Good bye USA – Hola Mexiko

San Diego

(24. – 29. November)

Nach der unspektakulären Fahrt auf der Interstate kommen wir am Nachmittag bei Dave und Karen an, die uns bereits im Vorfeld alle Informationen gegeben haben, um es uns gemütlich zu machen, falls sie noch nicht da sind, was auch der Fall war. Es ist immer wieder ein komisches Gefühl für uns in ein fremdes Haus zu gehen, wenn deren Besitzer nicht da sind und man sie noch nicht mal wirklich kennt. Früher habe ich solche Geschichten kaum geglaubt, aber so etwas passiert einem zumindest im Kreis der Reisenden öfters als man denkt. Wenig später kommen dann auch die Beiden an und zeigen uns unser Zimmer. Dave selbst fährt auch Motorrad und hat eine schöne BMW für die Reise sowie eine Husqvarna für die etwas sportlicheren Wege, die er gern mit seinem Sohn bestreitet. Kaum haben wir unsere Sachen verstaut, gibt es auch schon einen „kleinen“ Snack, bei dem es uns besonders der Manchego Käse angetan hat. Viel Zeit haben wir nicht, denn wir sind schließlich mit Randy, Daniel, Joey und ner Menge anderer Biker in einer amerikanischen Sportsbar
verabredet. Dort treffen wir dann auch Mr. JaJa einen in den dortigen Kreisen sehr bekannten Biker. Er kommt ursprünglich aus Deutschland, lebt nun aber schon viele Jahre in den USA und heißt eigentlich Udo. Mit ihm, Joey und Dave unterhalten wir uns einen Großteil des Abends und lassen uns das Essen schmecken. Daniel wurde wieder dazu verpflichtet über seine Reisetätigkeit zu berichten. Den nächsten Tag sehen wir Randy, Daniel und Joey nochmal wieder, allerdings dann in etwas kleinerer Runde beim gemütlichen Abendessen am Ocean Beach. Zur Runde hinzugesellt hat sich Ingo, eine guter Bekannter von Joey und Daniel. Er ist auch auf einer Motorradreise und ist gerade in LA mit seiner Tenere angekommen. Die drei werden nun einen Teil ihrer Reise gemeinsam fortsetzen und wenn alles klappt, werden wir uns auf dem Weg nach Süden auch noch ab und zu mal über den Weg laufen. Mit leckerem selbstgemachten Popcorn lassen wir dann den Abend bei Karen und Dennis ausklingen.

Mit Ham&Eggs starten wir in den Mittwoch, als „Nachtisch“ schauen wir eine DVD von Motorradfahrern über Mexiko und werden so schon ein wenig für den dortigen Verkehr sensibilisiert. Der Film entkräftigt einige Vorurteile und lässt uns etwas entspannter der Zeit in Mexiko entgegensehen. Zu oft schauten wir in der Vergangenheit in erstaunte Gesichter, wenn wir erzählten, dass wir nach der USA durch Mexiko fahren. Reaktionen wie: „Ist das nicht gefährlich?“ sind keine Seltenheit. Ganz zu schweigen von der Internetseite des Auswärtigen Amtes, die von Reisen durch Mexiko quasi gänzlich abraten. Nichtsdestotrotz haben wir gemischte Gefühle was Mexiko angeht. Zur Verabschiedung gibt es noch ein leckeres Lunch auf der Terrasse bei Dennis und Karen, mit einem grandiosen Ausblick über die Stadt. Kurz verschnaufen und dann satteln wir auch schon Mopeds und machen uns auf zu Lauren und Jack, die unsere letzten Hosts in den USA sind und nur unweit der mexikanischen Grenze leben. Zuvor lassen wir uns aber noch bei Randy und 3 deutschen Motorradreisenden blicken. Neben kurzweiligen Gesprächen macht Daniel mit unseren beiden vollbepackten Maschinen jeweils eine kurze Testfahrt und kommt kopfschüttelnd zurück. Er zeigt ausführlich was wir besonders bei Ullis Tenere bereits vermutet hatten. Die hintere Federung ist mehr als nur überholungsdürftig. Bereits im Vorfeld hatte Ulli oft mit den schlechten Straßenbedingungen zu kämpfen. Das Durchschlagen der Federung bis zum Anschlag kam gelegentlich bei schlechten Straßen vor. Wir gingen jedoch nicht davon aus, dass das Federbein so abgenutzt sei und dachten eher, dass es an der Tieferlegung liegt. Die Federung an meiner Tenere ist zwar noch lange nicht so weich wie bei Ullis Bike, jedoch ist auch hier an eine Erneuerung oder Überholung, schon aus Sicherheitsgründen, zu denken, vom Fahrkomfort ganz zu schweigen. Das Thema Federbein wird uns nun eine ganze Weile beschäftigen. Den schleichenden Verschleiß haben wir leider nicht richtig mitbekommen, was vermutlich auch an den vielen Kilometern, die wir in der letzten Zeit auf „normalen“ Straßen zurückgelegt haben, zurückzuführen ist. Mit einem etwas mulmigen Gefühl müssen wir nun weiter, um nicht zu spät zu Jack und Lauren zu kommen.
Bei einem Abendessen im Kerzenschein lernen wir die Beiden näher kennen. Beide reisen gern und haben schon viel von der Welt gesehen. Viele Mitbringsel aus den verschiedenen bereisten Ländern schmücken ihre Wohnung, sodass es immer genug über die erlebten Abenteuer zu erzählen gibt.
Der nächste Tag ist ein ganz besonderer Tag. Es ist „Thanksgiving“, eine amerikanische Form des Erntedankfests, welches am letzten Donnerstag im November gefeiert wird und sich aber stark von den in Europa zelebrierten Formen unterscheidet. Bevor wir aber all den Köstlichkeiten frönen können, gehen wir mit Jack auf eine ausgiebige Wanderung und bereiten im Anschluss mit Lauren einen vegetarischen Truthahn für das Familienessen vor.

Danach fahren wir auch gleich zu Sandy und Skip in Mira Vista und lernen hier nach und nach die große Familie kennen. Währenddessen wird auch in der Küche allerhand vorbereitet. Wir staunen nicht schlecht was da so alles zum Vorschein kommt und wie gut es duftet. Neben Süßkartoffeln, Cranberry-Soße und anderen uns namentlich nicht bekannten Köstlichkeiten durfte natürlich der obligatorische Truthahn nicht fehlen. Nicht unser vegetarischer, sondern ein echter Truthahn. Nachdem dieser dann angemessen zerkleinert wurde, konnte es losgehen und das große Festmahl beginnt. Man weiß gar nicht was man zu erst probieren soll. Jedes Mal wenn ich jetzt wieder einen amerikanischen Film mit Thanksgiving-Szenen sehe, wird mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Am späteren Abend, bereits wieder zu Hause bei Lauren und Jack, fragte uns Lauren ob wir nicht noch einen Tag länger bleiben wollen und mit ihr den Zoo besuchen, dem wir natürlich sofort zusagten. Denn der Zoo in San Diego gehört mit seinen 40ha (Berlin 35 ha, Wilhelma 30 ha) und circa 800 Tierarten zu den größten und schönsten Zoos der Welt. Besonders angenehm ist, dass der Zoo weitgehend ohne sichtbare Zäune auskommt, aber ein für die meisten Besucher wichtigerer Aspekt ist die Nachzucht der seltenen Pandabären, was dem Zoo auch internationale Anerkennung eingebracht hat. Bei einem Eintrittspreis von $48 wären wir dennoch nicht in den Zoo gegangen, aber zum Glück hat Lauren eine Jahreskarte mit der sie einige Besucher mehr mitnehmen kann. So lernen wir unter anderem Speed, die 150 Jahre alte Galapagos-Schildkröte kennen und verbringen einen erlebnisreichen Tag im Zoo.

Am nächsten Morgen, ja es ist wirklich noch früh, müssen wir wieder einmal Abschied nehmen. Da wir relativ zeitig starten wollen, um möglich viele Kilometer an diesem Tag zwischen uns und die mexikanische Grenze zu bringen, steht Lauren auch zeitig auf, um uns „Good Bye“ zu sagen. Von Jack haben wir uns bereits am Abend verabschiedet. Nach nun gut 6 Monaten geht unser Abenteuer in eine neue Runde. Mexiko wird anders, als all das was wir bisher kennengelernt haben.

 

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Verhängnisvolle Bekanntschaft

Riverside – Verhängnisvolle Bekanntschaft

(17. – 24. November) Bei dieser Bekanntschaft handelt es sich um Cassiano, der gemeinsam mit zwei Freunden aus Brasilien von Riverside aus zum nördlichsten auf einer Straße zu erreichenden Punkt Alaskas gefahren ist – Prudhoe Bay – und zurück.

___cassiano

 

Kennengelernt haben wir ihn im Yellowstone Nationalpark, als wir uns um Fotos von Hirschen zu schießen, eine Einbahnstraße in die nicht bevorzugte Richtung gefahren sind, da ich die Hirsche erst im Vorbeifahren gesehen hatte. So mussten wir also zurück zu einer kleinen Parknische und da standen der Nitro und seine Insassen. Bevor wir überhaupt zum Fotografieren kamen, waren wir bereits in ein Gespräch verwickelt. Leider konnten seine Mitfahrer, die für die Tour durch den Park von den Bikes in das Auto umgestiegen sind, kaum Englisch und wir noch zu wenig Spanisch bzw. kein Portugiesisch, sodass ein Großteil des Gesprächs über Cassiano lief. Er fuhr mit seinem Dodge Nitro und seine Freunde mit 2 Kawasaki KLR 650. Die gesamte Strecke legte das Team in weniger als einem Monat zurück. Das ist zwar nicht unsere Art zu Reisen aber dennoch ziehen wir den Hut vor dieser Leistung. Für uns ist das kaum vorstellbar, aber nachdem er uns klar macht, dass so ziemlich das gesamte Gepäck der Beiden im Auto war, können wir uns gut vorstellen wie die Drei über die Piste gefegt sind. Da sie am Ende des Tages auch keinen Zeltplatz suchen mussten und in Hotels übernachteten, konnten sie länger am Tag fahren als es bei uns möglich ist. Somit konnten sie am Tag deutlich mehr Kilometer hinter sich bringen. Aber wie schon gesagt, ist das ist nicht unsere Art zu reisen. Nach den Fragen woher und wohin stellte sich schnell heraus, dass wir quasi auf dem Weg in den Süden bei ihm vorbeikommen und so lud er uns spontan ein, ihn in zu besuchen, wenn wir in der Nähe sind. Und da sind wir nun.

Für genügend Gesprächsthemen ist hier ohne Zweifel gesorgt. Den ganzen Abend können wir über das Erlebte philosophieren und keinem wird dabei langweilig, da all die Erlebnisse noch einmal am geistigen Auge vorbeiziehen. Etwas später gesellt sich dann auch Mariana zu uns, die gerade von der Arbeit aus ihrem brasilianischen Restaurant nach Hause kommt. Etwas von einer Erkältung angeschlagen und von der Arbeit geschafft, nimmt sie sich trotzdem die Zeit in den Plausch mit einzusteigen. Da es allerdings schon recht spät ist, vertagen wir unsere Gespräche wenig später auf morgen.

Bereits im Vorfeld haben wir in Absprache mit Cassiano neue Vorderreifen bestellt und zu ihm liefern lassen, sodass wir den Vormittag genug zu Tun haben. Ich will zwar nicht von Routine sprechen, aber langsam gelingen uns die Reifenwechsel immer besser bzw. einfacher. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es die Vorderreifen sind, die generell besser zu montieren sind. Besonders von Vorteil ist, dass wir hier einen Kompressor zur Verfügung haben und nicht selbst pumpen müssen. Die verbleibende Zeit nutzen wir wieder für unseren Blog und die Kommunikation in die Heimat. Am Abend besuchen wir Marianas Restaurant und treffen uns dort mit 3 Freunden von Cassiano. Einer davon heißt Markus und kommt aus Freiburg. Gemeinsam können wir nun deutsch sprechen und die 3 Brasilianer auf die Schippe nehmen, so wie sie es immer mit ihm gemacht haben. Aber das ist alles nur Spaß. Gemeinsam lassen wir uns das leckere brasilianische Buffet schmecken.

Den nächsten Morgen beginnen wir mit einem ausgiebigen Frühstück und reden mehrere Stunden ohne zu merken wie die Zeit vergeht. Dieses Mal aber weniger über die Motorradreisen, sondern eher über Brasilien und Deutschland. Dabei machen uns die Beiden ihr Heimatland so richtig schmackhaft. Eigentlich war ein Besuch von Brasilien nicht in unserer Planung vorgesehen, aber langsam kommen wir ins Grübeln, ob es vielleicht nicht mehr Sinn macht den südlichsten Teil unserer Strecke für einen Besuch in Brasilien zu opfern. Wir werden sehen was die Zeit bringt. Eine Planung so weit im Voraus macht nach unseren derzeitigen Erfahrungen eh kein Sinn, da sich Pläne ständig ändern. Nach dem langen Gespräch machen wir uns auf den Weg in die Stadt um einige Besorgungen zu machen. Dazu zählt zum Beispiel der Kauf einer kleinen Kamera für Mexiko, um nicht immer mit den großen Spiegelreflexkameras rumzulaufen, die die Wahrscheinlichkeit eines unfreiwilligen Eigentumswechsels deutlich vergrößern würden. Wir entscheiden uns für die Canon SX700 HS mit 30fach Zoom und einer gescheiten Bildqualität. Natürlich ist die nicht mit den DSLRs zu vergleichen, macht aber einen guten Job. Auf unserer Liste stehen dann auch noch ein paar Landkarten für Zentral- und Südamerika, da diese vor Ort nur selten und wenn dann nicht in gewünschter Qualität vorhanden sein sollen. Aber auch Saure Eier stehen wieder einmal auf dem Speiseplan, sodass wir auch diese Zutaten einkaufen. Den Tag lassen wir dann wieder bei einer ausgiebigen Gesprächsrunde ausklingen. Immer wieder kommen wir auf schöne Orte in Brasilien zu sprechen und immer mehr grübeln wir, wie sich dies auf unsere Reiseplanung auswirken wird.

Auf so einer langen Reise soll es dann auch vorkommen, dass man seinen Geburtstag nicht wie üblich zu hause mit Familie und Freunden feiert, sondern bei Fremden. So ist es dann auch an diesem Donnerstag, ich habe Geburtstag. Aber Fremde sind Cassiano und Mariana schon lange nicht mehr. Es ist eher erstaunlich wie gut wir uns in den letzten Tagen kennengelernt haben, fast schon wie gute alte Freunde. Deshalb sollte es mich eigentlich nicht verwundern, als Cassiano plötzlich mit einem kleinen Geschenk für mich um die Ecke kommt. Dennoch bin ich sehr erstaunt und als ich dann auch noch ein kalifornisches Nummernschild auspacke, bin ich mehr als nur gerührt, fast schon den Tränen nahe. Damit hätte ich beim besten Willen nicht gerechnet. Und wie selbstverständlich gab es auch noch einen verdammt leckeren Geburtstagskuchen.
Vielen Dank für diese schöne Überraschung!
Später am Tag kümmern wir uns noch um eine Versicherung für die Bikes in Mexiko. Ein Freund von Cassiano macht uns ein gutes Angebot, jedoch ist das nicht so einfach, dass wir am Montag noch mal vorbeikommen sollen. Theoretisch kann man die Versicherung auch in Mexiko an der Grenze abschließen, diesen Stress wollten wir uns aber ersparen, da wir dort genug andere Formalitäten erledigen müssen.

Am Wochenende fahren wir in einen Motorradladen, da sich Cassiano eine neue Motorradjacke kaufen will. Der Laden ist riesengroß und würde vermutlich jedem Biker in Deutschland das Herz höher schlagen lassen. Es ist einfach genial so viele unterschiedliche Marken an einem Ort zu finden, da kann man die Passform, Funktion und Optik genau vergleichen und muss nicht erst zwischen verschiedenen Läden hin und her fahren. So ist es kein Wunder, dass er eine passende Jacke findet. Auch wir holen uns etwas Ersatzbremsflüssigkeit, da unsere nun schon vor über 6 Monaten geöffnet wurde, als wir unsere Teneres in Deutschland vorbereitet hatten und machen uns dann auf den Weg zurück. Kurz ausruhen und dann geht es weiter nach San Diego zu einem BMW-Händler. Nein, wir wollen keine neuen Bikes! Wir haben von Randy, der uns für später eine Unterkunft in San Diego organisiert hat, gehört, dass ein deutsches Pärchen, was ebenfalls auf einer Motorradtour ist, dort ihr Reise-Video zeigen will. Dort angekommen kribbelt es Cassiano richtig unter den Fingern, als er all die netten Bikes dort sieht. Wir kommen ebenfalls aus dem Staunen nicht heraus, als wir die Bikes der Reisenden erblicken, um genauer zu sein, deren Nummernschilder erkennen: „DD“ (Dresden) steht da drauf. Das ist ja mal ein Zufall. Schnell schauen wir uns um, wo die Besitzer der Bikes stecken und erblicken zuerst Joey. Sofort kommen wir mit ihr ins Gespräch und auch sie ist etwas überrascht Besuch aus der Heimat hier zu haben. Daniel sehen wir wenig später als er beginnt seinen Film anzumoderieren. Sein Film “Somewhere Else Tomorrow” ist einfach nur genial und sorgt für Gänsehaut bei mir.

Wenn wir nicht schon auf der Reise wären, wären wir es mit Sicherheit nach diesem Film. Die Kameraführung beeindruckt mich sehr und ich frage mich wie ich einige Sachen auch für uns nutzen kann. Leider fehlen mir hier einfach die Übung und manchmal sicherlich auch die Motivation. Denn manchmal ist es schon zu viel, zu stoppen und die Kamera für ein Foto heraus zu holen. Wie soll das dann erst mit dem Filmen werden? Aber auch die Story und deren Erzählweise gefallen mir sehr. Ich bin schon sehr auf eine Fortsetzung gespannt. Nach dem Film haben wir nur noch kurz Zeit zu plaudern, da noch viele Interessierte mit den Beiden sprechen wollen. Zum Glück haben wir am Montag noch mal die Chance die beiden wiederzusehen und uns dann ausführlicher zu unterhalten.

Die für den Sonntag geplante Fahrt zum Joshua Tree Nationalpark fällt wegen starkem Wind aus. So können wir mal wieder eine Datensicherung der Fotos machen und ein Paket mit Souvenirs und einer externen Festplatte zusammenstellen, welches wir am Montag per Post in die Heimat schicken können. Auch die letzten Abende haben wir uns ausdauernd mit den beiden Brasilianern unterhalten. Oft ging es um die schönen Gegenden in den jeweiligen Heimatländern, die man mal gesehen haben sollte. So schüren Cassiano und Mariana immer mehr unser Interesse an Brasilien. Ein paar Lektionen mit Deutschunterricht sind ebenfalls Teil der Unterhaltung, was besonders gut bei Mariana ankommt. Obwohl wir noch gar nicht losgefahren sind, vermissen wir jetzt schon die Beiden und unsere Gesprächsrunde am Abend. Wer hätte das gedacht, dass aus einem kurzen Plausch im Yellowstone Nationalpark in so kurzer Zeit eine so intensive Freundschaft entstehen kann. Wir hoffen die beiden bald wiederzusehen, sei es auf der Piste, wenn Cassiano mit seinen Freunden den Weg nach Süden bestreitet, oder in Brasilien, falls wir es schaffen unsere Pläne dementsprechend anzupassen oder in Europa, falls die beiden hier mal Urlaub machen.

Früh am Montagmorgen verabschiede ich mich von Cassiano, der zeitig zur Arbeit muss. Ulli und Mariana schlafen noch. Einige Stunden später verabschieden wir uns auch von Mariana und machen uns auf den Weg in die Stadt, um das Paket mit den Souveniren und der Datensicherung sowie ein kleines Päckchen mit auf der Reise gesammelten Samen von Bäumen für einen Freund abzuschicken. Der Abschluss der Motorradversicherung für Mexiko steht auch noch auf dem Plan. Bei der Post geht es leider nicht so reibungslos wie wir erhofft haben, da wir, man kann es kaum glauben, das falsche Klebeband genommen haben, um das Paket zuzukleben. Dies ist in unseren Augen mehr als lächerlich, aber darüber möchte ich mich hier gar nicht weiterführend auslassen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als das von uns verwendete graue Tape zu entfernen und durch das „besonders günstige“ Paketklebeband der Post zu ersetzen. So ein Schwachsinn! Nachdem wir diese Herausforderung nun auch gemeistert haben, fahren wir auf kürzestem Weg nach San Diego zu Dennis und Karen. Diesen Kontakt hat uns Randy, der das Forum der San Diego Adventure Riders betreibt, vermittelt. Aber Randy kennen wir eigentlich auch erst seit der Filmvorführung von Daniel und Joey persönlich. Zuvor hatte der Bruder von Susan, die wir im Jasper Nationalpark in Kanada kennengerlernt hatten, den Kontakt zu Randy hergestellt. Dieser wiederum dachte bei unserer ersten Kontaktaufnahme, dass wir Daniel und Joey sind. Es kommt halt nicht all zu oft vor, dass in San Diego gleich 2 deutsche Motorradreisepärchen bei einem anklopfen.

 


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Los Angeles

LA – Stadt der Engel

(8. – 17. November)

Heute fahren wir weiter nach Los Angeles. Auf dem legendären Highway 1 fahren wir gen Süden, passieren das schöne Küstenstädchen Monterey und machen eine Übernachtung in den Bergen nahe der Küste. Von hier aus können wir einen schönen Sonnenuntergang über dem Meer beobachten. Auf Grund der Höhe ist die Nacht wieder ziemlich frisch, aber zum Glück nicht so kalt wie in den Bergen des Sequoia Nationalparks. Nach einem kleinen Frühstück fahren wir auch schon weiter. Einige Kilometer südlich von Carmel beginnt für uns einer der schönsten Abschnitte des Highway 1. Durch zahlreiche Kurven und über Brücken geht es direkt an der Steilküste entlang. Hin und wieder durchqueren wir Eukalyptushaine und saugen die minzige Luft während der Fahrt förmlich in uns auf. Auf dem Weg kommen wir kurz vor San Simeon an einer Seeelefanten-Kolonie vorbei. Dort machen wir einen kurzen Stopp, um uns die imposanten Tiere unmittelbar aus der Nähe anzusehen. Gegen Mittag erreichen wir Santa Barbara. Da uns diese Stadt auf Anhieb gefällt, überlegen wir hier zu übernachten. Leider finden wir hier keine entspannte Übernachtungsmöglichkeit. Bei unserer Suche machen wir auch an einer Einfahrt stopp, um in der Karte nach anderen Möglichkeiten zu schauen und gerade als wir wieder losfahren wollen, kommt ein größeres deutsches SUV die Straße entlang und biegt in die Einfahrt ein in der wir stehen. Eine adrett gekleidete Frau steigt aus. Sie ist vermutlich zwischen 45 bis 55 Jahre alt. Es fällt uns nicht leicht ihr Alter zu schätzen, da die Vermutung einer (oder mehrerer) Schönheits-OPs nicht fernliegt. An Ihren Handgelenken und um ihren Hals trägt sie wahrscheinlich ein kleines Vermögen mit sich herum. Wir sind zwar alles andere als Experten, was das angeht, aber als dann nach kurzer Zeit im Gespräch mit uns auch noch ein älterer Herr auf der Straße stoppt und aus seinem Ferrari mit ihr über den Kauf von Gemälden spricht, scheint endgültig klar zu sein, dass wir hier im Wohngebiet der Reichen gelandet sind. Sie kann uns zwar einen Campingplatz empfehlen, doch es hört sich nach einem dieser Luxus-Wohnwagenstellplätze an, sodass wir uns weiter auf die Suche machen.

In dieser Gegend wird es schwer einen geeigneten Platz für uns zu finden. Viele Zugänge zum Strand sind entweder Privat oder gehören zu einem Park-Service der sich den Eintritt gut bezahlen lässt. Wir verlassen also das Stadtgebiet von Santa Barbara und kommen wieder in eine etwas ländlichere Gegend wo wir dann rechtzeitig einen schönen Platz für unsere Bikes und das Zelt finden. Gern hätten wir uns Santa Barbara noch etwas genauer angeschaut, aber wir haben bereits eine Unterkunft in Los Angeles und wollen die Hosts (Gastgeber) nicht warten lassen.

Los Angeles ist nach New York die zweitgrößte Stadt in den USA. Wir wurden bereits einige Male vor dem Verkehr hier gewarnt. Selbst mitten in der Nacht kann man hier im Stau festsitzen. Und obwohl es auch hier erlaubt ist mit den Motorrädern zwischen den Autos hindurchzufahren, haben wir mit unseren dicken Boxen im Heck Bedenken, wie uns diese Fahrt schmecken wird. Bevor wir uns aber in das Großstadtgetümmel stürzen, kommen wir ziemlich entspannt durch Malibu und Santa Monica. Hier kommt man aus dem Staunen kaum heraus, wenn man all diese Villen sieht. Sonderbarerweise hängen an einigen (nicht wenigen) dieser Luxusdomizile Informationsschilder von dem bekannten Auktionshaus Sotheby’s. Wenn wir wieder zurück in Deutschland sind, werden wir mal schauen, ob wir hier ein Schnäppchen machen können.

Bei all dem Staunen geht es dann auch relativ schnell, dass wir LA erreichen und in den befürchteten Verkehr kommen. So wie es aussieht haben wir aber Glück, da es Samstag ist und der Berufsverkehr deutlich geringer ausfällt als angenommen. So erreichen wir noch relativ entspannt das Haus von Tony und Sharleene im Stadtteil Culver City. Nachdem wir die beiden kennengelernt haben, gehen wir für einen kleinen Spaziergang und zum Einkaufen zur nahegelegenen Einkaufsmeile und gönnen uns eine leckere Portion Eis, die man sich nach ausgiebigen Tests der Geschmacksrichtungen selbst an den Maschinen zusammenstellen kann. Bezahlt wird dann nach Gewicht. Kein billiges Unterfangen, aber lecker ist es. Nach dem Abendessen mit unseren Gastgebern wollen wir noch nach Hollywood gehen, aber auf dem Weg dahin entscheiden wir uns doch um und gehen ins Kino zu dem Film „Interstellar“. Schnell die Karten gekauft und dann noch etwas die Stadt angeschaut. Dann geht es auch schon zurück zum Kino. An der Seite des Kinos sehen wir eine Schlange von Menschen und in guter deutscher Manier begutachten wir diese und stellen uns hinten an, fragen uns dabei aber nach der Sinnhaftigkeit. Wozu haben die Kinokarten Platzzuweisungen? Ich habe lange nicht mehr meine Zeit so sinnlos verschwendet. Wir machen das Beste draus und Ulli geht ihr heißgeliebtes Popcorn holen, was am Ende leider nicht so gut schmeckt, wie gehofft. Wenigstens ist der Film halbwegs anständig. Die überaus positiven Kritiken kann ich zwar noch nicht ganz nachvollziehen, aber langweilig war der Film auch nicht.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Downtown LA, hier besuchen wir unter anderem den Ursprung der Stadt, aber auch andere sehenswürdige Orte, wie zum Beispiel den City Hall Court, den Grand Central Market, die Walt Disney Concert Hall und allerlei weitere interessante Plätze. Zwischendurch finden wir immer wieder wohlschmeckende Snacks, wie beispielsweise leckere Churros, die uns genügend Energie liefern. Dieses Gebäck ist eine Art länglicher Krapfen mit sternförmigem Querschnitt und kann mit verschiedenen meist süßen Soßen gefüllt werden.
Nachdem wir uns in Downtown einen groben Überblick verschafft haben, fahren wir mit der Metro weiter zum Hollywood Boulevard. Wir schlendern entlang des Walk of Fame und schauen uns die Sterne der verschiedenen Berühmtheiten aus der Film-, Fernseh-, Musik-, Radio- und Theaterszene an. Manchmal fragen wir uns, was wir hier eigentlich machen? Laufen den Gehwegnentlang und schauen uns irgendwelche Sterne an. Können wir unsere Zeit nicht sinnvoller verschwenden? Aber dann schauen wir uns um, sehen viele verrückt gekleidete Menschen und entdecken interessante Geschäfte mit allerlei Krimskrams den man nicht braucht, aber jeder haben will. Es ist eben eine Stadt und keine schöne Landschaft die wir hier erkunden, das funktioniert eben etwas anders. Diese Art von Orten gehört für mich zu denen, die man mal gesehen haben kann/sollte, aber wo man kein zweites Mal hin muss.

Da wir für LA ein paar Tage mehr eingeplant haben, verlegen wir unsere Homebase am Montag zu Robert, der direkt am Stadtrand von Beverly Hills wohnt. Er stellt uns quasi ein gesamtes Apartement für uns zur Verfügung. So viel Platz hatten wir schon lange nicht mehr für uns alleine. Eine Küche, zwei Bäder, ein Schlafzimmer, ein Esszimmer und zwei Wohnzimmer liefern fast schon Platz zum Verlaufen. Nachdem wir unsere Sachen verstaut haben, gehen wir mit ihm zu einem koscheren mexikanischen Restaurant. Für uns macht das keinen Unterschied, aber es interessant, wie sich Religionen auch im kulinarischen Bereich auswirken. Das gesamte Viertel scheint unter jüdischem Einfluss zu stehen, denn zum Einen sehen wir häufig Menschen mit den traditionellen Mützen (Kippa) und zum anderen gibt es hier überall die Möglichkeit koscher essen zu gehen.

Nachdem wir uns ausgiebig gesättigt haben, starten wir noch einmal mit der Metro gen Downtown. Dieses Mal steigen wir aber schon eher am Staple Stadion aus. Denn nachdem wir die populärsten Sportarten, wie Football und Baseball im Fernsehen verfolgt haben, haben wir uns vorgenommen wenigstens eine Sportart mal live zu sehen und da wir beide vor langer Zeit Basketball gespielt haben, liegt es am Nächsten, hier einer der beiden Heimmannschaften zuzuschauen. Außerdem liegen die Ticketpreise deutlich unter denen von Football und Baseball, sodass wir insgesamt knapp 50€ für die Tickets „LA Clippers“ gegen „San Antonio Spurs“ bezahlen.
Bevor wir das Spiel ansehen können, müssen wir wie heutzutage fast überall Sicherheitskontrollen bewältigen. Keine eigenen Wasserflaschen kennen wir ja, aber was ist das? Fotokameras, deren Objektiv länger als 5 Zoll ist, sind ebenfalls verboten. Natürlich ist meine Linse größer und da habe ich noch nicht mal das Teleobjektiv auf der Kamera. Innerlich bin ich kurz vorm ausrasten, aber es nutzt alles nichts. Das Sicherheitspersonal hat die Regeln nicht gemacht. Zum „Glück“ kann ich meine Kamera an einem sicheren Aufbewahrungsplatz abgeben und so bleibt mir nichts anderes übrig, als mit dem Handy ein paar Bilder und Videos zu machen. Jetzt heißt es eben Spiel genießen und das tun wir auch. Bereits die Vorstellung der Spieler ist ein kleines Highlight. Eine spektakuläre Videopräsentation auf dem Hallenboden sorgt schon mal für einen guten Anfang. Sonderbarerweise ist das Stadion kaum besetzt, aber das ändert sich in den ersten 15 Minuten des Spiels. Nach und nach kommen die Zuschauer in die Arena, was ehrlich gesagt ziemlich nervig ist, da einem permanent Köpfe die Sicht aufs Spielfeld versperren. Nachdem sich aber so ziemlich alle eingefunden haben können wir endlich dem spannenden Spiel ungestört folgen. Bis kurz vor dem Ende konnten die heimischen LA Clippers ihren mal guten, mal knappen Vorsprung halten. Dann wurde das Spiel zu einem Krimi. San Antonio schaffte es sich immer näher heran zu kämpfen und arbeitet sogar einen hauchdünnen Vorsprung heraus, den die Clippers am Ende trotz aller Tricks nicht mehr einholten. Viel spannender hätte es am Ende nicht zugehen können. Schnell noch die Kamera abholen und hoffen, dass die Metro zurück zu Robert nicht all zu voll ist, aber das ist zum Glück nicht der Fall.

Am nächsten Tag schlafen wir erst mal aus und entspannen ein wenig. Dann ist es auch schon Mittag und Robert bringt uns zum Mittagessen zu einem seiner Lieblings-Burgerläden und dort lassen wir es uns schmecken. Im Anschluss gehen wir noch etwas shoppen. Unter Anderem finde ich eine kurze Hose, die den sommerlichen Temperaturen gerecht werden soll. Weiter geht’s in einen Supermarkt, wo wir uns mit einigen Sachen für die Reise als auch für das Essen der kommenden Tage eindecken, denn morgen wollen wir gemeinsam mit Robert Soljanka machen. Auf Roberts Liste steht auch der Einkauf für eine 95jährige Frau, eine Bekannte seiner Eltern, die sich nicht mehr selbst versorgen kann. Ihr bringen wir den Einkauf und unterhalten uns ein wenig mit ihr. Sie kommt ursprünglich aus Europa und kann sogar noch ein wenig Deutsch, und das obwohl es nicht ihre Muttersprache ist und sie es schon ewig nicht mehr gesprochen hat. Danach sitzen wir wieder einige Stunden am PC und kümmern und um den Blog und als würde der Tag fast nur aus Essengehen bestehen, fahren wir zum Abschluss Sushi essen. Wir sind zwar keine Sushi-Experten, aber die hier angebotenen Variationen haben wir so noch nicht in Deutschland gesehen. Die Preise sind relativ moderat und man bekommt richtig große Portionen. Zurück bei Robert lassen wir den Abend am TV ausklingen und schauen uns die Daily Show und den Colbert Report an. Beide Sendungen stellen US-amerikanische satirische Comedyshows dar, ähnlich wie bei uns die „heute-show“ des ZDFs.

Am Mittwoch geben wir der Bildung auch mal eine Chance im Bereich der Kunst zu wachsen und besuchen das Getty Center im Nordwesten der Stadt. Das Getty Center beherbergt den größten Teil der Sammlung des J. Paul Getty Museums und weitere wissenschaftliche Einrichtungen. Der Eintritt ist kostenlos, lediglich die Parkplätze sollen $15 kosten, aber wir haben Glück und werden von freundlichen Mitarbeitern des Museums an den Parkschranken vorbeigelotst und können uns kostenfrei auf die Parkplätze für Fahrzeuge mit Überlänge stellen. Die Anlage hat es in sich. Mit einer Bahn fahren wir zum Hauptkomplex und können dabei noch einen schönen Blick über die Stadt erhaschen. Die Sonderausstellung von Albrecht Dürer zieht uns als erstes in ihren Bann. Teilweise wirken seine Gemälde wie 3D-Bilder, so plastisch sehen die gemalten Personen aus. Aber auch andere Künstler erstaunen uns mit ihren Gemälden. Manchmal muss man erst zwei Schritte herantreten, um zu schauen ob es nicht eine Fotografie ist, so detailliert sind einige Werke. Eine schöne Gartenanlage bildet ebenso einen Bestandteil des Centers und lädt zu einem Spaziergang ein. Dann schauen wir uns die weiteren Ausstellungen an. Leider ist ein Tag viel zu kurz, um all die Werke in angemessener Zeit betrachten zu können. Außerdem wollen wir auch noch mit Robert am Abend kochen und machen uns somit auf den Weg in unser Appartement. Dabei durchkreuzen wir nochmals einen Teil von Beverly Hills und sind froh, dass wir bei dem Verkehr mit der Tenere klar im Vorteil sind. Geschickt schlängeln wir uns wieder an vielen Autos vorbei und können somit viel Zeit auf dem Weg nach Hause sparen. Bei Robert angekommen, legen wir auch gleich los und versuchen uns an einer Soljanka mit Sauerkraut. Am Donnerstag widmen wir uns organisatorischen Dingen und verbringen den Rest der Zeit mit Robert.

Dann packen wir mal wieder unsere Sachen, aber bevor wir die Ladung auf die Bikes schnallen, fahren wir am Morgen zum Venice Beach. Bei dem circa 4,5km langen Sandstrand kommt direkt Baywatch-Feeling auf (die Serie wurde in Mailbu gedreht). Sportler und Touristen in Hülle und Fülle, dennoch ist der Strand nicht überlaufen, das liegt wohl auch an seiner beachtlichen Breite. Volleyball- und Tennisfelder sowie etliche Rampen für Skater und Inliner bieten neben anderen Sportgeräten genügend Möglichkeiten um seinen Körper fit zu halten und am Strand zu präsentieren. Am Mittag fahren wir dann wieder zurück zu Robert und vertilgen gemeinsam die Reste der letzten Tage. Nun ist es auch Zeit zum Abschied nehmen, denn wir wollen noch zu Adrian und Mary. Die beiden sind unsere letzte Anlaufstelle in LA. Weniger als 15km liegen vor uns, aber dafür brauchen wir nahezu 2 Stunden. Mit den dicken Boxen an den Bikes können wir uns leider nicht an den Autos vorbeimogeln und stehen wie alle anderen auch im Stau.

Zum Glück haben wir das Abendessen noch nicht ganz verpasst und können uns nach den Strapazen etwas stärken. Neben Hühnchen und Reis bietet uns Adrian auch einen selbstgebrannten Wodka aus seiner rumänischen Heimat an. Puhhh der hat es in sich und macht müde Männer wieder munter. So haben wir dann auch genug Zeit uns kennenzulernen und gemeinsam mit ihrem Sohn Rafael und seiner heiß geliebten Eisenbahn zu spielen.

Mit einer Wanderung im Griffith Park beginnen wir den nächsten Tag, dort sehen wir dann auch zum ersten Mal den bekannten Hollywood-Schriftzug. Im Anschluss fahren wir dann weiter zu den Descanso Gardens, einer großen Parkanlage, wo auch schon der Rest der Famile (Mary mit Rafael und Felix) auf uns wartet. In diesem 61ha großem Gelände verbringen wir einige Zeit. Vor allem Rafael hat hier seinen Spaß, er kann mit der Lupe auf Erkundungstour gehen, mit der Eisenbahn einen Teil des Parks befahren oder verschiedene Tiermasken basteln. Die Maske hat es Ihm besonders angetan, sodass er sie für den Rest des Tages und auch noch am Folgetag trägt. Wir erfreuen uns an der abwechslungsreichen Flora und fragen uns wie es hier wohl aussieht, wenn hier alles in voller Blühte steht. Aber so lange werden wir sicherlich nicht in LA bleiben. Da dann irgendwann auch der Hunger ruft, fahren wir zu einem Restaurant mit dem Namen Souplantation. Hier gibt es ein all-you-can-eat-Buffet der anderen Art, denn hier kann man wie der Name schon sagt Suppen und Salate in sich reinschaufeln bis der Bauch voll ist. Aber keine Sorge, auch für Fleischfreunde ist gesorgt. Leckere Süßspeisen und Eis runden das reichhaltige Angebot ab. Wir sind froh, dass wir nicht all zu weit zum Auto laufen/rollen müssen. Den Abend lassen wir alle gemeinsam mit dem halben Film „In 80 Tagen um die Welt“ ausklingen.

Sonntag nimmt Mary Ulli mit zum Cardio-Barre-Studio, ein neues Fitnesstraining, welches Elemente aus dem Ballett einbindet. Da habe ich wohl noch mal Glück gehabt, dass ich am Vorabend einen Rückzieher gemacht habe. Die Aussicht ein Fitnesstraining mit überwiegend Frauen durchzuführen klang am Anfang ganz nett, aber als dann die Details mit dem Ballett zum Vorschein kamen und wir auch noch den Preis für dieses Training, nämlich $18, erfuhren konnte ich guten Gewissens meinen Verzicht erklären. Für Ulli war es wohl das erste und letzte Mal. Ballettsport, bei dem 80% der Frauen geschminkt sind und sich während der Übungen permanent selbst im Spiegel betrachten, ist dann doch nicht so ihr Ding. Später am Tag geht es wieder vereint zum Einkaufen in eine größere Mall. Dort besorgen wir uns ein neues Kartenlesegerät und finden auch noch ein schöne Lokomotive für Rafael, die auf den Namen „Stephen the Rocket“ hört und gut in sein Sortiment passt, so hoffen wir jedenfalls. Das absolute Highlight dieses Tages ist aber ein Stück Käsekuchen aus der Cheescake Factory. Schlappe $8 hat das Teil gekostet – ja nur ein Stück. Das passt zwar nicht ganz zu unserem Reisestil, war aber jeden Cent wert. So etwas Leckeres haben wir schon lange nicht mehr gegessen. Zurück bei Adrian und Mary schauen wir noch die zweite Hälfte des Films und spielen mit Rafael. Am Montag verabschieden wir uns wieder einmal mit einem Eintrag ins wohl gefüllte Gästebuch und machen uns auf den Weg zu einer verhängnisvollen Bekanntschaft aus dem Yellowstone Nationalpark (aber dazu demnächst mehr).


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San Francisco

Kalifornien
Großstadtrevier
(22. – 30. Oktober)

Zeitig am Vormittag fahren wir weiter. Unser heutiges Ziel liegt in Glen Ellen in der Nähe vieler Weingüter. Es ist das Haus von Eileen und Dave. Selbst hier, weit entfernt von Alaska, hilft uns Gail mit ihren Kontakten. Seit langen haben wir mal wieder ein festes Dach über unseren Köpfen. Eileen und Dave sind begeisterte San Francisco Giants Fans. Die Baseball-Mannschaft spielt derzeit in der World Series gegen die Kansas City Royals und so kommen wir in den Genuss unseres ersten Baseballspiels. Mit den Beiden und deren Freundin Stefanie schauen wir das Spiel im TV an und genießen leckere selbst-gemachte Hamburger und Maiskolben. Die Zeit in Glen Ellen nutzen wir auch ausgiebig, um unseren Blog zu aktualisieren. Tage und Wochen sind an uns vorbeigezogen, sodass wir mit dem Schreiben nicht hinterhergekommen sind. Jetzt ist es aber schön all die Erlebnisse Revue passieren zu lassen.
Da die beiden auch Deutsch lernen, können wir sie dabei etwas unterstützen und versuchen unter anderem bei den Hausaufgaben zu helfen. Am Samstag starten wir gemeinsam zu einer von Chris Michael (den wir in Death Valley kennengelernt hatten) empfohlenen Wanderung im Norden von San Francisco. Wir starten in der Nähe einer alten Hippie-Kommune (Bolinas), die auch heute noch von einigen Leuten bewohnt wird. Der Weg führt uns entlang der Küste (daher auch der Name Costal Trail) vorbei an wohlriechenden Eukalyptusbäumen, zu einem Punkt an dem ein kleiner Wasserfall direkt in den Ozean fließt. Nachdem wir die Wanderung erfolgreich gemeistert haben, lassen wir es uns in einem kleinen Restaurant in Bolinas schmecken. Danach geht es schnurstracks nach Hause. Dort angekommen wartet bereits Stefanie mit einigen leckeren Pumpkin-Kuchen auf uns, um gemeinsam das Baseballspiel zu sehen. Nachdem das Spiel vorüber ist, kann ich meiner Kreativität beim Kürbisschnitzen freien Lauf lassen, denn in einigen Tagen ist Halloween und dann stehen die Kids vor der Tür, verlangen nach Süßem und wollen ein klein wenig erschreckt werden. Dank einer guten Vorlage kommt beim Schnitzen sogar ein brauchbares Exemplar heraus. Am Sonntag machen wir eine “kleine” Sightseeing-Tour durch Sonoma und Napa Valley. Ein Einkaufsbummel in Costco sorgt wieder für einen guten Vorrat an Reiseproviant und bei BestBuy erhalten wir einen neuen Spannungswandler, den wir dringend benötigen, um den Energiehunger aller Verbraucher zu stillen. Ebenso erhalten wir dort ein Kabel, welches unseren Eurostecker ersetzt (diesen konnten wir sonst nur mit einem Reiseadapter nutzen). Kurios ist jedoch, wie wir diesen Stecker erhalten haben. Nachdem ich einem Verkäufer anhand eines Druckerkabels versuche zu erläutern, welchen Artikel wir suchen, sieht dies eine in der Nähe stehende Frau und lässt mich verstehen, dass sie das gesuchte Kabel in ihrem Auto hat. Gemeinsam begeben wir uns zu ihrem Auto und siehe da es ist genau das gewünschte Kabel. Sie schenkt es mir. Sachen gibt’s. Danach geht es wieder nach Hause um das nächste Baseball-Spiel zu schauen.

Am Dienstag (28. Oktober) fahren wir mit den Bikes nach Larkspur von wo aus wir mit der Fähre (ohne Bikes) nach San Francisco übersetzen. Hier versuchen wir einige Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Die bekannten und bei Touristen beliebten Kabelstraßenbahnen nutzen wir jedoch nicht, da uns das Preis-Leistungs-Verhältnis absolut nicht angemessen erscheint. In Chinatown wundern wir uns über die sonderbaren aber dennoch vielfältigen Angebote an getrockneten Seegurken. Diese werden hier teilweise zu horrenden Preisen verkauft (mehrere Hundert Dollar pro Kilo) und wir können uns beim besten Willen nicht vorstellen, was man damit macht und wie es schmecken soll. Wir begutachten natürlich auch die kurvenreichste Straße der Welt, die Lombard Street. Auf einer Länge von 145m bei einem Gefälle von 27% baute man acht Kurven um die problematische Straße zu entschärfen. In der Dunkelheit geht es dann zurück zum Haus von Eileen und Dave. Hier wartet auch noch eine Überraschung auf uns. Mark, der Sohn von Gail ist die nächsten Tage zu Besuch in San Francisco. Er ist quasi eines der letzten fehlenden Familienmitglieder von Tim und Gail, welches wir noch nicht kennen. Aber dies soll sich jetzt ändern, denn so wie es aussieht, treffen wir ihn morgen in der Stadt. Dave bietet uns an mit ihm gemeinsam am Mittwoch nach San Francisco zu fahren, sodass wir noch mehr von der Stadt sehen und uns mit Mark treffen können.

Erneut starten wir also am Mittwoch nach San Francisco, dieses Mal vorbei an Larkspur, sodass wir in den Genuss kommen über die weltbekannte Golden Gate Bridge zu fahren. Diese imposante Hängebrücke hat eine Länge von 2737m. Zuvor machen wir noch Halt an einem höher gelegenen Aussichtspunkt, von dem aus man die Brücke und die Stadt im Hintergrund sehen kann. Kein Nebel behindert die Sicht und wir können uns dieses Bauwerk komplett anschauen. Da diese Aussicht so schön ist, entscheiden wir uns auf dem Weg zurück hier noch einmal zu stoppen, um das Ganze in der Sonnenuntergangsstimmung zu sehen. Danach zeigt uns Dave viele schöne Plätze wie den Golden Gate Park, einen kleinen versteckten Strand mit Blick auf die Golden Gate Bridge, einen seiner Lieblingsgolfplätze, „The Painted Ladies“ und vieles mehr. Wir müssen uns aber etwas beeilen, da Mark überraschend mit Karten für Alcatraz auf uns wartet. Schnell noch was futtern und dann geht es los. Mit der Fähre setzen wir die 2,2 km zur Gefängnisinsel über. Gesehen und gehört haben wir bereits einiges über diese Anlage, aber nun hier zu sein ist schon etwas anderes. Als Hochsicherheitsgefängnis wurde die Anlage weltberühmt. 14 Fluchtversuche mit insgesamt 34 Gefangenen gab es in den 29 Jahren als Hochsicherheitsgefängnis. Keinem gelang bis heute offiziell die Flucht. 25 Ausbrecher wurden wieder gefangen, 6 wurden auf der Flucht erschossen und 5 sollen ertrunken sein, zumindest fehlt von diesen jede Spur. Mit einem Audioguide ausgerüstet erfahren wir einige interessante Dinge über die damalige Zeit und die Geschehnisse hier vor Ort.

Es ist spät geworden und wir haben noch ein wichtiges Treffen mit dem TV, denn heute geht es für die Giants um Alles. Das letzte und alles entscheidende Spiel in der World Series wird heute ausgetragen. Also nichts wie zurück, aber vorher noch ein kurzer Stopp beim Aussichtspunkt. Zu Hause warten bereits Eileen und Stefanie auf uns und wir schauen gemeinsam das Finale an. Die Giants gewinnen verdient und die Stimmung im Haus ist ausgelassen.

Am nächsten Tag packen wir unsere Sachen und brechen auf nach San Jose zu Carmen und Saša. Zuvor versuchen wir uns aber auch noch mit etwas Baseball in Garten von Dave und Eileen. Wie so oft sieht es einfacher aus, als es am Ende ist. Wir müssen los, um nicht in die Rush Hour zu kommen.

Dieses Mal fahren wir mit den Teneres über die Golden Gate Bridge, was uns natürlich noch besser gefällt als im Auto. In San Francisco machen wir noch einen Zwischenstopp bei den Twin Peaks und schauen uns die Stadt von oben an. Die Zeit hier war leider viel zu kurz, gern hätten wir uns mehr mit dieser schönen und abwechslungsreichen Stadt beschäftigt.

Nun stürzen wir uns aber erst mal in den Verkehr. Aus zweispurigen Straßen werden drei-, vier-, fünfspurige oder noch mehr. Der Verkehr nimmt deutlich zu und wir kommen nur langsam voran. Zum Glück gibt es hier in Kalifornien für Motorradfahrer die Möglichkeit die Spuren zu teilen (lane splitting), so können wir (wenn genug Platz ist) zwischen den langsamen oder stehenden Autos hindurchfahren. Für uns ist das Neuland und mit den dicken Boxen an den Teneres oft nur eine Millimetersache. Die hiesigen Biker hingegen fahren oft im rasanten Tempo zwischen den Autos durch. Kurz mal am Gas gedreht und die meisten Autofahrer machen noch etwas mehr Platz. In Deutschland wäre dies undenkbar. Jeder kämpft dort hartnäckig, um seinen Platz in der Schlange – nur keinen vorlassen und schon gar nicht die verrückten Motorradfahrer. Hier läuft das anders und wir fragen uns, was in Deutschland passieren müsste um dies adäquat umzusetzen. Undenkbar! Schließlich schafft man es in Deutschland nicht mal das Reißverschlussverfahren flüssig zu gestalten. Ein weiterer großer Vorteil der hiesigen Verkehrsführung sind die “High-occupancy vehicle lanes” (kurz HOV). Diese sollen die Bildung von Fahrgemeinschaften fördern, da diese Spuren ausschließlich für Fahrzeuge mit zwei oder mehr Personen an Bord gedacht sind. Wie auch in Deutschland sitzt hier normalerweise meist nur eine Person, der Fahrer, im Fahrzeug. Auf den speziellen HOV-Spuren kommen all die schneller voran, die nicht nur alleine unterwegs sind. Zum Glück dürfen meistens auch Motorräder diese Spuren nutzen, sodass wir trotz des erhöhten Verkehrsaufkommens relativ zügig vorankommen.

Links und rechts sehen wir nun auch schon ab und zu Gebäudekomplexe von uns bekannten Firmen wie Intel, Microsoft, Ebay, usw., nun sind wir wohl im Silicon Valley angekommen. Das heißt es ist auch nicht mehr weit nach San Jose. Hier besuchen wir Carmen und ihren Freund Saša, die von Deutschland in die USA gezogen sind, um hier Software für Übersetzungen und Sprachanalysen zu programmieren. Saša kommt an diesem Tag von einer Konferenz aus Vancouver zurück. Gemeinsam gehen wir am Abend zur “Einstimmung auf Mexiko” bei einem Mexikaner essen. Hier, nicht allzu weit von Mexiko entfernt, wollen wir uns auch noch mal mit den nötigsten Ersatzteilen ausrüsten. Beim hiesigen Yamaha Händler bestellen wir neue Bremsbeläge. Da die Tenere in den USA nicht verkauft wird, stellt es sich wieder als schwierig heraus, die richtigen Teile zu finden, aber dank eines speziellen Ersatzteilkataloges und unserem Muster gelingt es dem hilfsbereiten Verkäufer die richtigen Teile zu identifizieren. Leider müssen wir bis Dienstag warten, da diese dann erst geliefert werden können. Einen neuen Kupplungszug (der eine ist im Sequoia Nationalpark gerissen) bekommen wir hier leider nicht, aber die Information, wo wir einen bekommen. So fahren wir zu Motion Pro in San Carlos, die uns vor Ort einen neuen Kupplungszug für rund 27$ anfertigen.
Heute ist der 31. Oktober, es ist Halloween und die Häuser sind dementsprechend präpariert. Aus Deutschland kennen wir nur die Light-Version, hier in den USA nimmt das schon ganz andere Ausmaße an. Wir spielen passend dazu das verrückte Spiel Munchkin und geben den hin und wieder erscheinenden Kindern Süßigkeiten. Wir finden kein Ende und spielen 4,5 Stunden lang. Am Samstag besuchen wir das NASA Visitor Center und den Google Campus. Es ist schon interessant wie man hier die Mitarbeiter motiviert. Gepflegte Grünanlagen, ein Fitnessstudio, ein kleiner Pool, viele gemütliche Sitzplätze, Fahrräder für jedermann und eine Kantine sind nur einige Beispiele. Sonntag ist es dann mal wieder Zeit etwas für unseren Körper zu tun. Wir gehen mit Carmen und Saša wandern. Um das Wochenende entspannt ausklingen zu lassen schauen wir gemütlich auf der Couch ein paar Serien. Die folgenden Tage nutzen wir, um unser Equipment etwas auf Vordermann zu bringen. Ulli repariert den Reißverschluss am Zelt und wir pflegen die Verschlüsse unserer Schuhe und des Tankrucksacks mit etwas Allzwecköl. Am Abend zeigt uns Carmen noch ihre Lichtfeldkamera und deren Funktionsweise. Wir sind begeistert von der Technik und gespannt auf die nachfolgenden Modelle. Kolibris, die immer wieder an den Blüten der Hecke auftauchen und deren Nektar naschen, sind immer wieder ein gern gesehenes Motiv. Leider sind die kleinen Vögel so scheu und so schnell, dass es schwer fällt ein gescheites Foto zu machen. An unserem letzten Abend gehen wir noch einmal gemeinsam essen, aber das Highlight des Abends ist unser gemeinsamer Umtrunk. Saša lädt uns auf ein frisch gezapftes Reissdorf Kölsch ein. Wer hätte das gedacht. Schnell werden Erinnerungen an die Zeit in Köln wach.
Heute heißt es wieder “Auf wiedersehen” sagen. Wir hoffen sehr die beiden irgendwann mal wieder zu sehen.

 


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Sequoia Nationalpark

Alt wie ein Baum

(18. – 22.10.)

Nach einer besonders abwechslungsreichen Fahrt aus dem Death Valley mit dem Auf und Ab über die Berge, gelangen wir zu einer Straße, die für uns bisher zu den schönsten Fahrerlebnissen dieser Reise gehört. Aus unserer Sicht können weder die Going-to-the-Sun Road noch der Beartooth Pass diesem Erlebnis das Wasser reichen. Zu erst geht es bergauf, links und rechts säumen Joshua-Trees die Landschaft und zahlreiche Kurven lassen keine Langeweile aufkommen. Die Kurven sind meist einsichtig und lassen sich somit entspannt fahren. Nach einigen Kilometern wechselt die Vegetation, Bäume stehen dichter und bilden zunehmend einen Wald. Jetzt befinden wir uns im Sequoia National Forest, wo wir auch unser Nachtlager unter einigen großen Bäumen aufschlagen. Durch die Bergauffahrt haben wir ordentlich Höhe gewonnen, was aber gleichzeitig ein Sinken der Temperaturen (vor allem in der Nacht) zu Folge hat. Deshalb brauchen wir am Morgen auch einige Zeit bis wir in die Gänge kommen. Wie wechselwarme Tiere versuchen wir in den Morgenstunden unsere Körper mit der aufsteigenden Sonne und heißen Tee auf Temperatur zu bringen. Die bereits am Vortag so schön zu fahrende Strecke setzt sich fort und die Vegetation wechselt abermals. Je weiter wir nun bergab fahren umso wärmer wird es und Kakteen und kleine Palmen zieren nun unseren Weg. Sowohl die Straßenführung als auch die Landschaft rings um diese Straße lassen mich die Votings zu amerikanischen Traumstrassen hinterfragen.
Das hier ist zumindest meine Nummer 1 auf der bisherigen Reise.

Unterwegs kommen wir auch am “Trail of 100 Giants” vorbei und bekommen einen ersten Vorgeschmack auf die teilweise deutlich über 1.000 Jahre alten Bäume. Zum ersten Mal stehe ich vor diesen Riesen und ich hätte beim besten Willen nicht gedacht, dass ich soviel Ehrfurcht vor einer Pflanze haben kann. Der Trail umfasst auch einige umgestürzte Exemplare. Bei diesen kann man die Ausmaße nun aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Nach einigen weiteren Kilometern auf den Bikes befinden wir uns vor den Toren des Sequoia Nationalparks. Da es aber schon zu spät geworden ist, suchen wir in der Nähe nach einem Schlafplatz, was sich schwieriger herausstellt als gedacht. Im Vorbeifahren sehe ich sie plötzlich: Schwarz Rot Gold, die Farben der Deutschen Flagge. Schnell drehen wir um und schauen uns das Schild näher an. Die Namen Lea und Jeff, sowie die Deutsche als auch die Amerikanische Flagge sind darauf zu sehen. Wir klingeln und fragen nach, ob wir unser Zelt auf dem Grundstück aufbauen können. Wie selbstverständlich lässt uns Lea herein und bietet uns einen Platz in ihrem Garten an. Sie selbst kommt aus Deutschland und hat dort auch Jeff kennengelernt, der wiederum aus den USA stammt. Ihre gemeinsame Zukunft planen die Beiden nun in den USA, wo sie sich unweit des Sequoia Nationalparks einen schönen Fleck zum Leben ausgesucht haben. Bevor wir unser Zelt aufbauen, hat Lea eine andere Idee und fragt uns, ob wir nicht mit freier Sicht in den Himmel auf einem Luftbett schlafen wollen. Die Idee klingt verlockend, denn zum einen müssen wir unser Zelt nicht aufbauen und zum anderen ist dies ein Erlebnis, was wir so auf unserer Reise noch nicht hatten. Ein wenig Bedenken haben wir jedoch wegen der kalten Nacht am Tag zuvor und der Tarantel, die wir unterwegs gesehen haben. Aber Lea räumt unsere Bedenken aus und so kommen wir in den Genuss einer Nacht unter freiem Himmel, ganz ohne Zelt.

Nach dem Frühstück mit Jeff fahren wir wieder zum Sequoia Nationalpark. Plötzlich bleibt Ulli, direkt hinter einer Kurve, mit ihrer Tenere stehen und ich denke sie will ein Foto mit den großen Bäumen und den Bikes machen, aber leider ist das nicht der Fall. Ihr Kupplungszug ist gerissen und somit kann sie nicht mehr schalten. Zum Glück ist nichts passiert, das hätte auch anders ausgehen können. Aber dank der detaillierten Informationen von Thorsten Haberkamm, dem Inhaber der OTR-Performance GmbH, sind wir auch auf diesen Fall bestens vorbereitet und zaubern einen Ersatzkupplungszug aus unserem Ersatzteil-Reservoir. Für die Reparatur sichern wir unsere “Baustelle” vorbildlich ab, da einige Fahrzeuge gelegentlich mit hoher Geschwindigkeit um die Kurve kommen. Die große Packtasche und unsere Warnwesten machen die Gefahrenstelle aber weithin sichtbar. Nach circa 50min ist es dann geschafft und Ullis Tenere schaltet wieder und wir fahren weiter zum 2050m hohen Moro Rock. Von diesem domförmigen Felsen haben wir einen interessanten Rundblick über den Wald, die Täler und auf die Hochgebirgskette im Osten. Weiter geht es zu einem der Highlights dieses Nationalparks, dem “General Sherman Tree”. Er ist angeblich der größte lebende Baum der Erde und zählt zu den Berg- oder Riesenmammutbäumen (Sequoiadendron giganteum). Sein Alter wird auf 1900 bis 2500 Jahre geschätzt. 83,8m Höhe, ein Umfang von 31,12m sowie ein Volumen von 1486,9 Kubikmeter sind die Kerndaten dieses Giganten. Leider ist auch hier wieder alles touristisch erschlossen und der kleine Zaun um den majestätischen Riesen verhindert, dass dieser seine volle Wirkung auf uns entfalten kann. Sicherlich ist dieser Schutz von Nöten, aber schön anzusehen ist er deswegen trotzdem noch nicht. Aus diesem Grund gefallen mir die Sequoias in ihrer natürlichen Umgebung deutlich besser und wirken trotz weniger Masse imposanter auf mich.

Wir verlassen den Nationalpark um einen Zeltplatz im angrenzenden “National Forest” zu finden, denn dort kostet das Campen im Wald nichts. Auch dieser Platz ist relativ hoch, sodass wir am Morgen wieder etwas Zeit brauchen um warm zu werden. In der Nacht war es deutlich unter 0ºC. Nachdem wir wieder auf Betriebstemperatur sind geht es weiter zum zweitgrößten Baum der Erde, dem “General Grant Tree”. Abends fällt es uns nicht leicht einen gescheiten Übernachtungsplatz zu finden, da die Besiedlung immer mehr zunimmt. Abermals fragen wir, ob wir bei jemandem im Garten übernachten können und obwohl wir etwas argwöhnisch begutachtet werden, haben wir wie schon so oft Glück und können dort unser Zelt aufschlagen.

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Death Valley

Am Tiefpunkt angelangt

(16. – 18.10.)

Die 140mi zwischen Las Vegas und Death Valley schaffen wir relativ zügig. Die Landschaft ist nicht gerade sonderlich spannend. Hin und wieder jedoch sehen wir Militärgelände mit gepanzerten Fahrzeugen und Flugzeugen. Auf einer Armeebasis sehen wir sogar Drohnen starten und landen. Ein weit sichtbares Gefängnis rundet die “Highlights” dieser Strecke ab. Warnschilder, keine Anhalter mitzunehmen, erinnern uns an die aus Filmen bekannten Menschen, die in orangenen Overalls an den Straßen Müll aufsammeln.

Kurz bevor wir in den Death-Valley Nationalpark fahren, suchen wir nach einen guten Platz für die Nacht und finden eine scheinbar verlassene Baustelle. Es macht den Anschein, dass man hier eine kleine Siedlung errichten wollte. Die Straßen und einige Fundamente sind bereits gebaut, aber der Zahn der Zeit hat bereits an ihnen genagt. Hinter einer Ansammlung von Sträuchern und hohem Gras schlagen wir unser Lager auf, so kann man uns von der Straße aus nicht sehen. Am nächsten Morgen, sehen wir, dass weitere Reisende diesen Platz für die Übernachtung auserkoren haben. Ein großer Camper und ein Jeep haben sich zu uns gesellt. Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und machen uns auf zum “Tal des Todes”. Diese besonders trockene Region in der Mojave-Wüste ist ebenfalls aus vielen Filmen (vor allem aus Western) bekannt. Hier wurden Temperaturen von über 56°C gemessen und selbst in der Nacht bleibt es an einigen Tagen manchmal noch über 41°C. Dies liegt daran, dass die Region von mehreren Gebirgen umschlossen ist und somit eine Zirkulation der Luftmassen kaum stattfindet. Eine weitere Besonderheit dieser Region ist, dass einige Orte deutlich unterhalb des Meeresspiegels liegen.

Im Nationalpark angekommen, suchen wir als erstes nach einem günstigen Campingplatz und bauen unser Zelt auf. Obwohl die Vegetation hier sehr karg ist, haben wir einen Platz mit einem Baum, der uns zumindest in den Morgenstunden etwas Schatten spendet. Nachdem alle Sachen verstaut und die Bikes von ihren Lasten befreit sind, machen wir uns auf zu unserer ersten Tour in dieser unwirtlichen Gegend. Auf dem Weg zum Campingplatz haben wir bereits einige interessante Punkte wie den Zabriskie Point gesehen. Nun geht es zum Dante’s View, der mit 1669m Höhe einen hervorragenden Aussichtspunkt darstellt. Von hier aus kann man gut den ausgetrockneten Salzsee erkennen. Auf dem Rückweg fahren wir durch den 20-Mule-Team-Canyon, der schon fast an eine Mondlandschaft erinnert. Weiter geht es zum Badwater Basin, das mit 85,5 Metern unter Meeresniveau den tiefsten Punkt der USA und somit auch unseren bisherigen Tiefpunkt der Reise darstellt. Hier kann man die verkrustete Salzschicht begehen und näher unter die Lupe nehmen. Von einer Wanderung nach den frühen Morgenstunden wird hier abgeraten, da die Temperaturen im Sommer schnell zum Dehydrieren führen können. Im Anschluss schauen wir uns noch den Devil’s Golf Course an, der seinen Namen sicherlich alle Ehre machen würde, wenn hier jemand Golf spielen müsste. Die Erdkruste ist hier auf einer weiten Fläche aufgebrochen und macht so ein Golfspiel nahezu unmöglich. Selbst eine Wanderung würde hier keinen Spaß machen, da man permanent Gefahr läuft sich an den salzverkrusteten Erdplatten zu verletzen. Abschließend machen wir noch einen Stopp beim Artist’s Palette, ein Ort der für seine vielfarbigen Gesteinsformationen bekannt ist, die wie eine Mischpalette für Maler aussehen.

Am Zelt angekommen machen wir uns ein schmackhaftes Abendessen und lassen den Tag Revue passieren. Wenig später gesellt sich auch unser Fast-Zeltnachbar Chris Michael zu uns, der mit seiner alten BMW von New York nach San Francisco unterwegs ist.
Für ihn ist dieser Trip aber auch ein klein wenig Arbeit, denn auf dem Weg führt er Interviews mit Menschen, die ohne Vater aufgewachsen sind, da diese Selbstmord begangen haben. Auf seiner Website www.fatherlessbysuicide.com berichtet er über seine eigenen Erfahrungen und die Interviews (erst später fällt mir auf, dass wir alle drei recht jung und ohne Väter sind). Da San Francisco auch eines unserer Ziele auf der Reise ist, gibt uns Chris auch noch viele Tipps für diese Stadt. Nach dem Aufstehen machen wir uns zeitig auf den Weg zum Golden Canyon damit uns die Hitze bei der Wanderung nicht all zu sehr zu schaffen macht. Nach diesem Ausflug kehren wir zum Zelt zurück, bauen das Zelt ab und machen uns auf den Weg zu den Baumriesen im Sequoia Nationalpark.

 


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Las Vegas

14. – 16. Oktober

Von Ben ist es heute nur noch ein kurzer Sprung zu unserem heutigen Ziel. Las Vegas liegt nur 120mi südwestlich von Sankt George. Die Fahrt ist relativ entspannt und nicht besonders anspruchsvoll. Dass sich dies aber spätestens an der Stadtgrenze von Las Vegas ändern wird, ist uns bewusst und beschäftigt uns zugegebenermaßen.
Aber nachdem wir nun Las Vegas erreicht haben, schwimmen wir einfach im Verkehr mit und finden auf Anhieb unser Ziel, das Hotel Circus Circus. Normalerweise ziehen wir schon alleine aus Kostengründen unsere transportable Unterkunft einem Hotelzimmer vor, aber hier mitten in der Stadt könnte sich die Übernachtung im Zelt etwas schwierig gestalten. Außerdem sind die Preise für eine Übernachtung im Hotel in der Woche sehr moderat und zusätzlich gibt es meist noch Gutscheine für die überaus reichhaltigen und leckeren All-you-can-eat-Buffets. Genau das richtige für die Mägen von Reisenden. So zahlen wir rund 30€ für eine Übernachtung.

Nach dem Einchecken machen wir gleich mal eine Runde durch das anliegende Kasino. Für uns ist es das erste Mal in solch einem Etablissement. Langsam arbeiten wir uns voran, zu erst begutachten wir die unzähligen Slotmaschinen, dann geht es weiter zu den Roulett-, Poker- und Black-Jack-Tischen. Zwischen durch sieht man imposante Maschinen, die Kinofilmen oder Brettspielen, wie zum Beispiel Avatar oder Monopoly, nachempfunden sind. Hier können meisten mehrere Spieler gemeinsam versuchen diesen Kisten das Geld zu entlocken. Aber nicht nur die Maschinen ziehen unser Interesse an, sondern auch die Menschen, die hier ihr “Glück” suchen. Schnell stellen wir einige Muster fest. Übermäßig oft treffen wir auf rauchende nicht dem Normgewicht entsprechende Personen. Ob das unter anderem an den üppigen Buffets liegt, wage ich mal zu bezweifeln.

Auch wir versuchen einmal unser Glück und gewinnen sage und schreibe 2$. Das war ja einfach, vielleicht versuchen wir es später noch mal, jetzt werden wir uns aber erst mal um das Buffet kümmern. Die Auswahl ist mehr als ausreichend, sodass wir gar nicht wissen womit wir anfangen wollen. Na ja, dieser Zustand hält nicht lange an und schnell schlagen wir uns die Bäuche mit allerlei Leckereien voll. Mühevoll rollen wir uns aus dem Restaurant und machen uns auf den Weg den Strip zu erkunden. Der Las Vegas Strip ist ein Teil des Las Vegas Boulevard, der für eine dichte Ansammlung von Luxushotels und Casinos bekannt ist. An diesem Abend besuchen wir die Kasinos: Palazzo, Venetian, Caesars Palace und Mirage. Das reicht uns dann auch erst mal für den ersten Tag.

Den nächsten Tag beginnen wir mit einem ausgiebigen Camperfrühstück auf dem Zimmer, dann ist es auch schon fast Mittag und somit Zeit für unseren Roulett-Unterricht. Die Grundregeln kennen wir eigentlich, aber die ganzen speziellen Möglichkeiten die Chips in Kombinationen zu setzen sind dann doch gelegentlich neu für uns. Danach geht es direkt wieder auf den Strip, denn da warten noch einige Kasinos auf uns. Nach dem dritten oder vierten Kasino stellen wir jedoch fest, dass diese sich meist nur von außen unterscheiden, aber von innen doch sehr identisch sind. Die Spieltische und Spielautomaten wiederholen sich in allen Kasinos und wenn man einfach nur tief genug in den Maschinenwald hineingeht sieht man auf den ersten Blick nicht mal mehr in welchem der Kasinos man ist geschweige dem den Ausgang. Mehrfach kommen wir bei dem Versuch den Strip weiter zu erkunden an ganz anderen Stellen der Hotels heraus als wir eigentlich geplant hatten. Ich glaube der Plan der Konstrukteure bzw. Architekten und Innenausstatter, sich in den Gebäuden so lange wie möglich aufzuhalten, geht dort sehr gut auf. Auch wir benötigen oftmals mehr Zeit als uns eigentlich lieb ist. Im Excalibur entschließen wir uns dann mal eine Runde Roulett zu spielen. Ulli schlägt sich wacker, lange Zeit stehen wir bei plus-minus Null. Mal machen wir Gewinn, mal Verlust. Die Spieler am Tisch wechseln relativ regelmäßig nur wir und eine aufgebrezelte Frau, vielleicht Mitte 40, sitzen etwas länger am Tisch. Ebenso wie bei uns geht es bei ihr auf und ab, allerdings in deutlich höheren Beträgen als bei uns. Irgendwann gesellt sich sich dann auch ein junges Paar, etwa unser Alter, an den Tisch. Sie hat auf Anhieb Erfolg und vermehrt ihre Chips stetig. Ihr System sieht nicht wirklich anders aus als unseres, sie hat eben einfach nur mehr Glück. Ein wenig neidisch schaue ich schon auf ihren wachsenden Haufen an Chips, aber dann sehe ich, wieder Ulli und sehe wie viel Spaß sie beim setzen der Chips hat. Es ist ein netter Zeitvertreib, für den wir eben bezahlen müssen. Einige Spieler haben mehr Erfolg und werden am Ende für diesen Zeitvertreib bezahlt. Wir gehören leider nicht dazu, aber hatten zumindest ein paar interessante Stunden an diesem Roulett-Tisch und werden uns sicherlich lange daran zurückerinnern. Nachdem wir unseren Einsatz verspielt haben, ziehen wir weiter und schauen uns die restlichen Hotels auf dem Strip an. Eines davon ist das Luxor, welches im Style einer modernen Pyramide, die spielfreudigen Leute anlockt. Dieses imposante Gebäude ist wohl eines der bekanntesten in Las Vegas. Hier will nun auch ich mein Glück versuchen und setze mich an einen Pokertisch. Die Aufregung steigt! Leider habe ich in den letzten Monaten kein Poker mehr gespielt und merke schnell, dass es mir sichtlich schwer fällt. Darum entschließe ich mich auch relativ schnell aus dem Spiel auszusteigen und tausche die restlichen Chips gegen Bares. Lediglich einen Chip behalte ich mir als Souvenir.

Die Zeit verrennt wie im Flug. Innerhalb der Kasinos fällt es einem schwer die Zeit wahrzunehmen, da man nicht nach außen sehen kann und nirgends Uhren zu sehen sind, aber mein Magen funktioniert wie eine unbestechliche Uhr und sagt mir, dass es Zeit zu gehen ist. Auf uns wartet schließlich ein Buffet im Silver Seven. Deutlich abgelegen vom Strip haben wir einen langen Fußmarsch vor uns, der sich auf jeden Fall gelohnt hat. Für ungefähr 10 $ können wir uns die Bäuche wieder ordentlich vollschlagen. Allerlei Köstlichkeiten machen es uns wieder schwer, vernünftige Portionen zu essen, sodass wir den Weg zurück fast rollen können. Aber was ist schon vernünftig an einem all-you-can-eat-Buffett?

Der Weg zurück führt uns am mindestens ebenso bekannten Hotel Bellagio vorbei. Hier spielte auch ein großer Teil der Handlung aus den Kinofilmen Ocean’s Eleven und Ocean’s 13. Mit 3.950 Zimmern und einer Gesamtfläche von 10.800m² gehört es zu den größten Hotels weltweit, wie einige andere hier auf dem Strip. Die gesamte Hotelanlage ist der italienischen Landschaft des Comer See nachempfunden. An dem 3,2 Hektar großen See tummeln sich bereits viele Schaulustige, die auf die Licht- und Musikshow der Wasserfontänen warten. Auch wir gesellen uns dazu und warten auf das Spektakel. Das Warten hat sich gelohnt – die Show kann sich sehen lassen. Rhythmisch bewegen sich die beweglichen Wasserstrahlen im Takt der Musik. Lautsprecher (mit ordentlich Bass) im Geländer und unter den Laternen verstärken den grandiosen Gesamteindruck und lassen manchmal sogar das Feeling eines Feuerwerks aufkommen. So schauen wir uns die immer wieder wechselnde Show am Ende mindestens 3 Mal an. Da es nun aber schon ordentlich spät geworden ist, wandern wir die verbleibenden 1,9mi auf direktem Weg wieder zurück in unser Hotel und gehen schlafen.

Am Morgen (16. Oktober) packen wir wieder unsere Motorradkisten und machen uns auf den Weg zum Death Valley in Kalifornien. Zuvor fahren wir aber noch mal bei Tageslicht mit unseren Teneres den Strip entlang. Es ist schon erstaunlich wie unterschiedlich ein und das selbe Gebäude mit und ohne Beleuchtung wirken kann. Mit unseren bepackten Bikes ziehen wir mehr Aufmerksamkeit auf uns als all die dicken Limousinen und schicken Sportwagen. Edelkarossen sind in Las Vegas eben nichts Außergewöhnliches mehr. Aber nun heißt es Abschied nehmen und auf geht es in den nächsten Bundesstaat, den letzten auf unserer Reise durch die USA.
 


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Schade, der letzte Braten

10. -14.10.2014
 
Mit Utah sind wir immer noch nicht ganz fertig. Es verbleibt uns noch St. George zu besuchen, die Stadt im Südwesten des Bundesstaates, in welcher Ben, ein Neffe von Gail wohnt. Bereits bei seiner Oma in Buffalo Wyoming hatten wir mit ihm telefoniert und ein Wochenendbesuch bei ihm ausgemacht. Es ist nun Freitag und mit dem $15 Prepaid Handy, welches wir uns extra für die USA für solche Situationen besorgt hatten, rufen wir ihn 45min vor unserer Ankunft in St. George an. Er ist gerade auf Arbeit, nimmt sich jedoch extra Zeit nach Hause zu kommen, um uns in sein Apartment zu lassen.
 
Er flitzt durch das Haus, zeigt uns unser Zimmer, gibt uns eine neue Decke, die er eben noch schnell gekauft hat, erklärt uns wo wir was finden und das wir in der Küche alles benutzen und essen können was wir mögen. Zunächst kehrt er auf Arbeit zurück, sodass wir Zeit haben, uns nach 25 Tagen Camping wieder an ein Dach über dem Kopf zu gewöhnen und mit richtig warmem Wasser zu duschen. Auch unsere Socken können wir endlich richtig waschen, obwohl wir sie auch zu Selbstverteidigungszwecken weiter hätten nutzen können.
Ben ist Anfang 30, topfit, immer in Bewegung und hat immer etwas zu tun. Er gehört zu den Menschen die alles geben. Am Dixie State College ist er als Tutor für die Studienfächer Foto- und Film tätig und ist selbst am Wochenende für seine Studenten da. In den nächsten Tagen möchte uns Ben die Umgebung der Stadt zeigen, die mit viel schöner Wüstennatur auf uns wartet.
 
Am Samstag fahren wir früh morgens los zu unserer ersten Wanderung zu den Petrified Sanddunes (versteinerte Sanddünen). Wir müssen schauen, dass wir Bens schnellem Schritt folgen können. So springen und klettern wir also über Steine und Felsen, deren Kulisse sich hervorragend für Fotos eignet. Optimal für uns, denn Ben ist ein sehr versierter Fotograf und somit entstehen einige schöne Bilder, auf denen wir beide gemeinsam zu sehen sind. Auf dem Rückweg passieren wir die Stadt Kayenta, eine Community mit millionenschweren Wohnhäusern, die alle mit ähnlicher Architektur unscheinbar in die Wüstenlandschaft integriert sind.
 
Zum Frühstück halten wir in der Umgebung an einer kleinen Pie Bakery. Schon beim Betrachten der Kuchen im Schaufenster läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Um möglichst viele Geschmacksrichtungen auszuprobieren, teilen wir uns fünf Kuchen – Pekanuss, Rhabarber-Erdbeer, Pfirsich, Pumpkin (Kürbis) und Cocos, die so gut schmecken, dass wir alles an Ort und Stelle vernichten. Nach einer halben Stunde Schlaraffenland rollen wir weiter zum Snow Canyon State Park. Sandsteinklippen und versteinerte Lavaströme formen hier die Landschaft und lassen uns wieder einmal über die Vielfältigkeit Utahs staunen. Später zeigt uns Ben noch die Cougar Cliffs: Sandsteinklippen auf denen wir herumklettern können und eine schöne Aussicht auf die Stadt in der Ferne haben. Am Abend schauen wir uns den Westernklassiker „The Searchers“ mit John Wayne an, was nun noch mehr Spaß macht, da wir einige Filmkulissen des Wilden Westens, wie das Monument Valley, bereits selbst gesehen haben.
 
In dem Fotostudio am College, in dem Ben arbeitet, haben wir ein Bild von einem Fotoshooting bei einem kleinen Wasserfall in einem Canyon gesehen. Auf unsere Nachfrage hin wo das sei, schlägt uns Ben vor, dort hin zu wandern. Allerdings müssten wir lange Zeit durch einen Fluss waten, was ohne Neoprenschuhe recht kalt ist. In den USA haben die großen Geschäfte auch sonntags offen, sodass wir in einem Sportladen nach billigen Neoprensocken suchen. Doch billig gibt es diese nicht, so versuchen wir es mit Merino-Wollsocken. Das hört sich erstmal komisch an, doch sie sollen zumindest etwas Isolation geben. Am Ausgangspunkt unserer Wanderung durch den Kanarra Creek ist es durch den Wind recht frisch, sodass wir schon überlegen ob es so sinnvoll ist, länger durch einen kalten Fluss zu wandern. So schlimm wie kaltes Gletscherwasser wird es schon nicht sein, also auf geht es. Mit unseren Sandalen und Merino-Socken an den Füßen, suchen wir uns immer den möglichst schnellsten Weg von Stein zu Stein durch das kühle Nass, während Ben mit seinen Neoprensocken fast ständig im Wasser steht um Fotos zu machen. Durch das bunt leuchtende Herbstlaub ist die Atmosphäre im Canyon besonders schön. Nach einer halben Stunde erreichen wir den Wasserfall mit der kleinen Leiter nebenan, jenes Motiv welches wir auf dem Foto gesehen hatten. Wir klettern die kleine Stahlleiter hinauf weiter in den Canyon und kommen zu einer kleinen Plattform, auf der wir Rast machen. Die Füße schmerzen schon etwas, sodass wir sie im Sonnenlicht aufwärmen. Schließlich müssen wir noch den ganzen Weg durch das Wasser zurück laufen. Am Ende hat Ben sogar mit seinen Neoprensocken ordentlich zu tun und spürt seine Zehen kaum noch, da er deutlich länger im Wasser stand als wir. Die Merinosocken sind zwar durchnässt, doch sobald man aus dem Wasser raus ist, halten sie die Füße etwas warm.
 
Zum späten Mittagessen bereiten wir unseren „Spezial-Feta-Grill-Käse“ zu, denn meistens kochen wir zumindest einmal Essen für unsere Gastgeber. Zusammen mit dem gegrillten Lachsburgern ist es ein wahres Festessen. Gut gestärkt brechen wir auf zur zweiten Wanderung des Tages, zu einer weiteren Sand- und Steinwüste. Man könnte nun denken, schon wieder Sand und Stein, wird das nicht langweilig? Nein ganz und gar nicht und uns überrascht es mittlerweile auch nicht mehr, dass wir hier in Utah wieder auf eine andersartige Umgebung stoßen, die sich von dem unterscheidet, was wir bisher gesehen haben.
 
Am Montag legen wir einen „Home Office“ Tag in Bens Wohnung ein, während er arbeiten ist. Zum Abend hin fahren wir gemeinsam zur Mojave Desert, wobei uns allein die Anfahrt durch einen großen Canyon, untermalt durch Filmmusik im Auto, besonders Freude macht. Die Mojave Desert erstreckt sich mit 35.000 qkm über Teile Utahs, Arizonas, Nevadas und Kaliforniens und umfasst dabei auch Las Vegas, das Death Valley und den Joshua Tree Nationalpark bei San Diego. Hier in der Nähe von Sankt George, gibt es einen Abschnitt mit überdurchschnittlich vielen Joshua Trees. Genau das möchte uns Ben zeigen und so genießen wir unseren letzten Abend mit Ben beim Sonnenuntergang zwischen den skurrilen Formen dieser Agavengewächse, welche nur im Gebiet der Mojave Desert zu finden sind.
 
Damit ist unsere Zeit mit Ben zu Ende. Wir haben uns bei ihm sehr wohl gefühlt und konnten uns mit ihm über viele Themen wie Fotografie, Familie, Religion, das Leben in St. George und Weiteres austauschen. Für unseren nächsten Besuch sollen wir klettern lernen, damit wir noch spannendere Wanderungen unternehmen können.
Ben ist der Letzte der Familie Braten (der Familie von Gail aus Anchorage) den wir besuchen. Seine Eltern haben ihm den zweiten Vornamen „Schade“ gegeben, da sie aufgrund der Herkunft des Urgroßvaters einen deutschen Namen integrieren wollten und sich dieses Wort in englischer Aussprache gut anhörte. Doch als Ben nachforschte, was es eigentlich in deutscher Sprache bedeutet, war er nicht sonderlich begeistert. Wir sagen jedoch in dem Fall für uns: Schade, der letzte Braten.
 


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Märchenland und Wüstenachterbahn

05. – 10.10.2014
 
Irgendwo hatten wir mal Leute sagen hören „Bryce Canyon“, den schafft ihr in einem halben Tag. Diese Leute wissen gar nicht was ihnen entgangen ist. Die Parkstraße abzufahren und an den Aussichtspunkten anhalten ist das eine. Doch mindestens genauso faszinierend wie der Anblick von oben, ist eine Wanderung im Inneren des Canyons. Wir nehmen uns also, nachdem wir am ersten Tag einige Aussichtspunkte abgefahren sind, noch einen zweiten Tag für den Bryce Canyon Zeit und wandern den 13km langen Fairyland Loop. Was wir hier sehen sucht seinesgleichen. Wir befinden uns wahrlich in einem Märchenland. Ganze Schlösser meint man zu sehen und es fehlen nur noch die Kobolde und Feen zwischen den bunten Felsen. Wir haben mal die verschiedenen Farben gezählt, die man hier von einer Stelle in den Steinwäldern um uns herum beobachten kann: rot, orange, rosa, lila, weiß, gelb, braun, grün und alle möglichen diversen Zwischentöne. Es ist ein Wunder, dass diese Landschaft noch nicht als Filmkulisse gedient hat. Wie vermutet sind die 13 km Rundweg den meisten Touristen zu lang und so sind wir mehrere Stunden unterwegs und treffen nur wenige Leute an. Der Bryce Canyon zählt definitiv zu unseren „USA-Highlights“.
 
In der Nähe hatten wir in einer „Forest Service Road“ des Red Canyon einen schönen Platz für unser Zelt gefunden. Tagsüber haben wir das Zelt und die Schlafsäcke dort zurückgelassen. Dabei hatte ich ein nicht ganz so gutes Gefühl, doch hierhin verirren sich nur wenige und dann sind dies meistens Naturliebhaber und keine Zelträuber. An zwei Abenden können wir Lagerfeuer machen und Marshmellows rösten. Im Schutz der Dunkelheit und bei ausreichender Wärme des Feuers, „Duschen“ wir uns mit unseren Wasservorräten unter freiem Himmel. Da wir uns auf 2500m Höhe befinden und es schon Anfang Oktober ist, sind die Nächte hier mit Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes sehr kalt. Da freuen wir uns morgens über die verbleibende Glut unter der Asche, die noch erstaunlich warm ist. Die Tage werden für uns zunehmend kürzer, denn es wird bereits kurz nach 6 Uhr dunkel und damit auch kalt. Wir spüren direkt den Temperaturabfall, nachdem die Sonne hinter dem Berg verschwunden ist. Morgens wird es gegen 7 Uhr hell, doch es dauert eine ganze Weile bis es wenigstens 10 Grad werden. Nachmittags ist es in der Sonne wiederum so heiß, dass wir es nur im T-Shirt und Kurzer Hose aushalten.
 
In einer Lokalzeitung hatten wir ein Foto von der „Wave“ gesehen. Die „Wave“ ist eine einzigartige wellenförmige Steinlandschaft, die man nur mit einer speziellen Erlaubnis (Permit) bewandern darf. Diese Permits werden aufgrund des hohen Andrangs jeden Morgen für den Folgetag in der Kleinstadt Kanab verlost. Es gibt pro Tag nur 10 Plätze, die vor Ort verlost werden und selbst in der Nebensaison stehen angeblich 50 Leute auf der Matte. Die Erfolgschancen sind also relativ gering, aber wir wollen es dennoch versuchen.
Damit wir morgens direkt um halb neun am Ort des Geschehens sein können, machen wir uns in der näheren Umgebung von Kanab auf die Suche nach einem Platz für unser Zelt. Der Coral Pink Sand Dunes Park scheint uns dafür geeignet. Nachdem wir uns ein paar Mal im Sand auf Seitenwegen festgefahren hatten, war die Stimmung im Keller. Schließlich finden wir eine große weite Fläche, die auf den ersten Augenblick nicht so gemütlich aussieht, doch wir sind zu fertig um weiter zu suchen.
 
Nachdem sich jeder für sich abreagiert hat, passieren zwei ATV Fahrer unser Zelt und grüßen. Bei Einbruch der Dunkelheit kommen sie zurück und halten bei uns an. Einer der beiden stellt sich als Dave vor und lädt uns dazu ein, später in ihr Camp zu kommen. Er interessiert sich für unsere Motorradreise und im Camp gäbe es Kuchen. Mit Essen kann man Reisende immer locken und da wir heute im Dunkeln eh nichts Besseres zu tun haben, gesellen wir uns später hinzu. Es ist eine größere Familie, die hier versteckt im Busch ihr Lager aufgeschlagen hat. Drei ATVs stehen hintereinander aufgereiht und dahinter sitzen alle um ein großes Lagerfeuer herum. Innerhalb von drei Minuten sitzen wir in Campingstühlen, in einer Hand eine Soda, in der anderen ein Smore (heißer Marshmellow mit Keks und Schokolade). Während wir das Kaltgetränk genießen, werden wir mit Fragen zu unserer Reise bombardiert. Die beantworten wir natürlich gerne und bald hat sich eine lebendige Gesprächsrunde entwickelt. Dave lädt uns für den nächsten Morgen auf eine 20-minütige ATV Fahrt ein und bringt damit unseren Plan nach Kanab zu fahren ins wanken. Wir haben auf Grund einer Verabredung in St. George nicht mehr viel Zeit und müssen uns daher entscheiden: einmalige Wave oder einmalige ATV Tour? Ja, auch wir haben Luxusprobleme.
 
Am nächsten Morgen steht unsere Entscheidung fest: wir nehmen Dave‘s Angebot an. Auf dem ATV ist ein Aufkleber angebracht mit den Hinweisen „niemals Passagiere mitnehmen“ und „nur mit Helm und Schutzkleidung fahren“. Ich nehme also bei Dave auf dem Rücksitz Platz und Stephan bei Brady. Dave’s Töchter nehmen auf dem dritten ATV Platz. Es folgen zwei adrenalinreiche Stunden auf den Sanddünen. Auf dem Rücksitz müssen wir uns gut festklammern, denn wir preschen in einem Affenzahn über die Dünen. Interessant wird es immer, wenn wir oben am Kamm ankommen und erst dann sehen, wie steil die Düne dahinter abfällt. Da fahren wir doch jetzt nicht geradeaus runter? Doch. Aaaahhhh, es ist ein Gefühl wie in einer Achterbahn, nur das unsere Fahrer den Pfad selbst bestimmen können und immer wieder neue verrückte Wege, Höhen, Tiefen und Kurven finden. Die Dünenwüste scheint unendlich, es ist kein Mensch hier und wir haben das ganze Areal für uns. Bald haben wir das Gefühl zu fliegen und es stellt sich ein unglaubliches Freiheitsgefühl ein. Wir düsen hinauf und hinunter, schlagen Haken, springen und am Ende machen unsere Fahrer ein paar Wheelies. Wir haben das Gefühl eine Lotterie mit einem viel besseren Preis gewonnen zu haben. Das breite Grinsen in unseren Gesichtern ist unvermeidlich und löst sich erst einige Zeit nach der Fahrt.
 
Vielen Dank nochmals an dieser Stelle an Dave und seine Familie, für dieses berauschende Erlebnis!

 
Den restlichen Tag verbringen wir mit Dave, seiner Frau Char, den fünf Kindern und den Großeltern im Camp mit Spielen, Essen, Ausruhen und Feuerholz sammeln. Die Familie gehört der Glaubensrichtung der Mormonen an, die besonders hier in Utah weit verbreitet ist.
Dave ist ein Adrenalin-Junkie und hat in seinem Leben schon einige verrückte Sachen gemacht, gewollt oder ungewollt. Am Lagerfeuer kommen wir in den Genuss seiner abenteuerlichen Geschichten, die auf wahren Begebenheiten seines Lebens beruhen. Seine Kinder nennen diese scherzhaft „I-should-not-be-alive“ Stories. Mittlerweile haben die Geschichten eigene Titel wie Snakepit, Cougar bite, Hobo time, Bumper rides … . Dave ist wahrlich ein Erzählmeister und bringt uns alle zum Lachen.
 
Der Zion National Park hat sicherlich mehr verdient als nur einen Tag Aufmerksamkeit und ein paar Zeilen Text, doch da wir eine Verabredung in St. George haben, bleibt uns nicht viel mehr Zeit. So entscheiden wir uns für eine Fahrt mit dem kostenlosen Shuttlebus in den Zion Canyon und zwei kürzere Wanderungen innerhalb von einem Tag. Der Park ist auf den Hauptpfaden gut besucht, bietet jedoch auf den abgelegeneren Pfaden sehr schöne Wanderwege. Auf dem Rückweg von den Emerald Pools, die uns als größere Schlammpfützen enttäuscht haben, machen wir unsere erste Begegnung mit einer wild lebenden Tarantel. Sie wandert langsam über den Pfad, sodass wir in Ruhe ein paar Fotos machen können.
 
Ein Park Ranger hatte uns den Tipp gegeben, dass man am Rande eines anderen Teiles des Parkes frei campen kann. Wir machen uns also auf den Weg zum Kolob Reservoir und fahren eine sehr schöne Bergstraße hinauf auf ein Plateau. Dort sehen wir den Zion Park von einer weiteren schönen Seite. Wir schrauben uns immer höher und höher und bald wird es uns frisch um die Ohren. Kurz vor dem Ziel durchfahren wir leuchtend gelbe Aspenwälder. Durch die dunkleren Holzhütten, die wir ab und an zwischen dem Laub entdecken, haben wir plötzlich das Gefühl in Russland zu sein und bald die Hexe Babjaga in ihrem Sommerhaus anzutreffen. Das Kolob Reservoir ist ein mittelgroßer Stausee, der vielen Wasservögeln ein zu Hause bietet. Wir verbringen noch eine letzte kalte Nacht im Freien, bevor wir am nächsten Tag nach 25 Übernachtungen im Zelt zu Ben nach St. George fahren.
 


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Slot Canyons

30.09. – 04.10.2014  
 
„Hm, ganz schön teuer“ – „Da kommen wir aber so schnell nicht wieder hin und es ist eine einzigartige Fotolocation“… nach einigem Überlegen entscheiden wir uns dann trotz des für uns relativ teuren Eintritts (28€ pro Person) dafür, den beliebten Antelope Canyon zu besuchen. Es ist ein sogenannter Slot Canyon, also eine sehr schmale Schlucht, die durch Wasser und Wind über Jahrtausende in den porösen Gestein geformt wurde. Im Colorado Plateau gibt es viele solcher Slot Canyons, doch der Antelope Canyon ist auf Grund seines vergleichsweise einfachen Zustiegs und der schönen Formen und Farben besonders beliebt geworden. Er liegt nahe der Stadt Page und dem Lake Powell in Arizona in Sichtweite eines größeren Kraftwerkes. Außerdem befindet er sich im Navajo Reservat und darf nur im Rahmen einer geführten Tour besichtigt werden. Durch die zusätzliche Gebühr, die für das Betreten des Reservates erhoben wird und das Monopol der wenigen indianischen Touranbieter, entsteht der hohe Eintrittspreis. Der Besucherandrang ist dennoch so groß, dass im Viertelstundentakt Gruppen von 10-15 Personen durch den Canyon geschleust werden.  
 
Es gibt zwei verschiedene Zugänge zum Canyon, die nicht weit voneinander entfernt liegen: den Upper und den Lower Antelope Canyon. Die beiden Abschnitte unterscheiden sich in ihrer Form: Der Upper Canyon hat einen breiten Grund und oben eine schmale Öffnung, der Lower Canyon hat einen schmalen Grund und oben ein breite Öffnung. Das führt zu verschiedenen Lichtspielen zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten. Reto und Andrea, die beiden Schweizer, die wir im Canyonlands NP getroffen hatten, waren schon dort. Sie haben uns den Tipp gegeben, dass der Lower Canyon trotz des niedrigeren Eintrittspreises aus ihrer Sicht etwas sehenswerter ist. Wir entscheiden uns also für den Lower Canyon.  
 
Von oben betrachtet ist der Slot Canyon eine völlig unscheinbare Felsspalte in einer kargen Umgebung, doch sobald wir die Stahlleitern hinabgestiegen sind, befinden wir uns in einer anderen Welt. Die Sandsteinformationen, die sowohl bizarre Kanten, aber meist harmonisch geschwungene Wellen hervorbringen, beeindrucken uns sehr. Die schmale Schlucht ist zum Teil mehr als 30m tief und die Öffnungen am Canyonrand lassen nur wenig oder zum Teil nur sehr punktuell das Sonnenlicht hinein scheinen. Doch genau das macht den Reiz aus, denn die Farbkompositionen der Steinwände aus Rot-, Orange- und Brauntönen, kommen so erst richtig zur Geltung. Circa 1,5 Stunden dauert die Tour durch dieses bemerkenswerte Naturschauspiel. Leider dürfen wir kein Stativ mit hinunter nehmen, sodass wir uns bei der gegebenen Lichtsituation mit hohen ISO Werten und kleiner Blende zufrieden geben müssen. Es gibt auch spezielle Fototouren, bei denen dann das Mitnehmen eines Statives erlaubt ist, doch dafür bezahlt man dann entsprechend mehr.  
 
Slot Canons sind prinzipiell immer mit Vorsicht zu genießen. Nach starken Regenfällen kann es hier zu Flash Floods kommen. Auch wenn es beim Canyon selbst nicht regnet und über ihm strahlend blauer Himmel ist, kann Wasser von kilometerweit entfernten Regenfällen plötzlich in einer meterhohen Flutwelle den schmalen Canyon durchströmen. Was sonst zur Herausbildung dieser wunderschönen Slot Canyons führt, kostete so im Jahre 1997 elf Touristen im Lower Antelope Canyon das Leben. Egal welchen Slot Canyon man begeht, man sollte sich vorher im Wetterbericht über Niederschläge in der weiteren Umgebung informieren.  
 
Den Antelope Canyon zu durchwandern ist definitiv ein schönes Erlebnis. Doch in Utah befinden sich noch zahlreiche andere Slot Canyons, die auch sehr farben- sowie formenreich und dabei kostenfrei und nicht so überlaufen sind. Allerdings sind diese meist schwieriger zu erreichen und erfordern zum Teil fortgeschrittene Kletterkünste oder manchmal sogar Neoprenanzüge, um Wasserstellen zu durchqueren. Tatjana und Michi hatten uns ja schon damals auf die Slot Canyons aufmerksam gemacht und so entscheiden wir uns dafür, im Grand Staircase Escalante National Monument (GSENM) einige dieser Slot Canons zu besuchen. Wir verabreden uns mit den beiden zu einem erneuten Treffen in einer Pizzeria in Escalante. Es ist schön, sich mal wieder ausführlich in deutscher Sprache mit anderen Reisenden auszutauschen. Auch im übertragenen Sinne sprechen wir die gleiche Sprache und verstehen uns sehr gut, da wir ähnliche Interessen und Ansichten haben. Die beiden geben uns Tipps für Slot Canyons in der Nähe und so machen wir uns in den nächsten beiden Tagen auf, die Dry Fork Canyons und den Big Horn Canyon zu erkunden.  
 
Die Anfahrt zu den Dryfork Canyons über die Schotterpiste „Hole-In-The-Rock-Road“ dauert circa eine Stunde. Das letzte Stück ist mit den Bikes etwas kniffelig, da der Pfad sehr uneben ist und seitlich stark abfällt. Nachdem wir durchgeschwitzt das Ziel erreicht haben, beginnt unsere Wanderung. Drei Slot Canyons liegen hier nah beieinander und münden alle in einen größeren Canyon. Der Eingang zum Peek-a-boo Slot ist nur durch Klettern an einer circa vier Meter hohen Wand zu erreichen. Der Sandstein ist rutschig und es gibt kaum Möglichkeiten zum Greifen mit den Händen oder zum Stemmen mit den Füßen. Auf halber Höhe merke ich, dass ich hier vielleicht irgendwie hochkommen würde, doch dass das Herunterklettern schon schwieriger wird. Vier Meter Fall auf Steinboden würde wohl doch wehtun und so brechen wir das erstmal ab.  
 
Wir erkunden zunächst den Spooky Canyon, der seinem Namen alle Ehre macht. Die Felswände bestehen aus dunklem Gestein und es wird immer enger und enger. Bald müssen wir die Tankrucksäcke zurücklassen und seitwärts weitergehen. Doch auch in diese schmale Felsspalte dringt etwas Sonnenlicht und beleuchtet die zum Teil wie glatt geschliffenen Steinwände. Nach diesem spannendem Ort treffen wir auf dem Rückweg andere Wanderer, die den Peek-a-boo durchquert haben. Sie erzählen uns von einem Hinterausgang, auf dessen Suche wir uns dann direkt begeben. Auf dem Weg kommen uns zwei Leute entgegen und sie beschreiben uns in etwa wo der Eingang liegt. Nach etwas Suche finden wir es schließlich und können nun ohne halsbrecherische Aktionen in das Innere des Canyons vordringen. Auch hier treffen wir auf sehr schöne Form- und Farbgebungen und halten uns dort eine Weile auf. Auf dem Rückweg verlaufen wir uns fast, da wir den falschen Sandspuren folgen und machen einen halbstündigen Umweg. Zum Schluss bleibt uns noch, den Dryfork Canyon entlang zu wandern. Dieser ist nicht ganz so eng wie die anderen, aber auf Grund seiner lila-rosanen Farbgebung und Größe dennoch eindrucksvoll. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit sind wir wieder am Zelt, kochen uns unser Abendbrot und in fallen ins „Bett“.  
 
Am Morgen wartet die nächste Tour auf uns: der Bighorn Trail. Dank der guten Beschreibung von Michi finden wir den nicht ausgeschilderten Ausgangspunkt in dieser einsamen Gegend. Mit Sonnencreme, Sonnenhut, Wasser und ein paar Snacks bewaffnet, machen wir uns auf den Weg. Wir folgen den Spuren im Sand und bald können wir den Canyon erkennen. Die Steinlandschaft hier unterscheidet sich wieder von dem, was wir bisher in Utah gesehen haben. Diesmal dominieren die Farben Gelb, Lila, Weiß und Orange. Nach einiger Zeit zieht sich der bisweilen geräumige Canyon immer weiter zu, bis wir auf eine Engstelle stoßen.  
 
Hier muss es in den Slot Canyon hineingehen, denken wir uns. Doch nach ein paar Metern wartet die erste Hürde: ein Wasserloch. Eigentlich kein Problem, doch man sollte bei Slot Canyons, die man nicht kennt, stets an den Rückweg denken. Wir wissen noch nicht genau wie tief das Loch ist und man muss sich ein Stück den Sandstein hinunterrutschen lassen um hinein und hindurchzukommen. Steht oder schwimmt man sogar einmal im Wasser und kommt den Sandstein nicht mehr hoch, ist man gefangen. Hier draußen ist weit und breit keine Menschenseele und wir wollen natürlich nicht gefangen in der Steinwüste enden. Also prüfen wir erstmal mit einem langen dünnen Ast, wie tief das Becken ist. Der Befund: knietief und damit für uns machbar. Dann lasse ich mich hineingleiten, um zu prüfen ob ich aus eigener Kraft wieder zurückkommen würde. Es sieht einfach aus, doch die Sandsteinrutsche ist extrem glatt und ich finde keine Stelle, um mich mit den Händen irgendwo festzuhalten. Die nackten Füße rutschen ständig auf dem mittlerweile vom Wasser schmierigen Sandstein ab und nach einiger Zeit wird das Wasser ganz schön kalt.  
 
Für diesen Fall sollte Stephan oben bleiben, um mir helfen zu können. Unser erster Plan: im Wasser eine kleine Treppe aus Steinen bauen. Eine blöde Idee, wie wir schnell feststellen, denn sämtliche Steine aus der Umgebung sind poröser Sandstein und zerspringen und zerbröseln im Wasser. Nach erneuten, mehrmaligen Versuchen schaffe ich es dann doch mich im Rückwärtsgang aus dem Loch hochzudrücken. Dabei hilft mir eine minikleine Auswölbung im Stein, die ich mit meinen Zehen umklammern kann. Es geht also doch und nachdem es Stephan auch noch mal versucht hat, packen wir unser Zeug und transferieren unser Tagesgepäck und die Schuhe auf die andere Seite des Wasserlochs. Frohen Mutes dringen wir in den interessanten Slot ein, doch bereits nach weniger als 50 Metern kommt die Enttäuschung: hier ist eine so schmale und tiefe Stelle, dass wir gar nicht erst an einen Versuch denken uns dort hineinzuwagen. Also müssen wir wieder zurück durchs Wasserloch. Spannend war es trotzdem und wir haben mal wieder etwas dazugelernt.  
 
Wir versuchen nun oben am Canyonrand weiterzukommen und finden nach einer Weile tatsächlich einen Pfad, der uns immer weiter in den Bighorn Canyon hineinführt. Es wird wieder eng, doch diesmal können wir mit etwas Klettern alle Hindernisse überwinden. Rechts und links von uns ragen die Felswände steil empor und ab und an huscht eine kleine Echse an uns vorbei. Wir haben pro Person nur einen Liter Wasser dabei, was viel zu wenig ist. Wir hatten jedoch nicht damit gerechnet 6,5 Stunden unterwegs zu sein. Außerdem geraten wir langsam unter etwas Zeitdruck, denn die huckelige Zufahrtstraße wollen wir auf jeden Fall noch vor Sonnenuntergang zurück fahren. Mit riesigem Durst kommen wir wieder an den Motorrädern an, fahren die Schotterpiste zurück und freuen uns mal wieder auf ein selbstgemachtes Campingabendbrot aus der Tüte.  
 


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