Bild von der Lage. Tatsächlich, links am See vorbei gibt es eine Möglichkeit zum Gletscher zu kommen, nur der Fluss, der von einem weiter oben liegenden Gletscher gespeist wird, liegt dazwischen. Das Wasser fließt schnell, wir können nicht richtig sehen, wir tief es wirklich ist. Vielleicht gibt es weiter oben eine Stelle wo wir den Fluss über Felsen überqueren können. Wir kraxeln flussaufwärts, doch die Felsen sind zu weit auseinander und zu glitschig. Es wäre zu gefährlich es nur zu versuchen.

Wieder unten suchen wir nach der besten Kombination, aus möglichst schmalem Flussarm und flachen Wasser. Es gibt keine Diskussion, wir alle wollen rüber. Gail ist die erste, welche die Schuhe auszieht. Wir hatten keine Lust den ganzen Heimweg mit nassen Schuhen zu gehen. Also blieb nur übrig, diese auszuziehen. Es sollte die härteste Kneipp Kur unseres Lebens werden. Knietief durch eisiges Gletscherwasser (so kalt kann es aus keinem Wasserhahn kommen), über felsiges, steiniges Flussbett – es gibt schönere Momente. Nämlich dann, wenn der Schmerz nachlässt. Der Strom ist erstaunlich stark, man muss aufpassen, nicht reinzufallen, nicht auszudenken, was passieren würde. Wir müssen zwei Flussarme durchqueren. Durch die eisige Kälte werden die Füße so taub, dass man wenigstens die Steine nicht so sehr spürt. Es ist ein innerer Kampf – einerseits will man schnell drüben sein, andererseits sollte man nicht riskieren zu stürzen.  Am anderen Ufer angekommen, sind meine Beine knallrot – it look`s like a chicken. Wir alle wissen, dass wir wieder durch den Fluss zurück müssen, es gibt keinen anderen Weg. Dennoch haben sich die Strapazen gelohnt. Der Gletscher sieht aus der Nähe wunderschön aus. Das Eis schafft bizarre Formen. Aufgrund der hohen Dichte des Eises schimmert es blau. Ab und an hören wie ein gewaltiges Knacken im Inneren des Eises.  Ein köstliches Bananen-Erdnussbutter-Sandwich macht uns fit für den Rückweg. Ob wir alle wieder heil durch den Fluss kommen?

 


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Guter Start in Anchorage

Nachdem unser Flug in Frankfurt mit über 2 Stunden Verspätung  gestartet ist, dachten wir schon: „Das fängt ja gut an.“ Aber was soll, auf die paar Stunden kommt es bei unserer Reise nicht an.  Außerdem hatten wir das Glück, dass wir in Reykjavik unseren Anschlussflug trotz der Verspätung bekommen hatten. Andere Mitreisende hatten da weniger Glück, wenn man den Info-Monitoren trauen konnte. Später haben wir festgestellt, dass wir unseren Anschlussflug gar nicht verpassen hätten können, da es der gleiche Flieger war mit dem wir angekommen sind.

Auch das Auschecken in Anchorage verlief problemlos. Einem Officer fielen unsere Tankrucksäcke auf und er fragte uns direkt, ob wir mit Motorrädern unterwegs sind. Nachdem wir dies bestätigten und er merkte, dass wir aus Deutschland kommen,  wusste er sofort Bescheid. Denn wie es der Zufall so will, hatte er einen Tag zuvor unser Teneres inspiziert und für die Zollformalitäten fertig gemacht. Positiverweise fiel ihm auch auf, dass wir uns sehr viel Mühe beim Putzen der Bikes gemacht haben. Er gab uns gleich noch die Adresse und Telefonnummer des Logistikunternehmens bei dem die Motorräder standen. Da uns diese Info bis dato noch nicht zur Verfügung stand, erleichterte dies den weiteren Ablauf ungemein.

Wenige Minuten später wurden wir von unserer SERVAS Gastfamilie herzlich empfangen. Wir wollten  eigentlich nur die ersten beiden Tage mit Ihnen verbringen, nun ist es bereits der 4. Nachdem wir feststellen mussten, dass wir zu spät waren, um  unsere Motorräder vom Zoll freigeben zu lassen, brachten uns  Gail, Tim und Ann erst einmal nach Hause. Bereits der Weg dahin war beeindruckend. Die vielen Berge im Hintergrund von Anchorage und die breiten Straßen sowie die vielen Pickups boten ein deutlich anderes Bild, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Am Donnerstag ging es dann abermals zum Zoll und dem Logistikunternehmen, wo wir unsere Bikes ohne Probleme in circa 30 Minuten in Empfang nehmen konnten. So entspannt hatten wir uns das nicht vorgestellt. Ob alles so einfach ohne die Hilfe von Gail abgelaufen wäre, wage ich zu bezweifeln. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle.

Nun hieß es die Motorräder von der mühsam zusammengebauten Kiste zu befreien, die uns noch vor der Abreise reichlich Kopfzerbrechen bereitet hat. Denn nachdem wir die Kiste ohne Festholzanteile fertiggestellt hatten, um eine Zertifizierung (Begasung oder Hitzebehandlung gegen Ungeziefer) zu vermeiden, wollte man plötzlich ein „Non-wood Zertifikat“ (von dem uns vorher niemand etwas gesagt hatte). Einmal mehr konnten uns Christian und Verena hier aus der Patsche helfen, sodass unsere Kiste am 3. Juni versendet werden konnte. Manchmal frage ich mich, ob die Kiste pünktlich angekommen wäre, wenn uns die Beiden nicht geholfen hätten.  Nach der Befreiung der der Teneres ging es dann erst mal zu Tankstelle, wo wir 40$ für circa 4 Gallonen Benzin bezahlt haben. Da macht Tanken noch Spaß.

Seit dem stehen die Bikes jedoch in der Garage unserer Gastfamilie, da diese uns ein ausgewogenes Unterhaltungsprogramm in Anchorage und Umgebung angeboten haben, bei dem wir nicht nein sagen konnten. Bereits jedes Frühstück ist ein kleines Naturspektakel für uns. Mit direktem Blick auf einen kleinen See kommen Enten- und Gänsefamilien mit ihrem Nachwuchs vorbeimarschiert und manchmal lässt sich auch ein Seeadler relativ nahe beobachten.

 

Viel besser hätte unsere Reise nicht anfangen können.

 


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